Seit einem halben Jahrhundert steht der moderne Kirchenbau der Pauluskirche auf der linken Stadtseite in Olten. Im April feiert die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde das Jubiläum mit den verschiedensten Anlässen. Das Fest dauert vom 19. bis 21. April. Am Karfreitag startet es mit einem klassischen Konzert, der Samstag steht im Zeichen der Kinder und Jugendlichen und am Ostersonntag findet der Festgottesdienst und Mittagessen statt.

Am 8. Juni 1968 fand der Glockenaufzug der Pauluskirche statt. Einer der damaligen Primarschüler erinnert sich noch gut daran, wie die Schulklassen die Glocken aufzogen. Beeindruckt habe ihn als Kind die aufgeräumte Stimmung der Beteiligten und der Imbiss, den sie später im Rohbau einnahmen, während auf dem Boden Baubretter zwischen den Pfützen lagen. Im März des folgenden Jahres dann wurde die Pauluskirche eingeweiht. «Tout Olten» nahm an der Feier teil, berichteten die Chronisten.

Dem Bau der Pauluskirche ging eine längere Planungsphase voraus. 1958 hatte die Kirchgemeinde das Land für 445'000 Franken erworben. Ein Projektwettbewerb wurde ausgeschrieben, den der Architekt Ernst Müller aus Grenchen gewann. Sieben Jahre später bewilligte die Kirchgemeindeversammlung den Baukredit von rund 2,95 Millionen Franken. Der Kredit konnte übrigens eingehalten werden. Es brauchte aber noch zusätzliche grosszügige Spender, um die vier Glocken, die Orgel und die künstlerische Ausgestaltung der Kanzel, des Abendmahlstischs und des Taufsteins im Chorraum zu finanzieren.

8472 Reformierte

Die neue Kirche war notwendig geworden, da die Bevölkerung in Olten in den Siebzigerjahren stark zunahm. Neue Quartiere waren inzwischen entstanden. 1970 zählte die Drei-Tannenstadt 21'209 Einwohner, darunter 8472 Reformierte. Zum Vergleich: 2017 hat Olten 18'465 Einwohner und 3393 Reformierte.

Seit 1929 gab es in Olten für die Reformierten die Friedenskirche. Doch der Weg zur Friedenskirche war am Sonntag jeweils lang. So witzelte Pfarrer Werner Frei 1969 in der Sonderbeilage der Oltner Zeitungen zur Einweihung: «Bis jetzt galt es weitherum als beliebte Entschuldigung, die Friedenskirche sei zu weit weg. Wenn alle, die unseren Pfarrern versprochen haben, den Weg zum Gottesdienst wieder unter die Füsse zu nehmen, wenn bei uns auf der linken Aareseite eine Kirche stehe, tatsächlich danach handeln, werde wir kaum noch vor leeren Kirchenbänken predigen.»

Jürg Hochuli, Architekt in Olten und als Kind beim Glockenaufzug selbst dabei, hält die Pauluskirche für gelungen. Sie sei kein protziger Bau, sondern füge sich harmonisch in das Quartier mit den Häusern aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ein. «Es gibt keine riesige Treppe vor der Kirche, sondern eine bescheidene Treppe führt hinauf auf das Vordach, das gleich den Kirchenplatz bildet», sagt Jürg Hochuli. Diese Durchgängigkeit sei angenehm.
Der Bau fällt vor allem durch seinen modernen Stil auf. Auf vier schlanken Betonsäulen erhebt sich der Glockenturm. Er schwebt über dem zweiten Betonkubus, durch dessen milchige Fenster in der Nacht das Licht nach draussen dringt. Unter der Kirche befinden sich der Gemeindesaal, die Unterrichtszimmer und die Büros.

Zeugnis der Solothurner Schule

Der klare Baustil der Pauluskirche gehört zur «Solothurner Schule», eine Bewegung von Architekten am Jura Südfuss. Wie bei industriellen Bauten dominieren hier Beton, Stahl und Glas, sagt Jürg Hochuli. «Die helle, lichtdurchflutende Kirche hingegen hat etwas Mystisches», so Jürg Hochuli. Wenn das Licht durch das Vlies zwischen den beiden Scheiben schimmert, erinnert der sakrale Raum an einen japanischen Pavillon.

Das Spiel von Licht und Schatten, die indirekte Sichtbarkeit des Windes, der vorbeiziehenden Wolken, die ganze Durchlässigkeit von aussen und innen sei für sie ein Symbol für unser Leben, meint Katharina Fuhrer, die noch bis Ende April an der Pauluskirche amtet. Dann wird sie pensioniert. Auch in unserem Leben gehörten Innen und Aussen zusammen, sagt die Pfarrerin. «Wenn in der Nacht ein Anlass in der Pauluskirche stattfindet und die Kirche von innen erhellt ist, dann sieht sie von aussen aus wie eine sanft leuchtende Laterne.»