Olten

Gestatten, mein Name ist H2O: Zu Besuch bei Familie Wasser

Längst sind Beatrice und Jörg Wasser lebenserfahren, sozusagen mit vielen Wassern gewaschen.

Längst sind Beatrice und Jörg Wasser lebenserfahren, sozusagen mit vielen Wassern gewaschen.

Wasser ist nicht nur eine lebenswichtige Flüssigkeit. Nein, man kann auch so heissen – so wie Beatrice und Jörg aus Olten. Während Beatrice das Element Wasser liebt, ist ihr Mann «nicht so der Badi-Typ».

Wasser kann man trinken, im Wasser lässt sich schwimmen, und Wasser macht sich auch als Name gut. «Ich fand es noch cool, so zu heissen», erinnert sich Jörg Wasser an die Kindheit. So cool, dass er später bei der ersten Begegnung mit einer gewissen Beatrice Reinhart aus Rüttenen seinen Namen gezielt einsetzte. «Dein Körper besteht quasi zum grössten Teil aus meinem Namen», trug er ihr ein Rätsel auf. Und als es Beatrice nicht gleich dämmerte, schob er nach: «Ich heisse H2O.»

Das war eines schönen Abends in der berühmten Hammer-Disco in Olten. Jörg, Jahrgang 1949, und Beatrice, Jahrgang 1955, besuchten Konzerte und waren Jimi-Hendrix-Fans. Was so weit ging, dass Jörg Wasser gar einmal nach Deutschland fuhr, um zu einem stolzen Preis ein originales Gilet des Meisters zu ergattern.

Im vergangenen April feierten sie den 40. Hochzeitstag. Auf dem Wasser natürlich, auf Kreuzfahrt durchs östliche Mittelmeer. Die Schiffsreise gefiel ihnen so gut, dass sie für 2014 eine Rheinschifffahrt ins Auge fassen und 2015 das westliche Mittelmeer befahren möchten.

«Ein gefährliches Element»

Wer Wasser heisst, müsste sich im, auf oder am Wasser also automatisch pudelwohl fühlen. Auf Beatrice Wasser trifft das hundertprozentig zu: «Ich liebe das Wasser», schwärmt sie, «das Meer, die Aare – ich schwimme sehr gerne.» Und der Mann an ihrer Seite? «Jörg ist nicht der Badi-Typ», erklärt Beatrice Wasser augenzwinkernd, worauf der schmunzelnd entgegnet: «Wasser ist ja auch ein gefährliches Element.» Eine erstaunliche Aussage für einen Mann, der in jungen Jahren von der Gäubahnbrücke ins Wasser sprang und auf der Aare dem Surfen frönte. Jörg Wasser winkt ab: «Jaja, das war in der Schulzeit.»

Heute steigt er ins Wasser, wenn er von den Enkeln gelockt wird. Was nicht heisst, dass er das Wasser fürchtet, denn immerhin verreisten Wassers früher gerne gen Süden ans Meer. Und noch früher knatterte Jörg mit drei Freunden auf dem Töffli über den Gotthardpass, um am Comersee Ferien zu machen.

Beatrice und Jörg Wasser zogen drei Kinder gross und sind inzwischen vierfache Grosseltern. Seit 1992 wohnen sie in einem schmucken Haus mit Garten und Blick auf den Bannwald. Nach der Unbeschwertheit zur Zeit des Kennenlernens 1971 verschoben sich die Prioritäten mit der Geburt des ersten Kindes 1973. «Manchmal wäre es schön gewesen, wenn meine Mutter in der Nähe gewohnt hätte», blickt Beatrice Wasser auf die schöne, aber auch strenge Zeit zurück. Weil kein Auto zur Verfügung stand, waren spontane Besuche schwierig, zudem kannte sie damals in Olten fast niemanden.

Doch die junge Beatrice, eine Grossnichte des bekannten Schriftstellers Josef Reinhart (1875–1957), schlug sich am neuen Ort durch, ging in den Turnverein und profitierte von den Erfahrungen, die sie im Kreis der Familie gemacht hatte. Sie war eines von acht Kindern und lernte früh, was Selbstständigkeit bedeutet. Beatrice war vierjährig, als ihr Vater starb, worauf die Mutter mit den Kindern vom eigenen Hof in Seleute JU, wo die Familie sesshaft werden wollte, zurück nach Rüttenen zog. Fortan lebte die Familie bei Beatrices Onkel auf dem Ischenhof, zu dem ein 350-jähriges Patrizierhaus mit rund 20 Zimmern, eine Kapelle und damals noch ein Barockgarten gehörten. Die Erinnerung an das Schicksal der Mutter sollte Beatrice später helfen, Alltagssorgen zu relativieren.

Trotz des Verlusts des Vaters sagt sie: «Wir erlebten eine schöne Kindheit. Natürlich mussten wir viel arbeiten, doch wir hatten auch unsere Freiheiten.» Mieterlis wurde gespielt oder Versteckis, oder die Kinder verdrückten sich irgendwohin, um miteinander zu plaudern. Und Beatrice genoss es, Tiere um sich herum zu haben. Wurden junge Säuli geboren, setzte sie sich zu ihnen unter die Wärmelampe, worauf die Tiere begannen, an ihr zu knabbern. «Dementsprechend war danach mein Körpergeruch», lacht Beatrice Wasser, für die der Traum aller Meitschi in der Kindheit wahr wurde: Sie durfte reiten, so viel sie wollte. Einmal kamen Schuelgspänli zu Besuch, und sie ritten einen der beiden Freiberger ohne Sattel auf der Weide. «Davon erzählen wir uns an Klassenzusammenkünften heute noch.»

Aus ähnlichem Holz geschnitzt

Die Herkunft und das Zusammenleben in einer Grossfamilie halfen Beatrice später, sich als junge Mutter an einem fremden Ort zurechtzufinden. «Wir waren früh selbstständig und nicht verweichlicht», sagt sie, und ihr Mann Jörg ergänzt: «Wir wussten, was Zusammenhalt bedeutet, zudem waren die Ansprüche klein.» Er selbst wuchs an der Pestalozzistrasse in Olten ebenfalls in einer grossen Familie auf, als drittältestes von sieben Geschwistern. Weil es um Mutters Gesundheit nicht zum Besten stand und der Vater als Kondukteur zu unregelmässigen Zeiten arbeitete, gab es daheim viel Arbeit im Haushalt. Die erworbenen Fähigkeiten bringen ihm heute Pluspunkte von seiner Frau ein. «Jörg ist ein guter Hausmann und wahnsinnig kreativ im Kochen», rühmt Beatrice Wasser, die halbtags im Buchzentrum in der Arbeitsvorbereitung tätig ist und es geniesst, wenn sie sich nach der Arbeit an den gedeckten Tisch setzen kann.

Möglich ist das, weil Jörg Wasser im Januar dieses Jahres in den Unruhestand übertrat. «Mit der Pension», sagt er verschmitzt und rückblickend auf die ersten paar Monate, «kann ich mich ganz gut abfinden.» Zumal er 2010 einen Herzinfarkt erlitten hatte, was den Entscheid zur frühzeitigen Pensionierung begünstigte. Der gelernte Konstruktionsschlosser, der 29 Jahre für Inox Maurer in Trimbach, zehn Jahre für Scholl in Safenwil und zuletzt als Leiter der Filterendmontage neun Jahre für Ammann in Langenthal gearbeitet hatte, weiss die Gesundheit seither umso mehr zu schätzen. Lange Zeit restaurierte Jörg Wasser nebenbei Möbel, betrieb in Dulliken gar einen eigenen Laden. Heute zeugt ein prachtvoller Hochzeitsschrank im Wohnzimmer von dem Hobby. Ausserdem haben es ihm Blechspielzeuge angetan, die er sammelt und auf Vordermann bringt. Die seltene, wertvolle Ware gibt es jedoch nur noch im Keller zu bestaunen, viel davon hat Jörg Wasser verkauft. «Aus Platzgründen», sagt er schmunzelnd mit einem Seitenblick auf seine Frau.

Anders als gewisse Hobbys hat die Liebe im Hause Wasser den Glanz nicht verloren. «Wir haben scho öpe Meinungsverschiedenheiten», gibt Beatrice Wasser lächelnd zu. Aber mit einer gehörigen Portion Humor scheint einiges möglich zu sein. Und überhaupt: Wer einst an der Friedensstrasse wohnte, hat das Glück vielleicht sogar in den Genen. Wer noch dazu Wasser heisst und seit über 20 Jahren an der Weingartenstrasse lebt, braucht sowieso nichts zu befürchten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1