Fahrdienst

«Starke Konkurrenz»: Was Uber in Olten für das bisherige Taxigewerbe bedeutet

Für die Oltner Taxifahrer kann es schwierig werden: Da Uber keine Konzession benötigt, fallen auch die Chauffeure nicht unter das Oltner Taxireglement und benötigen keine Taxichauffeurbewilligung.

Für die Oltner Taxifahrer kann es schwierig werden: Da Uber keine Konzession benötigt, fallen auch die Chauffeure nicht unter das Oltner Taxireglement und benötigen keine Taxichauffeurbewilligung.

Die Mobilitätsplattform Uber will in Olten Fuss fassen. Das bedeutet der Start für die bisherigen Taxifahrer, Uberfahrer und Passagiere.

«Vieles wird besser, wenn Menschen mobil bleiben.» Das schreibt das US-Unternehmen in einer Mitteilung. Daraus geht hervor, dass die Oltner Bevölkerung ab sofort Fahrten über die App des «Technologieunternehmens für alternative Beförderungsmöglichkeiten» buchen kann. Bei einer ersten Anfrage weiss Lukas Müllegg, Bereichsleiter Verkehr und Taxiwesen bei der Stadt, noch nichts von der Lancierung der App.

Die Firma, die laut eigenen Angaben «die Art und Weise revolutioniert, wie Menschen sich fortbewegen», stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. In einigen Ländern und Städten verlor Uber wiederholt die Lizenz. Zum einen erhielten Fahrer keinen Arbeitsvertrag und somit auch keine Sozialleistungen bezahlt. Sie arbeiteten als Selbständige für den Dienst und kamen dabei kaum auf ein existenzsicherndes Einkommen. Zweiter Kritikpunkt ist die Untergrabung der geltenden Gesetze für Taxiunternehmen. Taxis unterstehen dem Transportgesetz und benötigen eine Lizenz. Dabei sind Regionen für den Einsatz definiert und die Preisgestaltung wird reglementiert. Zudem bezahlen Taxis für jedes Fahrzeug eine Konzession. Das Geschäftsmodell von Uber entzog sich wiederholt diesen Auflagen. Der öffentlichen Hand entgehen durch dieses Geschäftsmodell Einnahmen.

Unverständnis bei Taxiunternehmen

Rolf Siegrist ist Geschäftsführer von Aaretaxi in Olten. Er hält nichts vom neuen Dienst: «Wir bezahlen für jedes Fahrzeug hohe Konzessionen bei der Stadt.» Ihm bleibe nichts anderes übrig als weiter zu arbeiten wie bisher. «Dabei mache ich die Faust im Sack.» Ein weiterer Schlag stellt für ihn der Zeitpunkt dar: «Die kommen mit ihrem Angebot genau jetzt, wo es für uns Fahrer langsam wieder beginnt zu laufen.» Siegrist will schauen, wie sich das Angebot entwickelt. «Wir haben schon so manchen Sturm überlebt.»

Die Funktion der App ist simpel: Mit einigen Klicks wird Start- und Zielort einer Route gewählt, ein verfügbarer Fahrer, der beim Dienst als solcher angemeldet ist, nimmt den Auftrag an. Die Preise für solche Fahrten liegen wesentlich tiefer, als die Tarife regulärer Taxis. Bezahlt wird mit hinterlegter Kreditkarte per App. Der Dienst betont in der Mitteilung, dass viel für die Sicherheit getan werde: «Jede Fahrt wird per GPS verfolgt und kann in Echtzeit mit Kontakten geteilt werden.» Weitere Funktionen sind Fahrerprofile mit Foto und Notfalltasten in der App. Das Unternehmen setzt auf geografische Expansion: In den letzten sechs Monaten ist Uber in vielen Schweizer Städten aktiv geworden. Das Unternehmen plant auch andere Dienste. In einigen Städten kann bereits mittels Uber Eats Essen von Restaurants nach Hause bestellt werden. In Bern fahren nur lizenzierte Taxifahrer für den Dienst. Das ist aber keine Freiwilligkeit von Uber. Das Gesetz verlangt es so von Personen, die in Bern gewerbsmässig Personen befördern. Dazu gehört Uber.

Keine Auflagen in Olten

Anders schaut es in Olten aus. Lukas Müllegg von der Stadt sagt: «Das Oltner Taxireglement gilt für Taxidienstleistungen in der Stadt Olten, die als Taxi erkennbar oder als solche gekennzeichnet Fahrten ausführen». Limousinenfahrten wie jene von Uber fallen nicht unter das Reglement und benötigen keine Konzession. Im gleichen Reglement steht: «Wer mit einer Taxikonzession Taxifahrten ausführt, benötigt eine Taxichauffeurbewilligung». Da Uber keine Konzession benötigt, fallen auch die Chauffeure nicht unter das Oltner Taxireglement und benötigen keine Taxichauffeurbewilligung. Allerdings haben sie die Vorschriften des schweizerischen Strassenverkehrsgesetzes und der Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Lenker von Personentransportfahrzeugen und Personenwagen zu erfüllen. Bis dato gebe es für Uber von Seiten der Stadt Olten keine Auflagen. Und weiter sagt Müllegg: «Die Erfahrungen werden zeigen, wie das Angebot einzuschätzen ist. Zu erwarten ist eine starke Konkurrenz für das bisherige Taxigewerbe.» Da es keine Auflagen gebe, würden auch keine Kontrollen durchgeführt.

Die Kommunikationsagentur, welche Uber in der Schweiz vertritt, schreibt auf Anfrage: «Der Start in Olten als wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Schweiz, war naheliegend.» Zudem bestehe in Olten eine grosse Nachfrage: «Allein im vergangenen Jahr haben mehr als 16 000 Menschen in Olten versucht, eine Fahrt über Uber zu buchen.» Zunächst werde der Service UberX angeboten. Gemäss der Regulierung arbeite Uber ausschliesslich mit selbständigen Fahrern zusammen, die über eine Bewilligung zum berufsmässigen Personentransport verfügen. Die Fahrzeuge werden nicht gekennzeichnet. Vor dem Start in Olten habe Uber sowohl mit politischen Vertretern als auch der Polizei Kontakt aufgenommen, um diese zu informieren. Die Fahrpreise setzten sich aus den Faktoren Strecke, Zeit und Verkehrslage zusammen. Die App zeige jedoch schon vor der Bestellung den genauen Preis an. Vom Spital zum Bahnhof koste eine Fahrt rund 6 CHF.

Es bleibt die Frage: Macht maximale Mobilität wirklich vieles besser und das um jeden Preis?

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