Als sein Urgrossvater Rudolf Nussbaum 1907 in der noch jungen Firma – die Gründung erfolgte vier Jahre vorher – mit Jakob Grob den ersten Lehrling einstellte, konnte sich der Firmengründer wohl kaum vorstellen, dass in den nächsten 111 Jahren über 600 weitere Lehrlinge aus dem metallbearbeitenden, konstruierenden, mechanischen, logistischen und kaufmännischen Bereich folgen sollten.

Denn die fundierte Ausbildung von Nachwuchskräften ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Herstellers von Armaturen und Systemen für die Sanitär- und Heiztechnik, der seinen schweizweit rund 430 Mitarbeitenden immer wieder Wertschätzung auch in Form solcher Anlässe entgegenbringt.

Nachdem die Firma das 111-Jahr-Jubiläum 2014 mit einem Mitarbeiterfest unter anderem mit Patent Ochsner feierte, war nun die nächste 111er-Zahl an der Reihe. Ein wenig kleiner, aber nicht weniger herzlich. Davon konnten sich Nussbaum-Ausbildungsverantwortliche, die gesamte Geschäftsleitung und Ehrengäste aus Berufsbildungsverbänden und Politik überzeugen. Ein Zelthimmel voller Arbeitsmaterialien, der Ausstellbereich mit den drei Berufsrichtungen KV, Mechanik und Logistik einst und heute, Essstände und ein Festbereich mit Bühne erwarteten dabei die 250-köpfige Gästeschar.

Durch das kurzweilige Programm führte Rhaban Straumann. Der Theaterkabarettist und Autor begrüsste die anwesenden Gäste und leitete zu Andreas Nussbaum weiter. Der Initiant des Anlasses freute sich sichtlich über die vielen Anwesenden und betonte, dass eine solche Erfolgsgeschichte nur möglich wird, wenn ganz viele ganz Vieles richtig gemacht hätten. Liam Webster, Logistik-Lernender im zweiten Lehrjahr, bedankte sich vonseiten der aktuellen Lernenden für das Fest und die gute Ausbildung, die einem hier geboten werde.

Amüsante Podiumsdiskussion

Dominik Studer vom kantonalen Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen gratulierte, dass man dieses besondere Jubiläum feiern kann und dies auch tut. Nussbaum sei in vielerlei Hinsicht ein Vorzeigebetrieb und beweise mit dem Lehrangebot Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft. Zum Abschluss der Begrüssungsrunde sprach dann Theaterkabarettist Matthias Kunz alias Dr. Walter B. Grünspan.

Der Vertreter vom Bund spannte einen weiten Bogen, zog waghalsige Vergleiche herbei, zeigte völlig unbekannte Zusammenhänge auf, offenbarte verblüffendes Fachwissen, aber wies auch auf Engagement, Qualität und Innovation als Geheimnis erfolgreicher Firmen hin. Und endlich, als wohl doch nicht ganz offizieller Gesandter, überbrachte er die Grussworte der Schweizer Regierung.

Damit war auch der Mini-Streetfood-Bereich eröffnet, wo man sich an diversen Stationen verpflegen konnte. Anschliessend begrüsste Rhaban Straumann eine illustre Gästeschar zu einer anregenden und mehr als einmal sehr amüsanten Podiumsdiskussion.

Zu den bereits bekannten Rednern Andreas Nussbaum, Dominik Studer und Dr. Grünspan gesellten sich mit Markus Pfister der Leiter der Lehrlingsausbildung im technischen Bereich, mit Andreas Weber ein aktueller Polymechaniker im 4. Lehrjahr sowie Georg Segessenmann, ein ehemaliger Mechaniker-Lehrling aus dem Jahr 1964. Die Gäste äusserten sich manchmal kurz und prägnant, ab und an ausführlich und gewürzt mit so mancher Anekdote zu einem breiten Bereich der Lehrlingsausbildung im Laufe der Zeit.

Offenen Lehrstellen

Aktuell allgemeine Themen wie die vielen offenen Lehrstellen (deren 6000 konnten schweizweit 2018 nicht besetzt werden) gegenüber der Forderung nach mehr Gymnasiasten wurden offen diskutiert, mögliche Strategien (seitens des Kantons, der Schweiz und auch von einzelnen Firmen) aufgezeigt und gleich engagiert kommentiert. Für pointierte Aussagen sorgte auch immer wieder Dr. Grünspan.

Aber auch Nussbaum-spezifische Fragen nach dem Erfolgsrezept der Ausbildung wie die Lehrwerkstatt, der Prüfungsbetrieb vom Kanton oder die vollamtliche Lehrlingsbetreuung wurden beantwortet. Gewisse Lehrlings-Erfahrungen des mittlerweile 86-jährigen Georg Segessenmann konnte der 21-jährige Andreas Weber bestätigen, andere wie die Arbeitszeit nur mit Staunen zur Kenntnis nehmen.

Auch über die möglicherweise fehlende Reife der Jugendlichen («25 ist das neue 18») und ein Ausblick zu künftigen Lehrangeboten wurde gesprochen. Eine der interessantesten Fragen «Wie informiert sich ein Lehrmeister vorgängig über einen potenziellen Lehrlingsbewerber?» wollte aber Markus Pfister partout nur mit einem Lächeln beantworten.

Persönliche Erlebnisse aus den letzten Jahren rundeten die kurzweilig geführte Podiumsdiskussion ab. Damit aber davon nicht nur Worte bleiben, wurde von Andreas Nussbaum am Schluss eine grosse Tafel enthüllt, auf dem die Vornamen sämtlicher Lehrlinge der letzten 111 Jahre (und mit Platz für viele künftige) verewigt sind. (mgt)