Olten

Franz Hohlers Geheimnis der Telefonkabine

Der in Olten aufgewachsene Franz Hohler beantwortete nach der Lesung in der Buchhandlung Schreiber auch Fragen aus dem Publikum.

Der in Olten aufgewachsene Franz Hohler beantwortete nach der Lesung in der Buchhandlung Schreiber auch Fragen aus dem Publikum.

Der Schriftsteller Franz Hohler las aus seinem neuen Roman «Das Päckchen» vor und machte den Zuhörern ein Geständnis.

«Warum er den Hörer abgenommen hatte, konnte er sich später nicht mehr erklären.» Mit diesem Satz beginnt das neue Buch «Das Päckchen» von Franz Hohler, das dieser am Freitagabend in der sehr gut besuchten Buchhandlung Schreiber vorstellte. «Er» ist Ernst, ein Bibliothekar, der aus einer Telefonkabine seine Frau anrufen wollte, als neben ihm das Telefon läutet.

Ein folgenreicher Anruf, wie sich herausstellen wird. Erhält er doch von einer alten, ihm unbekannten Frau ein Päckchen, dessen Inhalt Ernst und die Leserschaft auf eine abenteuerliche Reise schickt. Der in Olten aufgewachsene Hohler versteht es einmal mehr, mit ruhigen und unaufgeregten Worten Leserinnen und Leser zu packen.

Denn beim «Päckchen» handelt es sich um einen Krimi, der nicht spannender sein könnte. Der unauffällige Bibliothekar Ernst, der schon ein fast langweiliges Leben führt, entdeckt den «Abrogans», von dem es drei Abschriften gibt, das Original aber verschollen ist. Hohler selbst hat vor Jahren eine Abschrift in St. Gallen gesehen. Diese ist nicht einsehbar, um so grösser, so Hohler, seine Freude, als er nach einer Lesung in St. Gallen diese Kostbarkeit noch einmal bestaunen durfte.

Eine Person aus dem Publikum wollte in der anschliessenden Fragerunde wissen, ob der Bibliothekar Ernst Franz Hohlers Alter Ego sei. Er könne sich nicht nur mit dem Bibliothekar Ernst identifizieren, antwortete der Schriftsteller, sondern auch mit dem Mönch Haimo, der in der Geschichte in Rückblenden erscheint, die im achten Jahrhundert spielen.

Der junge Mönch schreibt dort auf Anweisung seines Abtes den «Abrogans» und macht sich dann auf eine Reise in andere Klöster. Dies in Begleitung eines jungen Stallburschen. Haimo wie Ernst werden Abenteuerliches erleben. So viel ist gewiss.

Anfangsszene hat Hohler erlebt

Wie muss man sich beim 74-jährigen Hohler das Schreiben vorstellen? «Ich schreibe meist von neun Uhr bis zum Mittag, am Nachmittag erledige ich administrative Tätigkeiten», entgegnete dieser auf die Frage aus dem Publikum. Für das neue Werk habe er rund ein Dreivierteljahr gebraucht, wobei er am Anfang keine Ahnung gehabt habe, was genau passieren würde.

Die Geschichte habe sich fast von selber erzählt. Nur der erste Satz sei klar gewesen. Er gesteht, dass ihm genau eine solche Szene passiert sei. Am Flughafen Kloten sei das gewesen. Und er habe sich lange gefragt, was passiert wäre, hätte er den Anruf entgegengenommen. Wäre er einem Drogenhandel auf die Schliche gekommen?

Hohler kann die Menschen begeistern. So auch Tanja Waldmeier aus Olten, die den neuen Roman bereits gelesen hat. «Es hat mich gepackt, nicht zuletzt weil ich selbst schon auf einer Skitour war – ganz in der Nähe der Berglihütte, in der Bibliothekar Ernst übernachtet hat.»

Man schätzt Hohlers Vielseitigkeit

Die Umfrage beim Publikum zeigt, dass vor allem Hohlers Vielseitigkeit geschätzt wird. Ein Besucher aus Solothurn meinte, dass er vor allem die Kurzgeschichten für Kinder liebe, weil diese so absurd seien. Zwei Freundinnen, beide in den Vierzigern, erinnerten sich noch an die Kindersendung «Spielhaus». Die Szenen mit René Quellet und Hohler sind nicht nur ihnen noch präsent.

«Das Päckchen» werde das erste Buch von Hohler sein, das sie lesen werden. Es ist davon auszugehen, dass es nicht das letzte sein wird. Hohler las daneben auch aus dem Gedichtband «Alt?» treffende Texte zum Thema Älterwerden vor. So solle man das Wort «früher» sparsam gebrauchen, gab er den Zuhörern mit auf den Weg.

Ein Thema, das auch eine 60-Jährige aus Solothurn beschäftigt. Ihr Lieblingsbuch von Hohler ist «52 «Wanderungen». Sie hat nun das ehrgeizige Ziel, die dort erwähnten Wanderungen in der Schweiz unter die eigenen Füsse zu nehmen, wenn auch nicht ganz alle – Gebirgstouren traut sie sich nicht zu. Sie ging und deckte sich am Büchertisch mit weiterer Lektüre ein.

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