Olten

Museumsdamen: neu mit Museumsherr

Von links Karin Zuberbühler, Peter Flückiger und Luisa Bertolaccini; wenn der Souverän will, wird das Trio künftig im Oltner Haus der Museen kompakter interdisziplinär wirken können.

Von links Karin Zuberbühler, Peter Flückiger und Luisa Bertolaccini; wenn der Souverän will, wird das Trio künftig im Oltner Haus der Museen kompakter interdisziplinär wirken können.

«Das ist für uns eine grosse Chance. Und wenn wir die Gelegenheit bekommen, werden wir sie nutzen.» Die Leitenden der hiesigen Museen blicken ihrer neuen Heimat, dem «Haus der Museen», sehr positiv entgegen.

Nicht dass sie sich vorher nicht gekannt hätten; bei Gott nicht. Zusammenarbeit, gedanklicher Austausch, das fachübergreifende Thematisieren musealer Aspekte gehörte schon immer zum Denk- und Ausführungsauftrag von Karin Zuberbühler (Archäologisches Museum), Peter Flückiger (Naturmuseum) und Luisa Bertolaccini (Historisches Museum). Der Umstand, dass mit dem archäologischen Museum ein kantonales Gebilde zum Trio gehört, ist für die Verantwortlichen bloss von administrativem Belang.

Ein überraschend unkompliziertes Trio, so der Eindruck. Und sollte sich die Abstimmungsvorlage «Haus der Museen» am 5. Juni in Olten durchsetzen und mit dem geplanten Einzug des Naturmuseums an der Konradstrasse mit Peter Flückiger ein Museumsherr zu den Museumsdamen gesellen, empfinden die Betroffenen dies im Grunde als sinnstiftenden Kurzschluss in der hiesigen Museenlandschaft.

«Wir werden die Chance nutzen»

«Das ‹Haus der Museen› ist für uns eine grosse Chance. Und wenn wir die Gelegenheit bekommen, werden wir sie nutzen.» Peter Flückiger klingt überzeugt, der Satz nicht auswendig gelernt. Was überraschen mag: Niemand aus dem Museumstrio weint der vermeintlichen Vergangenheit eine Träne nach. Zu markant sind deren Nachteile: Sperrig die Ausstellungsräume, unflexibel und veraltet deren Infrastruktur, mangelhafte Konservierungsmöglichkeiten, fehlende ebenerdige Zutritte; die Liste der Ungereimtheiten ist lang.

Wo also sonst noch liegen jetzt die Ursachen dieses verbreiteten Optimismus’? Welches sind nun die Chancen, die mit dem Projekt «Haus der Museen» einhergehen? Interdisziplinär auftreten, ok. Aber wie könnte solches im Grundsatz aussehen? «Nehmen wir doch mal als Ausgangspunkt die Grossraubtiere wie Höhlenbär oder Mammut aus der Altsteinzeit», so Karin Zuberbühler. «Dazu könnte das Historische Museum etwa sogenannte Tierschauen aus dem 19. Jahrhundert thematisieren», ergänzt Luisa Bertolaccini.

Aha. Themen, die nach erfolgter didaktischer Analyse mehr hergeben als der eigene Verantwortungsbereich zu präsentieren vermag, finden zur selben Zeit in andern Abteilungen ihre Fortsetzung; und dies erst noch unter einem Dach.

Das nämlich ist unter anderem einer der Reize, der vom «Haus der Museen» ausgeht. Dass dabei die Ausstellungsflächen für die städtischen Museen etwas reduziert werden, irritiert niemanden aus dem Museumstrio. Mehr bedeutet eben nicht immer besser, ist man sich dort einig.

Den Stempel aufdrücken

Ein weiterer Reiz: Den Prozess zwischen leerem Museumsraum und dem fertig ausgestatteten Museum mitgestalten, der «Sache den Stempel» aufdrücken. Das ist anspruchsvoll. «Davor haben wir auch Respekt», sagt Luisa Bertolaccini. Denn im Leben eines Museumsleitenden sind Herausforderungen solcher Provenienz tatsächlich rar. Oder wie Peter Flückiger sagt: «Diese Möglichkeit hat man vielleicht einmal im Leben.» Die Möglichkeit nämlich, ein Museum praktisch von seinen Grundfesten bis hin zum definitiven Outfit begleiten und dabei auch noch mitbestimmen zu können.

Das bedeutet nämlich konkret: Einer Institution den eigenen Stempel aufdrücken. Und wie sieht der aus? «Natürlich gestaltet man in aller Regel aus Sicht der Besuchenden», so Luisa Bertolaccini, die im Historischen Museum versucht, das Ausstellungsgut in einem Kontext zu präsentieren, in dem der Besucher Bezüge zum Menschen jener Zeit oder gar zu sich selber herzustellen vermag. «Jedenfalls erhalte ich solche Rückmeldungen», meint die Leiterin des Historischen Museums.

Eine ähnliche Handschrift tragen Ausstellungen, die von Karin Zuberbühler kuratiert sind. Sie versucht jeweils, Zeitbegriffe aufzuheben, Vergangenheit für den Besucher in Zeitlosigkeit zu transformieren, während für Peter Flückiger eines gilt: Authentisches Material ausstellen, welches als Konzentrat das Thema erschliesst. Denn Ausstellen, so Flückiger handwerklich-philosophisch, sei «die Kunst des Auswählens».

Gemeinsam statt einsam

Natürlich sind die Details des im kürzlich verabschiedeten Leitbild festgehaltenen gemeinsamen Wirkens unter einem Dach noch nicht bekannt. Fest steht aber schon jetzt, dass deutlich intensiver interdisziplinär gearbeitet wird.

Dazu eignet sich auch der gemeinsam genutzte 4. Stock, wo auf 150 m2 Wechselausstellungen gezeigt werden. «Er wird von den Museen im Wechsel bespielt, kann aber auch gemeinsam genutzt werden», verrät Flückiger.

Gut zwei Wochen vor der Abstimmung am 5. Juni geben sich die drei Museumsleitenden bezüglich des Ausgangs optimistisch. Das «Haus der Museen» hat ihrer Einschätzung nach das «Zeug», Olten in die museale Neuzeit zu katapultieren. Auch wenn das Wort «museal» in diesem Zusammenhang wie ein Widerspruch tönt.

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