Amtsgericht Olten-Gösgen

Velos geklaut: War es gewerblicher Diebstahl oder nicht?

Auch am Oltner Bahnhof bediente sich der Angeklagte einiger Drahtesel.

Auch am Oltner Bahnhof bediente sich der Angeklagte einiger Drahtesel.

Am Donnerstag musste sich ein junger Mann vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen wegen mehrfachen Velodiebstahls verantworten. Der 23-Jährige will «nie mehr so einen Blödsinn machen».

Sicher sei es nicht, ob der Angeklagte denn auch auftauchen werde, hiess es am Donnerstagmorgen am Amtsgericht Olten-Gösgen. Der wegen gewerbsmässigen Diebstahls, versuchten Diebstahls und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes angeklagte 23-Jährige versäumte es nämlich in der Vergangenheit wiederholt, an wichtigen Terminen teilzunehmen. Der Befürchtungen zum Trotz erschien der junge Mann kurz vor Beginn der Verhandlung in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Michel Meier.

Im Zeitraum von Mai 2013 bis Oktober 2013 soll der Beschuldigte etliche Fahrräder gestohlen und anschliessend verkauft haben, so die Anklageschrift. Darunter am Bahnhof Olten, an der Kantonsschule Olten und an der Trimbacher Baslerstrasse. In einigen Fällen blieb es allerdings nur beim Versuch. Ausserdem wird ihm vorgehalten, mehrfach Drogen erworben und konsumiert zu haben.

Genaue Anzahl unbekannt

Nach der Schulzeit begann der Beschuldigte eine Anlehre als Schreiner, brach diese aufgrund von schulischen und familiären Problemen aber ab. Vor dem Amtsgerichtspräsidenten Pierino Orfei sprach er von einem gestörten Verhältnis zwischen Mutter und Sohn. Zum Vater, der psychische Probleme habe, hat er erst seit ungefähr vier Jahren wieder Kontakt. Sowohl Mutter als auch Sohn leben derzeit von Sozialhilfe. Ausserdem war der in Olten und Trimbach Aufgewachsene drogenabhängig. So kam es, dass der Beschuldigte, der in Trainerhosen und Strickpulli erschien, in die Beschaffungskriminalität abrutschte und begann, Fahrräder zu klauen.

In der Zeit von Mai 2013 bis Oktober 2013 entwendete der Angeklagte Fahrrädern, wobei die genaue Anzahl nicht definiert werden kann. Dies weil «niemand so genau weiss, wie viele es wirklich waren, wahrscheinlich nicht einmal der Beschuldigte selbst», wie der Verteidiger erklärte. Die Drahtesel verkaufte er an einen lokalen Velohändler oder an diverse Privatpersonen. Dabei stellte der Amtsgerichtspräsident fest, dass der Angeklagte ein Velo, welches er im Juni 2013 entwendet hatte, gar nicht Anfang August 2013 verkauft haben könne. Dies weil sich der Angeklagte zum fraglichen Zeitpunkt in Haft befand.

In einigen Fällen blieb es beim versuchten Diebstahl, da er dabei beobachtet wurde. In zwei Fällen wurde ihm das bereits gestohlene Velo erneut entwendet. Im Juli 2013 wurde er insgesamt viermal von der Polizei angehalten und dreimal auf den Posten gebracht. Erneut in Gewahrsam genommen wurde der Beschuldigte Mitte August 2013, nachdem ihn die Ordnungshüter mit einem im Juli gestohlenen Velo erwischten. Ende Oktober 2013 soll er ausserdem eine Ecstasy-Pille erworben und konsumiert haben. Im selben Monat klaute er weitere vier Velos, von denen er zwei verkaufte. Eines brachte er wieder zurück und eines wurde ihm geklaut. Der Angeklagte gab, bis auf den Kauf der Ecstasy-Pille, alle Taten zu.

Nur bedingte Schuldsprechung

Auch der Angeklagte selbst hat psychische Probleme. Nach einer Auseinandersetzung mit zwei Jugendlichen, in deren Verlauf der Angeklagte geschlagen wurde, wurde er von der Polizei in eine psychiatrische Klinik gebracht. Dort verbrachte er zweieinhalb Monate. Seither wohnt er in einem Heilsarmee-Wohnheim. Bei der Entlassung wurde ihm eine ambulante Therapie verordnet, zu der er bis anhin nie erschien.

In seinem zwanzigminütigen Plädoyer erklärte Staatsanwalt Imanuel Darouich, warum es sich um gewerbsmässiger Diebstahl handle. Er forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, die nicht aufzuschieben sei. Dabei soll die bisherige Zeit in der Untersuchungshaft und die stationäre Behandlung in der psychiatrischen Klinik angerechnet werden. Ausserdem forderte der Staatsanwalt eine stationäre Therapie, «da der Beschuldigte ein hohes Mass an krimineller Energie aufweist». Dies passte dem Angeklagten gar nicht, musste ihn sein Verteidiger während des Plädoyers doch mehrmals ermahnen.

Verteidiger Michel Meier seinerseits verlangte, sein Mandant von einigen Anklagepunkten freizusprechen, da mehrere Einvernahmen, in denen der Angeklagte offenbar neue Informationen preisgab, ohne die Verteidigung stattfanden. Deshalb dürften diese Erkenntnisse nicht verwendet werden, argumentierte Meier. Der Verteidiger erklärte ausserdem, dass es sich dabei nicht um gewerbsmässigen Diebstahl handle, da es kein berufsmässiger Handel sei. In seinem vierzigminütigen Plädoyer forderte er eine Verurteilung seines Mandanten wegen Diebstahls, versuchten Diebstahls und Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er forderte eine Geldstrafe, die nach richterlichem Ermessen ausfallen soll; ausserdem eine ambulante Therapie.

Der junge Mann zeigte sich am Ende der Verhandlung einsichtig: «Es tut mir leid. Ich mache sicher nie mehr so einen Blödsinn.» Das Urteil wird am Freitag, 30. Januar, mündlich eröffnet.

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