Mein Olten
Pädagogische Ideen versus politische Realitäten

Denise Donatsch
Denise Donatsch
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Bildung und ihre Entwicklung: ein immerwährendes Thema.

Bildung und ihre Entwicklung: ein immerwährendes Thema.

Bruno Kissling

In Olten brennen den Lokalpolitikern und Bürgern gerade verschiedene Themen unter den Nägeln. Verfolgt man die Oltner Social Media-Foren, erlebt man hochemotionale Debatten, insbesondere zwischen der bürgerlichen und der rot-grünen Fraktion.

Eines der aktuell am heissesten diskutierten Themen betrifft die Ausgestaltung von bestehenden und zukünftigen Primarschulhäusern. Doch beginnen wir ganz von vorne. In den Nullerjahren des aktuellen Jahrtausends beschloss der Kanton Solothurn das bisherige Schulmodell, welches Klassen nach Jahrgängen führte sowie Einführungs- und Kleinklassen beinhaltete, zugunsten eines neuen aufzugeben. Der Gedanke der Integration sollte von da an federführend sein und nach und nach die verstaubte, noch immer stark preussisch anmutende, pädagogische Welt revolutionieren.

Eine grundsätzlich brillante Idee. Jedes Kind geht von nun an dort in die Schule, wo es auch wohnt, gemeinsam mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Anstelle der Separation tritt die Inklusion. Heilpädagoginnen und Heilpädagogen arbeiten nicht mehr an Sonderschulen, sondern wirken ebenfalls an der Volksschule, um dort jene Kinder zu unterstützen, die besondere Bedürfnisse oder Talente zeigen. Klingt doch irgendwie nach der Geburt des pädagogischen und sozialen Eldorados.

Doch wie schon Voltaires Candide lernen musste, existiert das irdische Paradies leider nicht. Auch nicht in der Schule. Die wahrhaftig gute Idee des integrativen Modells scheitert nämlich – wie so vieles in der Bildungslandschaft Schweiz – leider am Geld. Wie dramatisch es um unsere schulischen Institutionen steht, kann mannigfaltig beobachtet werde: Mangel an qualifizierten Lehrkräften, Mangel an heilpädagogischen Fachpersonen und ausgebildeten Schulleitungen sowie schlecht eingerichtete und gar fehlende Unterrichtsräume.

Die pädagogische Idee der Integration steht der Volksschul-Ist-Situation somit quasi diametral entgegen. Um dieses Modell sinnvoll umzusetzen, bräuchte es eben gerade mehr denn je qualifiziertes Personal und mehr bedürfnisgerecht eingerichtete Räumlichkeiten. Dennoch wird innerhalb des Schulwesens gespart, wo es nur geht. Auch in Olten. Nicht nur, dass seit Jahren von einem Schulhaus im Kleinholz die Rede ist, welches nun – so hoffe ich inständig – endlich realisiert wird.

Es wird auch noch immer um jeden Franken gefeilscht, wie viel dieses Schulhaus kosten darf. Wenn man bedenkt, dass für die gelingende Umsetzung des vom Kanton vorgeschriebenen integrativen Modells auch jedes in Olten bereits bestehende Schulhaus dringend aus- und umgebaut sowie mehr Personal angestellt werden müsste, erscheint mir das äusserst bedenklich. Was von Pädagoginnen und Pädagogen aktuell gefordert wird: aus Stroh Gold zu spinnen. Damit sind nicht die Kinder gemeint, sondern die Umstände, in welchen auch diese sich befinden.

Ob so Bildung und integrative Förderung gelingen kann? Mit Sicherheit nicht im erforderlichen Ausmass. Da sich die meisten mir bekannten Lehrpersonen aber den Hintern aufreissen, um den Kindern trotz der unglücklichen Situation das Bestmögliche zu bieten, wird einiges abgefedert. Jedoch zum Preis von Burn-outs und Berufswechseln, was den Lehrer- und Fachkräftemangel zusätzlich befeuert. Wenn ich dann auf Social Media noch zur Kenntnis nehmen muss, dass sich jemand lauthals darüber beschwert, dass nach Jahrzehnten endlich der Pausenplatz einer Schulanlage saniert wird und die Kinder einen neuen Spielplatz erhalten, dann sind wir definitiv noch weit jenseits von Eden.