Facebook-Gruppe Olten

In der Olten-Gruppe wird digital auf den Tisch gehauen

Die Olten-Gruppe auf Facebook.

Die Olten-Gruppe auf Facebook.

Christian Ginsig gründete vor rund acht Jahren den «digitalen Dorfbrunnen», wie er die Gruppe nennt, für die Stadt Olten. Oltnerinnen und Oltner sollten eine Plattform erhalten, um sich auf einfachem Weg untereinander auszutauschen, ihre Sorgen teilen zu können oder auch einfach einen Rat zu bekommen.

Wer hätte das gedacht? Diesen Monat erreichte die Facebook-Gruppe Olten die 5000er-Mitgliederschwelle und wurde dieses Jahr wohl wie keine andere regionale Gruppe so oft in den Medien erwähnt.

Nicht weil jemand in der Gruppe wieder mal von seinem ausgebüxten Kater berichtet oder nach einem guten Nagelstudio in der Umgebung sucht. Eher weil hier Olten-Verbundene so diskutieren wie am Stammtisch bei einem Bier oder manchmal auch wie bei zwei. Egal ob über Segway-Polizisten, nerviges Kirchengeläut oder den neuen Badi-Eintrittspreis.

Dies manchmal so heftig, dass die entsprechenden Kommentatoren von Administratoren aus der Gruppe geschmissen werden. Obwohl die Selbstregulierung laut dem Gründer der Gruppe, Christian Ginsig, schon sehr gut funktioniert. «Schiesst jemand in der Gruppe übers Ziel hinaus, wird er meist sehr schnell von den übrigen Mitgliedern zurechtgewiesen.»

Christian Ginsig gründete vor rund acht Jahren den «digitalen Dorfbrunnen», wie er die Gruppe nennt, für die Stadt Olten. Oltnerinnen und Oltner sollten eine Plattform erhalten, um sich auf einfachem Weg untereinander auszutauschen, ihre Sorgen teilen zu können oder auch einfach einen Rat zu bekommen, zum Beispiel eben, wenn sie einen neuen Coiffeur in der Region suchen.

Warum der Social Media-Fan, der im Oltner Gemeindeparlament die Grünliberalen vertritt, überhaupt die Gruppe gründete? «Weil mir Olten sehr am Herzen liegt», antwortet Ginsig, der als stellvertretender Leiter der Medienstelle bei der SBB angestellt ist. «Die Gruppe Olten hat aber nichts mit meiner beruflichen Funktion bei der SBB zu tun», betont er.

Mittlerweile bewirtschaftet er nicht mehr alleine die kontinuierlich wachsende Gruppe. Die beiden anderen Administratoren Tom Schenker und Oliver Meister helfen ihm beim «Sauberhalten». Aufgrund ihrer Grösse wird die Gruppe regelmässig von Spam-Robotern aufgesucht, die versuchen, sich mit Fake-Profilen in die Gruppe einzuschleusen.

Schaffen sie das, wird die Gruppen-Pinnwand, noch bevor man auf einem Beitrag „Gefällt mir» drücken kann, mit Werbung von Kreditanbietern überhäuft. «Aus diesem Grund schauen wir vor jeder Aufnahme neuer Mitglieder sehr genau hin.»

Konkret heisst das, abchecken, ob das Mitglied ein echtes Profil hat, also die Angaben zur Person mit dem Profilbild übereinstimmen und normale Posts geschrieben wurden. Das beanspruche auch die meiste Zeit der rund 20 Minuten, die jeder Administrator täglich in die Pflege der Gruppe investiert.

Zur Gruppe zugelassen sind praktisch alle, die sich für Olten interessieren, und die aufgrund ihrer Facebook-Profile identifizierbar sind. Deshalb sind unter den Mitgliedern auch Polizisten und Journalisten vieler Medienhäuser zu finden, die fleissig mitlesen. Schliesslich könnte sich in jedem Post ein interessanter Hinweis verstecken, oder der nächste Skandal.

Nicht nur Medienschaffende und Ordnungshüter aber profitieren von der Gruppe, sondern auch Oltner Gewerbebetriebe, Vereine oder auch politische Parteien. Diese haben offiziell die Möglichkeit, einmal pro Woche Werbung zu platzieren, was sie oft auch tun.

Mehr tolerieren die Administratoren aber nicht und verweisen für Kleininserate auf die Facebook-Gruppe «Olten Flohmarkt». Denn ein Flohmarkt, das soll die Gruppe nach Ginsig nicht werden, sondern am liebsten «ein unabhängiges Nachrichten-Forum für die Stadt Olten bleiben.» Bei dem er und die anderen zwei Administratoren aber wohl weiterhin das Zepter in der Hand haben werden.

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Autor

Deborah Onnis

Deborah  Onnis

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