Olten

Nachbarschaftshilfe in städtischen Quartiere organisiert sich via WhatsApp-Gruppen und mithilfe einer Website

Das Kernteam der Nachbarschaftshilfe in Olten.

Das Kernteam der Nachbarschaftshilfe in Olten.

Die Website von Christian Ginsig koordiniert die Nachbarschaftshilfe in den städtischen Quartieren. Ein Kernteam von sechs Personen und rund 150 Helfer stehen Bedürftigen zur Verfügung.

«wer het hüt am nomi churz zitt mit i coop zcho, eis velo längt glaubs ned ganz för die liste woni becho ha...»

Seit Anfang vergangener Woche herrscht rege Aktivität in den Quartier-WhatsApp-Chats der Nachbarschaftshilfe. Viele Freiwillige haben sich bereit erklärt, in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen für hilfsbedürftige Personen einzuspringen.

Die Arbeit dieser Freiwilligen hat sich mit Hilfe der Oltner Website olteneinfach.ch, die von Christian Ginsig betrieben wird, zunehmend koordiniert und vernetzt: Unterdessen arbeitet ein Kernteam von sechs Personen daran, die Hilfe möglichst effizient zu organisieren.

In Quartiere unterteilt

«Wir haben die Stadt in Quartiere unterteilt, die wir nach den Schulhäusern benannt haben», erklärt Max Huber vom Kernteam. Frohheim, Bannfeld, Hübeli, Säli, Bifang, Kleinholz. In den Nachbargemeinden Trimbach und Starrkirch-Wil existiert ebenfalls eine Gruppe Freiwilliger, zudem eine Gruppe für Englischsprechende. Pro Quartier wurden ein Verantwortlicher bestimmt und Whats-
App-Chats eingerichtet.

Somit können sich die Freiwilligen für Aufträge melden, andere abtreten, falls sie diese nicht entgegennehmen oder nicht alleine bewältigen können. Mittlerweile teilt das Kernteam zufrieden mit, rund 150 Helfer zu haben.

Was diese Helfer für Sie tun könnten:

Diese nehmen verschiedenste Aufgaben wahr: Der Grossteil davon hilft Personen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht fortbewegen können beim Einkaufen, weil sie zur Risikogruppe gehören, in Quarantäne oder beschränkt mobil sind. «Andere bieten auch an, den Hund auszuführen oder die Kinder zu hüten. Wir bieten nur Services an, die keine Ausbildung erfordern: Pflegeanfragen müssen wir zum Beispiel ablehnen», erklärt Max Huber.

Das schwierigste: Leute auf analogem Weg zu erreichen

Das Team versucht, einen möglichst einfachen Kontakt mit der angesprochenen Bevölkerung herzustellen. Denn gemäss Christian Ginsig liegt die grösste Herausforderung der Nachbarschaftshilfe darin, das Angebot unter der Risikogruppe, meistens «Leute des älteren Semesters», bekannt zu machen – und es für sie möglichst einfach zu machen, diese Hilfe zu beanspruchen.

«Wir haben extrem engagierte Helfer, die unsere Quartierbriefe überall verteilen», erklärt Max Huber zufrieden. «In den Chats besprechen sie sich zur Zeit, welche Strassen noch nicht abgedeckt wurden.» Die Hilfeanfragen sollen auch zentralisiert werden: Der Velolieferdienst Collectors (siehe diesen Artikel) hat seine Telefonnummer zur Verfügung gestellt. Bei Collectors werden die Anfragen dann an die jeweiligen WhatsApp-Gruppen vermittelt.

Die Telefonnummer: 062 296 46 00

Mail: info@collectors-olten.ch

Transparenz wegen mögliche Betrüger

Die Registrierung der Helfer soll auch Transparenz schaffen: Denn es wäre einfach, sich vor der Haustüre als Helfer anzubieten und sich dann mit dem Einkaufsgeld davon zu machen. «Unsere Helfer haben uns ihre Kontaktdaten angegeben und wir versuchen, sie korrekt zu instruieren und den Kontakt zu ihnen zu wahren», sagt Huber. Der Umgang mit Bargeld ist angesichts der Hygiene-Lage ebenfalls ein Thema: Helfer müssen sich vor und nach der Hilfestellung die Hände waschen, am besten muss im Vorfeld abgesprochen werden, was der Einkauf kostet. Die Geldübergabe soll am besten via Couvert im Milchkästli erfolgen – und überall wo möglich via Twint.

Die Stadt hat auf ihrer Website explizit auf diese Nachbarschaftshilfe hingewiesen. «Solche Initiativen sind wichtig. Die Stadt hat schlichtweg die Kapazität nicht, nebst ihrer üblichen Dienstleistungen auch diese Hilfe anzubieten», sagt Stadtschreiber Markus Dietler. Im Moment ist es noch ruhig, sagt Max Huber. Er rechnet aber damit, dass dieser Ausnahmezustand noch länger dauern wird – und dann könnte es nicht mehr so ruhig sein.

Meistgesehen

Artboard 1