Ein knappes halbes Jahr ist es her, seit der Erlinsbacher Pfarrerstreit eskalierte: Eine Volksbewegung brachte die Mehrheit des fünfköpfigen Kirchgemeinderates von Erlinsbach SO zu Fall, weil das Führungstrio den populären Pfarrverweser Andy Jecklin nicht zur Wahl vorschlagen wollte.

Unter dem Druck der Volksbewegung nahm zuerst Präsident Ruedi Kyburz den Hut, anfangs Juli traten auch Werner Schlatter und Wolfgang Akermann zurück. Im Rat verblieben zwei der Volksbewegung angehörende Frauen: Käthy Schüttel und Margrit Maier.

Damit war die Behörde aber nach solothurnischem Recht nicht mehr handlungsfähig.

Am 9. Juli baten die beiden das Amt für Gemeinden um Einsetzung eines Sachwalters. Als solchen setzte der Solothurner Regierungsrat im August dann den erfahrenen Krisenmanager Walter Keller ein.

Nun erhält die Kirchgemeinde ihre Selbstständigkeit zurück. Fünf Frauen, darunter die beiden bisherigen Kirchgemeinderätinnen, wollen das Ruder der Gemeinde übernehmen.

Und da sich für die notwendigen Ersatzwahlen für den Rest der Amtsperiode 2013– 2017 während der Anmeldefrist nicht mehr Kandidierende anmeldeten, als Sitze zu besetzen sind, gelten die Vorgeschlagenen nun als in stiller Wahl gewählt. Der angekündigte Wahlgang vom 29. November entfällt.

Stille Wahl – auch des Pfarrers

Gewählt sind somit die drei Neuen Laura Cardozo, Denise Musterle und Susanne Steger sowie die Bisherige Käthy Schüttel, die das Präsidium übernimmt. Vizepräsidentin wird Laura Cardozo.

Da Margrit Maier seinerzeit in einer ordentlichen Wahl gewählt wurde, erübrigte sich in ihrem Fall das Wahlprozedere. Hingegen war bisher nie eine ordentliche Wahl von Käthy Schüttel erfolgt, weshalb diese nun nachgeholt werden musste.

Ebenfalls in stiller Wahl gewählt ist als Pfarrer der bisherige Pfarrverweser Andy Jecklin. Dessen Installation wird laut Käthy Schüttel am 20. Dezember erfolgen.

Gestern Dienstag hat Schüttel auf dem Oberamt das Gelübde abgelegt. Die drei neuen Kirchgemeinderätinnen werden zu diesem Zweck zu einem späteren Zeitpunkt nach Olten fahren. Nach der Gelöbnisabnahme kann das neue Gremium starten. Die erste Sitzung soll am 7. Dezember stattfinden.

Sachwalter ist noch im Amt

Der vom Regierungsrat eingesetzte Sachwalter ist derzeit noch im Amt. Walter Keller spricht deshalb von einem «Schwebezustand». Mit dem Amt für Gemeinden sei abgemacht, dass er vorderhand noch «Schuhlöffeldienste» für die neue Behörde leiste.

Schliesslich sei die Mehrheit des Quintetts punkto Behördentätigkeit gänzlich unerfahren. Keller rechnet damit, dass er sein Mandat ungefähr Ende des laufenden Jahres endgültig niederlegen kann.

Erfahrene Vorbereitungsgruppe

Mit der Suche nach neuen Behördenmitgliedern hatte Keller nach eigenen Angaben direkt nichts zu tun. Auch habe er die Gewählten noch nie physisch zu Gesicht bekommen.

Das Heft in die Hand genommen hatte eine Vorbereitungsgruppe, als deren Vertreter Werner Holliger mit ihm Kontakt gehabt habe, sagt Keller, der sich bewusst zurückhielt. «Wenn die Kraft, das Problem zu lösen, vor Ort vorhanden ist», so der Sachwalter, «muss ich ja keinen künstlichen Aufwand betreiben.»

Dass sich der Sachwalter an der Suche nach einer wieder handlungsfähigen Behörde nicht aktiv beteilige, sei nicht ungewöhnlich, erklärt Keller. Auch in der römisch-katholischen Kirchgemeinde Kleinlützel SO, wo er 2008 wegen der Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Fall Sabo zum Rechten sehen musste, sei es so gewesen.

Die Vorbereitungsgruppe, die auch die Unterschriften für die Kandidierenden sammelte, bestand aus früheren Behördenmitgliedern und weiteren erfahrenen Gliedern der Kirchgemeinde.

Ihr Kopf war nach Käthy Schüttels Angaben Ernst Moser, der im Frühsommer schon als Wortführer der «Volksbewegung» aufgetreten war. Der Gruppe gehörten ausser ihm und Werner Holliger auch Karl und Edith Giger, Martin Gut sowie Daniel Zingg an.

Sie selber und Margrit Maier, sagt Schüttel, seien bei den Sitzungen jeweils ebenfalls dabei gewesen.

Der Kirchgemeinderat besteht nun aus fünf Personen, die am selben Strick ziehen. Käthy Schüttel freut sich: «Die Frauen sind motiviert, denken mit und ergänzen einander – das gibt eine gute Sache.»

Die drei Neuen, so die Präsidentin, habe sie «schon lange im Sack gehabt». Trotzdem habe man noch lange Ausschau nach einem passenden Mann gehalten. Aber keiner sei wirklich für das Amt verfügbar gewesen.