Olten

Standort wird geschlossen: Brockenstube rentiert nicht mehr

Bald verschwindet dieser Standort.

Bald verschwindet dieser Standort.

Traurige Stimmung an der Industriestrasse 142: Bald ist dort die Brockenstube der Heilsarmee passé. Mit ihr müssen auch vier Festangestellte, drei Zivildienstleistende und drei freiwillige Mitarbeiter gehen.

Ein eingespieltes Team — ja beinahe eine Familie — löst sich auf. Die Brocki am Standort Olten rentiere nicht mehr, so die Chefetage.

Die beliebte «Brocki-Tour» des Industriegebiets, welche viele Leute anzog, verkürzt sich erneut. Nur noch die Brockis «Schumi» und «Hiob» stehen ab 28. November mit offenen Türen da.

Auch Non-Profit-Organisation kündigt wegen roten Zahlen

Eine heile Welt scheint der Arbeitsplatz bei der Heilsarmee nicht zu sein. Zumindest nicht für die von der Schliessung betroffenen Mitarbeiter der Brocki in Olten: «An der Sitzung vom 29. September bekamen wir Bescheid, dass in acht Wochen geschlossen wird und wir demnächst unsere Kündigungen im Briefkasten haben werden», erzählt Vanessa, die ihren vollen Namen nicht nennen will.

Zivi Sascha (r.), stellvertretende Filialleiterin Vanessa und Mitarbeiter Patrick kümmerten sich lange um die Brocki.

Zivi Sascha (r.), stellvertretende Filialleiterin Vanessa und Mitarbeiter Patrick kümmerten sich lange um die Brocki.

An der Sitzung dabei gewesen seien Verantwortliche und Mitarbeiter der Filialen Bern, Olten und Münchenbuchsee. Auch Münchenbuchsee blickt Ende November demselben Schicksal entgegen, weshalb auch für die Mitarbeitenden dort die heile Welt zerplatzte.

«Sie sagten uns, man könne sich für die Brocki in Bern innerhalb von vier Tagen mit einem Motivationsbrief bewerben. Dort werde ein neues Team gebildet», sagt Vanessa. Sie hat sich aber nicht beworben.

Zu kurz sei die Bewerbungsfrist gewesen und genug Arbeitsplätze für alle hätte es ohnehin nicht gegeben. Hauptsächlich aber habe sie die Art und Weise, wie ihnen das mitgeteilt wurde, zum Entscheid bewogen einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen.

«Seit sechs Jahren arbeite ich im Vollzeitpensum hier. Wie das Ganze ablief, ist nicht recht.» Sie verstehe die Schliessung in Olten nicht wirklich. Schleierhaft kam ihr vor, dass Möbel und Elektrowaren aus dem Verkaufssortiment rausgenommen wurden.

«Gerade diese Waren erfreuten sich bei unseren Kunden grosser Beliebtheit. Vor dieser Veränderung lief es gut.»

Patricks Anstellung bei der Heilsarmee, auch er will nicht mit vollem Namen genannt werden, endet ebenfalls Ende dieses Monats. Während fünf Jahren war er «ein bisschen Mädchen für alles», erledigte sämtliche Aufgaben und wird, wie alle anderen auch, insbesondere die familiäre Stimmung innerhalb des Teams vermissen.

Als Hobby-DJ — Künstlername DJ Bunker — legt er seit Bekanntgabe der Schliessung jeden Samstag seine Vinylplatten in der Brocki auf.

Zivildienstleistende: Glück im Unglück

Für den Zivildienstleistenden, der gestern seinen Dienst in der Brocki antrat, hat die Schliessung zum Glück keine negativen Konsequenzen: «Bereits vor einem Jahr stand die Arbeitsvereinbarung mit der Heilsarmee.

Im Vorfeld habe ich von der Schliessung erfahren, zu meinen vier Wochen Zivildiensteinsatz komme ich dennoch.»

Auch Zivi Sascha Mumenthaler hatte Glück, er kann seine Zeit noch abarbeiten. Seit drei Jahren absolviere er hier jährlich seine vier Wochen Zivildiensteinsatz: «Ich wurde immer wieder neu angefragt und habe gerne zugesagt, das Team hier ist super! Jetzt ist wohl der Zeitpunkt für etwas Neues gekommen.»

Wöschnau ist die neue Anlaufstelle

Mehr oder weniger neu ist die Brocki in Wöschnau tatsächlich. Nach dem Brand im Jahr 2011, wurde alles wieder neu und modern aufgebaut. Auch ein neues Arbeitsteam wurde zusammengestellt.

Wer in die nächste Heilsarmee will, muss nach Wöschnau.

Wer in die nächste Heilsarmee will, muss nach Wöschnau.

Vanessa erinnert sich: «Ich kenne eine Frau, die über 30 Jahre in Wöschnau gearbeitet hatte. Nach dem Brand wurde ihr gekündigt.» Wurde ihr keine Stelle im neuen Team angeboten? Vanessa weiss zumindest: In Wöschnau arbeitet ihre Bekannte nicht mehr.

Oltner Stammgäste wie etwa René, bedauern die Schliessung. Seit über 35 Jahren geht er in der Heilsarmee Brockenstube ein und aus.

Er sieht als möglichen Grund für die Schliessung auch die unterschiedliche Mentalität zwischen jungen und alten Generationen: «Die Jungen gehen nicht mehr so oft in die Brockis. Wir dagegen kennen es anders, wir sind anders erzogen worden. Wir lebten einfacher und haben gelernt uns mit Secondhand Kleidern zufriedenzugeben. Bei fünf oder sechs Kindern musste man sich die Dinge eben teilen.»

Marlis schaut seit zirka zehn Jahren regelmässig zwei bis dreimal im Monat vorbei und sucht nach Schnäppchen: «Schade schliesst die Brocki. Das Sortiment war gut und geordnet.»

Die weitere Nutzung des Gebäudes ist derzeit unklar. Die Heilsarmee Brockenstube war lediglich eingemietet.

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