Olten

Wasserbotschafter Ernst Bromeis: Die Verletzlichkeit des Wassers geht uns alle an

Ernst Bromeis im Stadttheater.

Ernst Bromeis im Stadttheater.

Ernst Bromeis warb an Herbstversammlung des regionalen Industrie- und Handelsvereins im Oltner Stadttheater um neue Wasserbotschafter.

Obwohl derzeit viel Nass von oben kommt, macht der Industrie- und Handelsverein Region Olten um das Thema Wasser keinen Bogen. An der Herbstversammlung am Donnerstagabend im Stadttheater bot er dem Bündner Wasserbotschafter Ernst Bromeis eine Plattform, um auf die Verletzlichkeit der für die Menschheit wichtigsten Ressource aufmerksam zu machen. Der frühere Sportlehrer und Spitzensporttrainer verfolgt seit 2007 eine Mission: Mit Schwimmexpeditionen und der Gründung der Stiftung «Das blaue Wunder» will er dem Wasser weltweit zu jenem Stellenwert verhelfen, den es verdient. «Wir haben nicht die Wahl, ob wir Wasser brauchen wollen oder nicht», hob Ernst Bromeis die Einzigartigkeit des Rohstoffs hervor. Trotzdem habe Wasser seit der Industrialisierung seine Seele verloren und sei zur reinen Ware verkommen. Und trotz eines scheinbar stetigen Kreislaufs sei Wasser zerstörbar und endlich. Dass noch zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu Wasser hätten, verpflichte zudem auch zur Solidarität.

Das heimatliche Graubünden nahm der passionierte Schwimmer zum Ausgangspunkt für seine abenteuerlichen Umweltprojekte. Im Tourismuskanton, von der Natur mit Wasser gesegnet und vom Wellnessbereich bis zur Schneekanone vom Wasser abhängig, durchquert er
200 Bergseen, danach in jedem Kanton den grössten See. Im Jahr 2012 lanciert er das erste Rhein-Projekt. Aus der zu sehr verplanten Expedition, die ihn öffentlich scheitern lässt, zieht der dreifache Familienvater die Konsequenzen. 2014 schafft er den Rhein vom Tomasee bis zur Mündung in die Nordsee ohne Fahrplan und mit bloss einem Begleitboot.

Alle können Wasserbotschafter sein

2015 nimmt er die Weltausstellung in Mailand ins Visier. Er versucht schwimmend an die Expo zu gelangen, an der Wasserlösungen für 10 Milliarden Erdenbewohner präsentiert werden. Doch das Tag-und-Nacht-Unternehmen misslingt wegen der aktuellen Wasserprobleme: Die dreckigen Mailänder Kanäle bringen ihn zur Erschöpfung und 10 Kilometer vor dem Ziel zum Stoppen. Eine noch grössere Herausforderung stellt sich Ernst Bromeis mit dem Baikalsee, der einen Fünftel des globalen Süsswassers speichert. 800 Kilometer will er auf dem See mitten in Sibirien allein zurücklegen. Der Zeitpunkt im Hochsommer 2019, das Okay der russischen Behörden, die Ausrüstung, das Essen, die Kommunikation, die Vorbereitung auf Gefahren müssen stimmen – dann zwingen ihn Herzrhythmusstörungen trotz aller medizinischen Checks im Vorfeld nach 60 Kilometer zum Abbruch.

Der Rückschlag entmutigt den Davoser nicht. Der Baikalsee bleibt auf der Agenda und Wasserbotschafter mit der Kraft, die Welt zu verändern, will er sowieso bleiben. Der Aufgaben gibt es zu viele: Wassersparen bedeutet Energie. Eis, das wegen des Klimawandels zu Wasser wird, bringt die Berge in Bewegung. Wasserverschmutzung, Plastik, Mikroverunreinigungen, Wasserknappheit und Überschwemmungen halten viele Länder in Atem.

Im Stadttheater hoffte Bromeis am Ende seines Vortrags, Wasserbotschafter im Publikum gefunden zu haben. «Wer jedes Mal am Wasser ein Stück Abfall mitnimmt und entsorgt und wer einmal im Jahr richtig ins Wasser eintaucht und sich berühren lässt», hat laut dem Bündner wichtige Voraussetzungen dazu erfüllt.

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