Wangen bei Olten

Soll grüne Wiese zu Geld gemacht werden?

Das grösste Entwicklungsgebiet der Gemeinde, der Zelgliacker (hinten rechts nach dem Gheidgraben im Bild), soll mit der nächsten Ortsplanungsrevision zur Wohnzone werden.

Das grösste Entwicklungsgebiet der Gemeinde, der Zelgliacker (hinten rechts nach dem Gheidgraben im Bild), soll mit der nächsten Ortsplanungsrevision zur Wohnzone werden.

Wangen bei Olten will das Gebiet Zelgliacker zur Wohnzone erklären. Eine Diplomarbeit zeigt die Möglichkeiten auf. Es regt sich aber Widerstand.

Die Gemeinde Wangen bei Olten verfügt im Quartier Kleinwangen über das grösste bereits eingezonte Entwicklungsgebiet. Der Zelgli­acker mit knapp 14'000 m2 soll bei der nächsten Ortsplanungsrevision von der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen in eine Wohnzone umgewandelt werden. Diese Umzonung ist aber umstritten, wie die letzte Gemeindeversammlung Anfang Dezember gezeigt hat.

Vor allem Pascal Haussener äusserte sich kritisch dazu. Als Anwohner wolle er zum einen keinen Mehrverkehr, zum anderen sehe er aber auch «die Notwendigkeit nicht ein, wieso eine Grünzone an der Peripherie des Gemeindegebiets überbaut werden soll», wiederholte er seine Vorbehalte auf Anfrage. Gemäss Raumplanungsgesetz soll gegen innen verdichtet werden. Dazu komme, dass in Wangen schon jetzt viele Neubauten geplant seien und eine der höchsten Leerwohnungsziffern der Schweiz aufweise. Haussener, der auch Präsident der lokalen SP ist, hat bei der Mitwirkung zum räumlichen Leitbild eine Eingabe gegen die Umzonung gemacht, die 22 Anwohner unterschrieben haben. Auch andere Eingaben äusserten sich kritisch gegenüber den Plänen des Gemeinderats. Trotz einiger skeptischer Voten hat der Souverän an der Gemeindeversammlung Anfang Dezember das räumliche Leitbild schliesslich doch angenommen, wenn auch relativ knapp mit 73 Ja- zu 60 Nein-Stimmen bei 12 Enthaltungen.

Bauverwalter verfasste Diplomarbeit zu Zelgliacker

Interessant ist, dass sich Bauverwalter Mirco Pittroff im Rahmen seiner Weiterbildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz in einer Diplomarbeit intensiv mit dem Gebiet Zelgli­acker befasst hat. Am Schluss der rund 50-seitigen Schrift hat er eine Handlungsempfehlung an den Gemeinderat abgegeben. So rät er etwa, die 14'000 m2 grosse Wiese sowie ein angrenzendes Grundstück, das noch nicht der Gemeinde gehört, von der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen in die Wohnzone W2 mit Gestaltungsplanpflicht zu überführen. Damit würde die Gemeinde bei der weiteren Planung des Gebiets ein Mitspracherecht wahren. Mehrfamilienhäuser mit zwei oder drei Geschossen mit oder ohne Attikageschoss könnte Pittroff sich dort vorstellen, um eine höhere Dichte zu erreichen als in den angrenzenden Wohnquartieren.

Bei der letzten Ortsplanungsrevision Anfang der Nullerjahre wurde der Zelgliacker eingezont. Dies vor dem Hintergrund, dass dort einst ein Fussballstadion für den FC Wangen gebaut werden könnte, der damals in der zweithöchsten Fussballliga spielte. «Diese Voraussetzung ist heute nicht mehr gegeben und die strategische Landfläche für den ursprünglichen Zweck überflüssig», heisst es in Pittroffs Diplomarbeit. Auch als Reserve für mögliche Schulerweiterungen ist das Gebiet nicht mehr nötig. An allen drei Schulstandorten bestünden genügend Landreserven «für die notwendige Schulraumerweiterung in Folge des prognostizierten Bevölkerungswachstums», heisst es.

Soll Geld aus Verkauf neues Schulhaus finanzieren?

Vorgeschlagen werden auch drei Möglichkeiten, wie die Gemeinde das Grundstück verwerten könnte. Mit einem Verkauf wäre ein Bruttoertrag von 4,5 Millionen Franken möglich, so Pittroffs konservative Schätzung. Das so gewonnene Geld könnte «als Anschubfinanzierung einer grossen Investition» eingesetzt werden, etwa für den Ausbau des Schulstandorts Hinterbüel, heisst es in der Arbeit. Bereits 2017 hat die Gemeinde nämlich mit dem Verkauf des Muhrmattgrundstücks das neue Schulhaus Alp 2 ohne Fremdmittel finanziert. Auch eine Abgabe im Baurecht wird diskutiert. Als dritte Variante stellt Pittroff den gemeinnützigen Wohnungsbau vor, um preisgünstige Mietwohnungen zu ermöglichen.

Gemeindepräsidentin Daria Hof sagt auf Anfrage, dass der Gemeinderat die Diplomarbeit Pittroffs zur Kenntnis genommen habe, die darin diskutierte Umzonung aber bereits vorgängig ein Thema war. Zudem macht sie klar, dass der Gemeinderat noch nicht festgelegt hat, ob der Zelgliacker überhaupt umgezont wird und ob das Gebiet dann – nach erfolgter Umzonung – verkauft würde, im Baurecht abgegeben oder weitere Möglichkeiten wie der Genossenschaftsbau in Frage kämen. Zudem müsse auch die Zufahrt zum Zelgliacker möglichst quartierverträglich ausfallen. In Pittroffs Arbeit heisst es, dass das übergeordnete Verkehrsnetz den Mehrverkehr durch eine Überbauung des Zelgliackers «problemlos aufnehmen» könnte. Auch die Erschliessung mit dem ÖV sei «ausreichend».

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