Hägendorf

«Möchte eine ernsthafte Diskussion anstossen»: Steht der Seelsorgeverband vor Umwälzungen?

Die Römisch-Katholiken von Hägendorf-Rickenbach suchen nach einer neuen Rolle im Seelsorgeverband Untergäu.

Die Römisch-Katholiken von Hägendorf-Rickenbach suchen nach einer neuen Rolle im Seelsorgeverband Untergäu.

Die Katholiken in Hägendorf-Rickenbach diskutierten Ende November unter anderem über eine verstärkte seelsorgerische Betreuung in der Kirchgemeinde.

Es gärt bei den Katholiken im Untergäu, jedenfalls bei dem einen. Simon Lauper, Gemeinderat der römisch-katholischen Kirchgemeinde Hägendorf-Rickenbach, hat einen provokativen Antrag formuliert und eingereicht; zur Behandlung an der ordentlichen Budgetversammlung vom 27. November: Austritt aus dem Seelsorgeverband Untergäu unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist. Konkret: Die römisch-katholische Kirchgemeinde Hägendorf-Rickenbach soll aus dem Verband Untergäu, dem auch die Kirchgemeinden Gunzgen, Hägendorf und Kappel-Boningen angehören, austreten.

Viele Ursachen führten zum Antrag

Die Gründe? Daraus macht Lauper keinen Hehl: Er sieht die Pfarrei Hägendorf-Rickenbach nämlich seit der Gründung des Seelsorgeverbandes Anfang 2019 in der Defensive. Die Kirchgemeinde bestreite einen wesentlichen Teil des Verbandsbudgets, kriege dafür zu wenig Gegenleistung. «Hägendorf-Rickenbach stemmt nach dem neuen Verteilschlüssel rund die Hälfte des Budgets, hat aber nur eine Stimme», sagt Lauper.

Das ist nur einer jener Aspekte, die sein Unbehagen nähren: «Das Angebot an Gottesdiensten in der Pfarrei Hägendorf-Rickenbach hat seit Einführung des Verbandes vor einem knappen Jahr stärker abgenommen als in den andern Pfarreien», führt Lauper weiter aus. Auch mit den Öffnungszeiten der diversen Pfarrämter ist er unzufrieden. «In Hägendorf haben diese um die Hälfte abgenommen, in Kappel dagegen um 150 Prozent zugelegt.»

Zudem ist der Mann mit diversen Praktiken im Verband nicht einverstanden: «Sohn und Gemahlin des Gemeindeleiters wurden als Katecheten angestellt, ohne dass die besagten Stellen vorgängig an angebrachter Stelle und in nützlicher Frist ausgeschrieben worden wären», hält Lauper fest und präzisiert, er wolle damit keineswegs die Kompetenzen dieser Personen infrage stellen. Aber: «Der Prozess, welcher zu diesen Anstellungen geführt hat, widerstrebt mir zutiefst.»

Überhaupt findet Lauper, es laufe im Verband einiges im Verborgenen ab. So etwa moniert er, noch keine komplette Einsicht ins Pflichtenheft des Pfarreileiters erhalten zu haben. Zum Teil, so Lauper, fehlten im Verband elementare Dinge.

Lauper ist seit zwei Jahren Mitglied des Kirchgemeinderates und hat den Antrag in Eigenregie lanciert. «Ich möchte eine ernsthafte Diskussion anstossen», sagt er. Denn die lange Kündigungsfrist erlaube, Ungereimtheiten jetzt auszuräumen und an der Budgetversammlung im kommenden Jahr allenfalls den erneuten Beitritt zum Verband zu beschliessen.

Antrag zurückgezogen, aber Diskussionsgrundlage

So weit das Szenario, wie’s für den 27. November angedacht gewesen wäre. Vorgestern Mittwoch kam der Kirchgemeinderat Hägendorf zusammen. Der hat Lauper davon überzeugen können, vom Antrag abzusehen und diesen zurückzuziehen. Nicht zuletzt wegen rechtlicher Fragen. Allerdings stösst Lauper mit seinen Fragen keineswegs ins Leere, wie Hans Trachsel, Kirchgemeindepräsident Hägendorf-Rickenbach, auf Anfrage zu verstehen gibt. «Ich habe durchaus Verständnis für seine Anliegen und teile zumindest teilweise die Ansichten von Simon Lauper.»

Nun nimmt der Kirchgemeinderat Laupers Antrag zum Anlass, an der Kirchgemeindeversammlung Ende November die darin enthalten Fragen unter dem Traktandum Verschiedenes zu diskutieren. Für Lauper ein praktikables Vorgehen. «Die Diskussion ist zumindest angestossen», meinte er am Donnerstag auf Anfrage. Im Rat sei das Bewusstsein geschärft worden, dem Seelsorgeverband fehle so etwas wie eine Basis. Eine Basis, die seinerzeit zwar im Hinblick auf den angedachten Pastoralraum mit Wangen bei Olten gelegt wurde, aber mit dem Entscheid Wangens, doch nicht im Pastoralraum mitzuwirken, unters Eis geraten und verloren gegangen sei. «Zumindest erhoffe ich mir von der Diskussion ein Echo aus der Bevölkerung und ein breiteres Bewusstsein dafür, dass mit dem Seelsorgeverband die Leistungen in Hägendorf spürbar abgebaut wurden», sagt Lauper.

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