Es war bislang für Hobbygärtner kein Sommer, der zu vielen Gängen mit der Giesskanne oder Aktionen mit dem Gartenschlauch zwang, um die eigene Pflanzkultur über die heisse Phase zu bringen. Und wie stehts damit beim professionellen Gemüsebauern? Schiessen da schon seit längerer Zeit Wasserfontänen über die Kulturen? «Vor zwei Jahren haben wir bereits im Februar mit der Bewässerung begonnen; heuer sind wir etwa seit zwei Wochen dran», sagt Roman Grob aus Winznau an diesem Mittwochmorgen, der nach einer längeren Trockenphase erstmals wieder Regen brachte. «Der war insofern gut, als dass er nicht in rauen Mengen und in kürzester Zeit vom Himmel fiel.» Fällt das Nass nämlich eher wie ein Sprühregen vom Himmel, so kann er die harte, von der Sonne gebackene Krume aufweichen und sie so aufnahmefähiger fürs Wasser machen. Grob nickt.

Das Nonplusultra

Bewässern – aber wie und wann? Grob meint, es komme halt auch auf die Bodenbeschaffenheit an. «Schwerere lehmigere Böden können die Feuchtigkeit gut speichern, während Sandböden rasch austrocknen.» Die effizienteste Form der künstlichen Bewässerung, so Grob, sei die Tröpfchenbewässerung. Dabei wird das Wasser etwa über einen Ein-
steckkanal direkt an die Kultur gelegt. «Optimal ist diese Form in Kombination mit einer Mulchfolie, die den Boden vor Austrocknung und Unkraut schützt», weiss der Gemüsegärtner und weist auf die Tomatenkultur hin, die unter dem Treibhausdach ihrer Reife entgegensieht. Kein Licht aber ohne Schatten! «Genau», sagt Grob. «Nachteil dieser Bewässerungsart: Sie wird gleich nach der Pflanzung oder Keimung gelegt und kann später nicht wiederverwendet werden.» Grund: Kalkablagerungen und andere Verschmutzungen lassen die Ausgänge verstopfen. Dies ist speziell beim Kartoffelanbau der Fall. Die Anlage wird dabei nämlich im Erdreich geführt. «Tropfbewässerungsanlagen in Treibhäusern dagegen sind, wenn sie frei liegen, schon mehrjährig brauchbar», weiss Grob; «unsere für runde zehn Jahre.»

Der Gemüsebauer nimmt das Wasser meist ab öffentlicher Wasserversorgung und nicht etwa ab offenem Gewässer. «Es kommt auch auf die Situation an», sagt er. Liegt eine Parzelle günstig, steht einer bewilligten Wasserentnahme ab offenem Gewässer eigentlich nichts im Weg. Aber: «Diese bedingt auch immer den Einsatz einer Pumpe. Die macht Lärm und der stört gelegentlich auch Nachbarn, weil wir halt meistens morgens bewässern, damit die Kultur möglichst rasch abtrocknet und damit das Risiko eines Pilzbefalls reduziert wird.» Im Gegensatz dazu dürfe man aber auch nicht zu spät am Tag bewässern, weil sonst ein Grossteil des Wassers ungenutzt verdunstet, die Pflanze nicht mehr aufnahmefähig sei.

Säen – setzten – wässern

Die andern Bewässerungssysteme, die in Winznau unter freiem Himmel zur Anwendung kommen, sind in ihrer Handhabung nicht allzu kompliziert. «Zwei bis vier Personen reichen aus für den Aufbau. Allenfalls lässt es sich auch allein einrichten, aber dann genügen die 20 bis 40 Minuten fürs Aufstellen logischerweise nicht», räumt Grob ein. Die Systeme reichen vom leicht montierbaren Alurohr mit in regelmässigen Abständen angebrachten Sprinklerversätzen bis hin zum selbst angetriebenen Schlauchwagen mit vormontiertem Wasserwerfer, der seinerseits – je nach Einstellung – einen Streubereich von rund 30 Meter Breite abdeckt. Die fahrende Sprinkleranlage lege eine Strecke von 120 Metern in gut zwei Stunden zurück, erklärt Grob. Viereinhalb Stunden also braucht der Wagen, bis er eine Feldfläche von 60 mal 120 Metern bewässert hat und das Gemüse im Einzugsbereich gedeihen lässt.

Gleiche Mechanismen

Die Mechanismen im grossen Garten des Gemüsebauers sind dieselben wie die im kleinen Garten des Schrebergärtners: Nach dem Setzen oder Säen wird erst mal kräftig bewässert. «Anschliessend hält man die Pflanzen etwas trockener; das fördert die Wurzelbildung», sagt Grob. Die Wurzeln nämlich suchen nach Wasser im Boden, was diese wiederum stärkt. Aber von den Wurzeln hat der Kunde doch nichts? Grob lacht: «Pflanzen mit kräftigen Wurzeln sind stressresistenter.» Ein nicht zu unterschätzender Faktor im sich entwickeln-den Gemüsegarten. Stressfaktoren für Pflanzen können etwa Wasserangebot, Temperatur, Lichteinstrahlung, Immissionsbelastung und Nährstoffverfügbarkeit sein. Und schliesslich das Finale: «Zur Kopfbildung dann wird wieder kräftig bewässert, da die Pflanze in dieser Phase am meisten Masse zulegt», verrät er. Besonders bewässerungsintensiv sind die Salate; von denen werden wöchentlich neue gesetzt.

Bei allen Anbaufragen sei eine Letzte erlaubt: ob er, der Gemüsebauer, auch Gemüse isst? «Sicher; ich will doch auf dem Wochenmarkt auch mitreden, wenns um Rezepte geht», sagt er heiter. Der Mann bevorzugt im Ofen mit Olivenöl und Knoblauch zubereitetes saisonales Gemüse. Dass er des verregneten Frühlings wegen auf etwas verzichten müsste? «Bei unserem breiten Sortiment gelingt immer was», sagt er belustigt.