Fünfviertelstunden hat sie gedauert, Fulenbachs Gemeindeversammlung am Donnerstagabend. Einziges Traktandum: Kauf der Liegenschaft Linde für 1,3 Mio. Franken. Das einstmals populäre Restaurant Linde ist seit gut zwei Jahren stillgelegt. Sein seinerzeitiges Ende kam überraschend, die von der Besitzerfamilie Schulthess initiierten anschliessenden Verkaufsabsichten schlugen fehl. Im Zeichen der Dorfkernentwicklung und dem Wunsch, einen zweiten Restaurationsbetrieb zu etablieren, hatte sich der Gemeinderat entschlossen, das Areal zu kaufen. Der ursprüngliche Kaufpreis konnte in Verhandlungen reduziert werden. Unmittelbar nach Schliessung der «Linde» hatte die Liegenschaft angeblich noch für knapp 2 Mio. Franken zum Verkauf gestanden. Soweit in aller Kürze die Vorgeschichte des traktandierten Geschäfts.

Massive Opposition

Die Absicht des Gemeinderates war aber am Donnerstagabend beileibe keine unbestrittene. Schliesslich votierten von den 167 anwesenden Stimmberechtigten 89 für den Kauf, 69 dagegen. Das absolute Mehr lag bei 84 Stimmen.

Viele also waren der «Linde» nicht grün. Oder andersrum gesagt: Viele im Gemeindesaal waren der Ansicht, die Gemeinde kaufe da die Katze im Sack, öffne das sprichwörtliche Fass ohne Boden oder die Büchse der Pandora. Heinz Baumgartner beantragte deshalb, das Geschäft abzulehnen. Es liege keine Substanzbewertung vor, der Kauf werde zum ewigen Defizitobjekt für die Gemeinde, welches mit Steuergeldern regelmässig aufgefangen werden müsse. Allein der Umstand, dass sich bislang kein Käufer gefunden habe, verheisse nichts Gutes. «Mit Steuergeldern können wir etwas Besseres anfangen», sagte Baumgartner. Und schliesslich: «Der Betrieb einer Beiz gehört nicht zum Kerngeschäft einer Gemeinde.»

In dieselbe Kerbe hieb auch Felix Wyss, der seine dramatische Einschätzung der Dinge in der Bemerkung gipfeln liess: «Die Gemeinde wird diesen ewigen Defizitposten später nur noch los, wenn sie ihn einebnet.» Und Urs Wyss gab zu verstehen, er wolle sich dann in Härkingen nicht schämen, falls der «Linde»-Kauf für Fulenbach zu einem Desaster führe.

Etwas weniger arg schätzte Michael Frieder die Situation ein: «Der Kaufpreis ist angesichts des drohenden Investitionsbedarfs zu hoch.» Mindestens 300'000 Franken wollte er den Preis reduziert sehen. Gemeindepräsident Thomas Blum allerdings gab zu verstehen, dass der Preis nicht verhandelbar sei. «Entweder für diesen Preis oder gar nicht», meinte Blum, der im Übrigen einen Investitionsbedarf nicht bestritt. «Aber der ist nutzungsabhängig und kann nicht konkret beziffert werden.» Oder: Die Ansprüche eines Sternekochs sind andere als jene eines Wirts im herkömmlichen Tagesbetrieb. Zudem gab Blum im Laufe der Versammlung zu verstehen, bereits mit Interessenten in Kontakt zu stehen.

Dorfkern wo?

Roland Haller, ebenfalls Gegner der Vorlage, focht in seinen Überlegungen zum monetären Hintergrund des Geschäftes auch den Begriff Dorfkern an. «Gibt es überhaupt so einen?», fragte Haller rhetorisch zur Strategie des Gemeinderates, mit dem Kauf einen Beitrag zur Dorfkernentwicklung leisten zu können. «Ich jedenfalls sehe keinen.» Und Max Aerni als Repräsentant des letzten im Dorf verbliebenen Restaurants Rössli fragte dann noch nach, wie es um die im Kauf eingeschlossene Baulandparzelle stehe. «Sind da Altlasten drauf?», fragte er. Tatsächlich verläuft eine Kanalisationsleitung in deren Erdreich, was als wertmindernd erachtet werden kann. «Mit 13'000 Franken kann die Sache korrigiert werden», antwortete Blum. Aber vielleicht – so der Gemeindepräsident weiter – passiere mit dem Grundstück auch gar nichts.

Damit war das Pulver der Opposition verschossen, ohne dass sich je ein Befürworter aus der Versammlung zu Wort gemeldet hätte. Es reichte dennoch für eine hauchdünne Mehrheit von 52 Prozent.