Olten

Neue Stadttheater-Geschäftsführerin: «Wir brauchen ein modernes Bühnenhaus»

Pepe Lienhard, Charlotte Heinke und die Big Band Olten eröffneten im vollbesetzten Stadttheater mit einem musikalisch-gesanglichen Feuerwerk die neue Saison des Oltner Stadttheaters.

Am Freitagabend eröffnete das Stadttheater mit Pepe Lienhard und der Big Band Olten die Saison – und Edith Scott als neuer Geschäftsführerin.

Seit Anfang September ist die neue Stadttheater-Geschäftsführerin Edith Scott im Amt und wird von ihrem Vorgänger Herbert Schibler in die Geschäfte eingeführt. Im November wird die 30-Jährige erstmals Mutter, ihren viermonatigen Mutterschaftsurlaub beziehen und damit vom bald 65-jährigen Schibler nochmals vertreten. Im Interview mit dieser Zeitung anlässlich des gestrigen Saisonstarts im Oltner Stadttheater sagt Scott, warum die hohe Auslastung von bisher 88 Prozent künftig etwas zurückgehen könnte und das Bühnenhaus bald einmal saniert werden muss.

Sie sind seit Anfang September im Amt: Was für einen Betrieb haben Sie vorgefunden?
Edith Scott: Ich habe einen freundlichen Betrieb angetroffen, der mich mit offenen Türen empfangen hat, und der sehr gut strukturiert und organisiert ist. Eigentlich genau so, wie ich ihn bisher schon als Redaktionsleiterin der Theaterzeitung gekannt hatte.

Der Tagungsbetrieb, der rund ein Drittel des Umsatzes von 2,1 Millionen einbringt, sei noch ausbaufähig, sagte ihr Vorgänger Herbert Schibler bei der Bekanntgabe Ihrer Wahl. Wie sehen Sie das?
Ich bin mich am Einarbeiten, die Zahlen kenne ich noch nicht auswendig. Der Tagungsbetrieb ist bestimmt ausbaufähig, wenn dies mein Vorgänger so sagt. Ich kann aber nicht sagen, in welche Richtung es gehen könnte. Zuerst möchte ich den Betrieb kennenlernen.

Ist ein Ausbau auch nötig, um mehr Gelder für den Kulturbetrieb zu gewinnen?
Das ist sicher eine attraktive Option, um mehr Geld im Kulturbereich einsetzen zu können. Das wäre auch in meinem und im Sinne einer hohen kulturellen Qualität des Hauses.

Der Gastspielbetrieb hat bereits heute eine hohe Auslastung von 88 Prozent. Wie soll da künftig Ihre Handschrift erkennbar sein?
Die Auslastung von 88 Prozent zeigt, dass der Betrieb gut läuft und die Leute gerne kommen. Hier muss ich nicht alles auf den Kopf stellen, um den Leuten einen Grund zu geben, nicht mehr zu kommen (lacht). Ich gehe allerdings davon aus, dass der Wechsel in der Geschäftsführung wohl dennoch eine niedrigere Auslastung zur Folge hat. Dies, weil einige

Leute sehr eng mit Herbert Schibler und seiner Art, das Haus zu führen, verbunden waren. Auch wenn ich ein tolles Programm zusammenstelle, darf ich nicht davon ausgehen, dass mir das Publikum von Anfang an das gleiche Vertrauen entgegenbringen wird. Ich werde aber bemüht sein, die Qualität und Vielfalt des bisherigen Programms beibehalten zu können – natürlich mit eigenen Schwerpunkten: etwa mit Künstlern oder Themen, die bisher in Olten noch nicht gesehen wurden.

Für diese Saison 2019/20 sind die Vorstellungen bereits festgelegt. Wie weit ist die Planung für die nächste Saison 2020/21?
Die Planung für die nächste Saison machen Herbert Schibler und ich gemeinsam. Sie ist weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Das war ein sehr schöner Einstieg in den Job. Mein Vorgänger liess mir dabei sehr viele Freiheiten. Er stand mir aber beratend zur Seite und zeigte mir auf, wo es was zu bedenken gibt. Für mich war das sehr hilfreich. Es wird auf jeden Fall auch Neues geben, das dem Publikum hoffentlich gefallen wird. Das bedeutet aber auch, dass meine erste Saison, die ich komplett alleine gestalte, erst jene für die Jahre 2021/22 sein wird.

Das heisst, Sie haben schon vor dem 1. September, ihrem eigentlichen Jobstart, unentgeltlich gearbeitet?
Ja, das war nötig und auch in meinem Interesse. Hätte ich bis zum September zugewartet, wäre die Auswahl an Künstlern oder Produktionen kleiner gewesen, weil gewisse Daten schon nicht mehr möglich oder Agenturen schon ausgebucht wären. Ab Anfang April haben Herbert Schibler und ich uns daher regelmässig getroffen.

Ihr Vorgänger pflegte ein grosses Netzwerk. Wie wollen Sie davon profitieren?
Es ist für mich sicher anzustreben, ein solches Netzwerk weiterzuführen und auszubauen. Eine Stadt wie Olten ist genügend klein, damit man sich kennt. Da wäre es schade, wenn ich mich ausklinken und mein «Ding» drehen würde. Das widerspräche dem Geist dieses Städtchens. Der Aufbau eines eigenen Netzwerkes gehört für mich mitunter zu den grössten Herausforderungen: Natürlich kenne ich Olten bereits, wegen meines Alters aber auf anderen Ebenen. Da werde ich viel Aufbauarbeit leisten müssen. Das wird garantiert Jahre dauern. Herbert Schibler hilft mir aber auch da, die ersten Hürden zu nehmen, indem er mich bei Sponsoren und Mäzenen vorstellt und so die ersten Kontakte sicherstellt.

Auch politisch sind Sie gefordert: Das Bühnenhaus im Stadttheater ist sanierungsbedürftig und wird die Stadt einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Wie dringend ist in Ihren Augen die Renovation?
Das ist bei den vergangenen Oltner Kabarett-Tagen im Mai, als Wasser von der Decke auf die Bühne tropfte, allen vor Augen geführt worden. Wie dringend es ist, kann ich nicht sagen, weil ich das Gebäude noch zuwenig gut kenne. Damit wir aber einen qualitativ hochstehenden Gastspielbetrieb führen können, brauchen wir ein modernes Bühnenhaus. Wenn dies nicht in absehbarer Zeit geschieht, kann man diese Vorgabe nicht mehr sicherstellen.

Und auch privat erwartet Sie Neues: : Sie werden voraussichtlich im November erstmals Mutter. Der bisherige Geschäftsführer Herbert Schibler wird sie vertreten. Wissen Sie bereits, wie lange Sie im Mutterschaftsurlaub bleiben möchten?
Da werde ich mich an die 14 bis 16 Wochen halten. Auch vor dem Hintergrund, dass ich mich zwar auf die neue familiäre Herausforderung freue, aber genauso auch auf die Arbeit im Stadttheater.

BigBand Olten mit Pepe Lienhard

Die BigBand Olten spielte am Freitag mit Pepe Lienhard im Stadttheater Olten.

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