Kabarett-Tage
Blues Max, Urgestein der Schweizer Musik- und Kleinkunstszene, ist im Stadttheater Olten mit dem Ehrencornichon 2022 ausgezeichnet worden

Er hat den Blues im Blut und den Schalk auf den Lippen. Werner Widmer alias «Blues Max» beglückt seit Jahrzehnten – genau genommen seit 1977 – sein Publikum mit süffigem Blues und humorvollen Anekdoten aus dem Leben eines Musikers.

Denise Donatsch Jetzt kommentieren
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Ehrencornichon für Bluesmax alias Werner Widmer.

Ehrencornichon für Bluesmax alias Werner Widmer.

Benjamin Widmer

Das Konzert, welches am Mittwoch im Rahmen der Kabarett-Tage gespielt wurde, eröffnete der «Mann mit Hut» raustimmig mit den Worten «Liebi Lüt vo Stadt und Land – guetä Obig mitenand.» In nicht aus der Ruhe zu bringender Manier sinnierte er gleich danach über Erinnerungen an leere Konzertsäle, an Mitglieder der Kulturkommission in der ersten Reihe und an pensionierte Primarlehrer, welche für das lokale Kulturmagazin Beiträge verfassen.

Mit seinen Erzählungen ruft er beim Publikum denn auch exakt jene Reaktion hervor, welche er sich erhoffte – die Lacher blieben jedenfalls nicht aus. Ebenfalls verriet er den Zuhörenden eine Vision, welche der 1951 am Bodensee geborene Entertainer schon länger mit sich herumträgt. Er würde nämlich gerne einmal die Bühne betreten und das Publikum einfach fragen: «Isch euch au so langwielig?»

Zu dritt auf Blues-Kurs

Nach seinem Solo-Intro betraten seine beiden Mitmusiker Kasper Rast – Drum und Perkussion – und der begnadete Gitarrist Richard Köchlin die Bühne. Dem Blues stand nun nichts mehr im Weg. Mit sphärischen Klängen stiegen die drei in ihr musikalisches Wirken ein, glitten schliesslich über in einen gemächlichen Bluesrhythmus und entführten das Stadttheaterpublikum gedanklich in die Südstaaten der USA.

Kasper Rast (links) und Richard Köchlin mit Bluesmax auf der Bühne.

Kasper Rast (links) und Richard Köchlin mit Bluesmax auf der Bühne.

Benjamin Widmer

Köchlin zeigte sogleich, was er auf der Gitarre draufhat. In Steelguitar-Manier kitzelte er fantastische Melodien aus seiner E-Gitarre heraus. Zwischen den Songs, welche sich stilistisch auch mal in Richtung Bossa Nova bewegten, erzählte Widmer von seinen weltanschauungs-transzendierenden Erfahrungen während des Lockdowns im Frühling 2020.

«Ich durchlebte eine kreative Metamorphose»,

so das Künstler-Unikat. Nach zwei Wochen, in welchen einzig die Migros geöffnet gewesen sei, erschien ihm auf einmal ein Bügelbrett als die ultimative Muse innerhalb des Wohnungs-Mikrokosmos. Und ja, auch darüber lässt sich ein Song schreiben, wie er gleich im Anschluss bewies – zum grossen Amüsement des Publikums.

Wunderbar war auch die Einlage von Blues Max über die Spoken-Word-Jugend, welche von ihm ein wenig hochgenommen wurde, da sie seiner Ansicht nach nicht mehr imstande sei, etwas auswendig zu lernen. «Ständig lesen sie alles ab», mokiert er sich über die Slam-Poeten und -Poetinnen, nur, um gleich darauf selbst einen Notizzettel zur Hand zu nehmen. «Ich könnte es zwar schon auswendig, aber ich will ja schliesslich nicht angeben.»

Ein Hoch auf negativ konnotierte Emotionen

Ein wunderbarer, irrwitziger Song, welchen der Troubadour noch vor der Pause zum Besten gab, war die gesungene Geschichte harmoniesüchtiger Paare, welche in einem Workshop dringend lernen mussten, negative Empfindungen möglichst respektlos auszudrücken. Anhängerinnen und Anhänger der Stoa wären wohl entsetzt über so viel Fürsprache gesellschaftlich negativ konnotierter Emotionen. Aber gerade das macht gute Bühnenkunst aus: Da hineinzustechen, wo es vielleicht auch mal etwas weh tun könnte.

Nach der Pause bot der Künstler den Zuhörenden eher wieder etwas leichtere Kost. Mit seiner Anekdote über einen Auftritt, welcher nur mit einer hohen Dosis Kortison zu bewerkstelligen war – seine Stimme war aufgrund eines Infekts komplett weg – bewies der Sänger erneut ein hohes Sensorium dafür, wie man dem Publikum eine eigentlich ungemütliche Situation so serviert, dass daraus vergnügliches Geschichtelauschen wird.

Bluesmax passt nicht exakt ins Kabarettschema

Am Schluss des feierlichen Anlasses kam es schliesslich zur Übergabe des Ehrencornichons. Gemäss Rainer von Arx, welcher die Ehrung verkündete, ist der im Fünfjahrestakt verliehene Ehrencornichon für herausragende Kunstschaffende konzipiert worden, die jedoch nicht exakt ins Kabarett-Schema passen.

Bluesmax dankt.

Bluesmax dankt.

Benjamin Widmer

Die Laudatio hielt SRF-Moderatorin Barbara Peter, welche schon seit vielen Jahren die Karriere von Widmer mitverfolgt. «Schon immer hat Werner Widmer gespürt, was das Publikum braucht», bemerkte die Moderatorin.

Ganz besonders sei ihr dabei ein berührendes Werk in Erinnerung geblieben, welches sich um eine Spitex drehe und das tiefe Einblicke in die menschliche Gefühlswelt biete. «Damit hat er mich gewonnen.» Nach der Würdigung wurde dem Künstler unter tosendem Applaus der Preis überreicht. Zum Abschluss gab das musikalische Trio den Klassiker «Call me the Breeze» von J. J. Cale zum Besten und liess sich feiern.

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