Wer wagt sich schon in eine Klinik für Plastische Chirurgie? Für «einen Kaffee mit...» machen wir das doch gerne. Ein Treffen mit dem Leitenden plastischen Chirurgen der Klinik, Arif Altinay ist vereinbart. Wir setzen uns mit dem 46-Jährigen, der in der Nähe von München aufgewachsen ist, in den Aufenthaltsbereich der Klinik. Bei der Begrüssung fällt auf, wie fein die Hände des Arztes sind – Voraussetzung für diesen Beruf sicher.

Er sei durch Zufall vor gut einem Jahr nach Olten gekommen, beginnt er über sein Engagement in der Dreitannen-Stadt zu berichten. Ein Freund habe ihn auf die Stelle in der Pallas-Klinik aufmerksam gemacht und durch einen weiteren Bekannten, der in Luzern arbeitet, wusste der türkisch-stämmige Deutsche, was ihn in der Schweiz ungefähr erwartet. «Zwar kannte ich weder diese Gegend noch die Klinik, doch es ist ja nicht viel anders, als dort wo ich aufgewachsen bin». Er lächelt.

Die plastische Chirurgie sei europaweit standardisiert, deshalb seien die Behandlungen hier nicht anders, als anderswo, erklärt der Arzt. «Die Patienten, die zu uns kommen, wissen ganz genau, was sie wollen». Am häufigsten würden Oberlidstraffungen, Brustvergrösserungen oder Fettabsaugen im operativen Bereich durchgeführt. Im nicht-operativen Teil gehe es meist um Unterspritzungen mit Hyaluron oder Botolinum, also Botox. Für Hautauffrischungen wird vielfach eine Eigenbluttherapie angewandt oder auch noch Fadenliftings durchgeführt. «Es geht nicht darum, groteskes Aussehen entstehen zu lassen. Das lehne ich komplett ab. Eine gute Behandlung ist jene, die man nicht sieht.»

Es würden vor jedem Eingriff ausführliche Gespräche geführt, sagt Altinay. Dazu gebe es auch Hilfsmittel. «Beispielsweise entsprechende Einlagen bei Brustvergrösserungen, damit die Frau das entsprechende Körpergefühl testen kann oder 3-D-Simulationen, um Vorher-Nachher-Effekte aufzuzeigen.» In den Medien sehe man meist nur die übertriebenen Schönheitsoperationen. Zum Beispiel in jüngster Vergangenheit eine Rippenentfernung. «Das ist etwas, was es bei uns nicht geben würde.»

«Die Gründe für ein Brustimplantat können sehr vielfältig sein», führt Altinay aus: Sehr kleine, oder gar keine Brüste, unterschiedliche Grösse oder schlaffe Haut nach Schwangerschaft und Stillzeit. «Warum soll man diesen Frauen nicht helfen, sich wieder schön zu finden?». Psychologische Hintergründe würden bei den Gesprächen offen diskutiert.

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Lieber im Kleinen, Feinen

Altinay erzählt, wie er selbst zum Plastischen Chirurgen geworden ist. «Dass ich Chirurg werden wollte, war mir immer klar. Zunächst sollte es Unfallchirurgie sein, doch nach dem praktischen Jahr mit Mitarbeit in einer Ästhetischen Klinik war mein Entscheid gefallen. Ich arbeite lieber im kleinen und feinen Bereich.»

Die Schönheitschirurgie wird in Zukunft zunehmen, ist sich der Arzt sicher. «Die Eingriffe werden erschwinglicher und damit mehr verbreitet.» Doch: «Unter 18 Jahren wird bei uns niemand behandelt, ausser es geht um eine Ohranlegung.» Er habe einmal eine 17-Jährige in der Klinik gehabt und sie nach Hause geschickt. Jüngere Mädchen seien noch nie vorbeigekommen.

Und warum wollen sich Menschen überhaupt verschönern lassen? «Jeder will schön sein, weil er geliebt werden will. Schöne Menschen werden eher geliebt, sind erfolgreicher.» Und man will jung bleiben. «Man kann die Jahre mit Eingriffen etwas zurückdrehen, doch nicht endlos.

Beim Älterwerden gibt es innere und äussere Faktoren, denen wir alle unterliegen.» Altinay sagt noch: «90 Prozent aller, die sich für eine Schönheitsoperation interessieren, wagen den Schritt dann doch nicht.»