Dieser Zeitung wurde ein Schreiben der Schulleitung der Primarschule Hägendorf vom Freitag zugespielt, in welchem um vermehrte Aufmerksamkeit gebeten wird. Worum geht es? - Offensichtlich hat eine Woche zuvor, am Freitag, 5. September, ein Unbekannter in der Bachstrasse um zirka 11.40 Uhr ein Kind angesprochen und ihm zehn Franken angeboten, wenn es zu ihm ins Auto steigt. Die Eltern meldeten der Polizei den Vorfall. Am letzten Donnerstag dann wurde ein anderes Kind um zirka 15.15 Uhr beim Gässli von einem Unbekannten angesprochen. Der Fremde habe ihm gesagt, dass Mama und Papa krank seien. Das Kind habe den Fremden nach einem Passwort gefragt, das es zusammen mit seinen Eltern für solche Fälle abgesprochen habe. Als der Unbekannte nicht antworten konnte, sei das Kind weggerannt.

Noch ein dritter Fall

Wie die Schulleitung weiter mitteilt, habe sie bei der Polizei nachgefragt, und es seien keine weiteren ähnlichen Fälle bekannt geworden. «Die Lehrpersonen wurden heute angewiesen, mit den Kindern das Verhalten in solchen Fällen zu thematisieren und den Kindern das richtige Verhalten in Erinnerung zu rufen. Treten solche Vorkommnisse auf, ist es wichtig, dass wir mit der nötigen Aufmerksamkeit mit der Situation umgehen. Bitte besprechen Sie dieses Thema mit Ihrem Kind», heisst es in dem Schreiben abschliessend.

Solche Fälle lassen aufhorchen. Es stellt sich nun die Frage, wie die Polizei damit umgeht. Bruno Gribi, Mediensprecher der Polizei Kanton Solothurn, nimmt wie folgt Stellung: Die beiden geschildereten Fälle stimmten, beim ersten Fall an der Bachstrasse sei ein zehnjähriges Mädchen von einem Lieferwagenfahrer angesprochen worden, im zweiten Fall ein zehnjähriger Knabe im Bereich Gässli von einem Mann in einem schwarzen Fahrzeug.

Nach Bekanntwerden dieser beiden Fälle habe sich am letzten Freitag auch noch ein neunjähriger Knabe gemeldet, der ebenfalls im Bereich Gässli von einem Mann in einem schwarzen Fahrzeug angesprochen worden sei. Auch ihm habe der Mann erzählt, seine Mutter sei krank, und auch dieser Knabe sei weggerannt. Ob es sich dabei um dieselbe Täterschaft handelt, konnte Gribi zum heutigen Zeitpunkt nicht abschliessend beantworten. Dies, weil die Angaben der betroffenen Kinder sowohl zu den Fahrzeugen als auch zu den Fahrzeuglenkern «recht vage» seien. Bekannt sei einzig, dass es sich in jedem Fall um Männer handle und dass im ersten Fall ein Lieferwagen und in den beiden anderen Fällen ein schwarzer PW im Spiel gewesen seien.

«Der Polizei werden immer wieder Fälle gemeldet, bei denen Kinder auf dem Schulweg von Unbekannten angesprochen wurden. Meist steht dahinter zum Glück keine böse Absicht, doch jeder Einzelfall verunsichert Kinder, Eltern und Lehrer». Daher nehme die Kantonspolizei solche Meldungen ernst und gehe diesen nach. «Wichtig ist, dass Kinder, Schulbehörden, Eltern und Augenzeugen solche Vorfälle rasch melden. Wichtig ist aber auch, Ruhe zu bewahren und die Kinder nicht zusätzlich zu verängstigen», hält Gribi fest.

Den Kindern helfen

Der Schulweg, so Gribi weiter, stelle für Kinder ein besonderes Erlebnis und eine grosse Entdeckungsreise dar. Je nach Alter und Entwicklungsstand sollte das Kind den Schulweg daher möglichst selbstständig zurücklegen. «Unterstützen Sie Ihr Kind dabei und stärken Sie es. Helfen Sie ihm, mit den Gefahren und Gefährdungen des Lebens umgehen zu können - sei es im Strassenverkehr oder vor Übergriffen», appelliert der Mediensprecher an die Eltern.

Das Kind von allen möglichen Gefährdungen fernzuhalten; etwa, indem man es in die Schule fahre oder ständig auf dem Schulweg begleite, stelle keine ideale Vorbereitung des Kindes auf die Risiken des Lebens dar. «Mutige, starke und selbstbewusste Kinder sind vor Übergriffen wirksamer geschützt als verängstigte, in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkte Kinder», hält Gribi fest. Das bedeute aber nicht, dass man den Kindern keinen Schutz auf dem Schulweg bieten könne.

In kleinen Gruppen gehen

Die Polizei rate deshalb, die Kinder wenn möglich nicht allein, sondern in kleinen Gruppen mit anderen Kindern zur Schule oder zum Spielplatz zu schicken. Ferner sollen die Kinder zur Pünktlichkeit angehalten werden. Des Weiteren gelte es, die Kinder nicht zu verängstigen, sondern ihnen zu erklären, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie von Fremden angesprochen werden, und mit ihnen den Notfall zu üben: Die Kinder sollen nie ohne Einverständnis der Eltern mit Fremden mitgehen oder in deren Auto einsteigen.

Bei Gefahr sollen sich die Kleinen nicht verstecken, sondern dahin laufen, wo andere Menschen sind. In bedrohlichen Lagen sollte es andere Personen um Hilfe bitten oder laut um Hilfe schreien. Gribi empfiehlt den Eltern ferner, sich täglich die Zeit zu nehmen, um mit dem Kind über seine Erlebnisse und Sorgen zu sprechen. «Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es Ihnen alle Erlebnisse erzählen kann, die ihm komisch oder gar beängstigend vorkommen», rät er. Und schliesslich: «Ihr Kind sollte Ihnen darüber berichten, wenn es zum Mitgehen oder Mitfahren aufgefordert worden ist oder dies trotz Ihres Verbotes getan hat».

Merkblatt: www.polizei.so.ch /Themen A-Z / Schulanfang / Ansprechen von Kindern.