Die Tunnelbohrmaschine im Eppenbergtunnel kommt schneller als erwartet voran: Im Durchschnitt mehr als 15 Meter pro Tag frisst sie sich vom Portal Ost in der Wöschnau her Richtung Gretzenbach durch den Berg, an Spitzentagen bis zu 30 Meter. «Wir sind sehr zufrieden, bisher gab es wenig Probleme», stellt Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer fest.

Vom Start am 9. Januar bis heute haben die Tunnelbohrer rund 1250 Meter geschafft, das ist praktisch die Hälfte des 2616 Meter langen bergmännischen Teils des Tunnels. Die Röhre ist damit bereits über den Punkt hinaus gelangt, wo später der Notausstieg Schönenwerd angeschlossen wird.

Morgen Samstag, 6. Mai, laden die SBB die Bevölkerung und alle Interessierten zu einem Tag des offenen Tunnels ein. In den umliegenden Gemeinden wurden 8000 Stück «Eppenberg News» verteilt.

Wohl einmalige Gelegenheit

Der Publikumsanlass findet zwei Jahre nach dem Spatenstich mit Bundesrätin Doris Leuthard vom 2. Mai 2015 statt. Die Gelegenheit zum Augenschein im Tunnel während der Bauzeit ist vermutlich einmalig. Die ersten 200 Meter des Tunnels werden morgen frei zugänglich sein.

Für Interessierte wird auch das Vordringen zur Tunnelbrust ermöglicht, in geführten Gruppen von 12 Personen, die im 10-Minuten-Takt zu Fuss bis zum Bohrkopf der Maschine und zurück geführt werden, was rund eine Stunde dauert. Von 10 bis 17 Uhr sollte dies den Besuch durch etwa 400 Personen erlauben. Voraussetzungen: Mindestalter 12 Jahre und rutschfeste Schuhe. Die frühzeitige Anmeldung für diese Tunnelführung ist zu empfehlen.

Aussicht vom Aushub-Berg

Der schnelle Vortrieb bedeutet auch, dass schon bald die Hälfte der insgesamt rund 850'000 Tonnen Schotter, Stein und Fels aus dem Berg herausgeholt sind. Am Tag des offenen Tunnels können die Besucher den weithin sichtbaren Berg mit dem Aushubmaterial besteigen und sich ins Gipfelbuch eintragen. Auf der Baustelle wird der Berg «Mount Rolli» genannt, nach dem Verantwortlichen der Marti AG für die Wiederaufbereitung des Materials.

Impressionen von der Tunnelbaustelle:

Ein Teil des Aushubs wird zur Wiederauffüllung der Sondermülldeponie Kölliken verwendet, ein Teil auf der Baustelle zu Beton verarbeitet und wieder in den Tunnel eingebaut. Das Konzept zur Sortierung und Aufbereitung des Materials ist einer der wichtigsten Bestandteile der Tunnelbaustelle und wird am Tag des offenen Tunnels von den Spezialisten erklärt. Teil des Festangebots für Kinder sind die kleinsten richtigen Bagger: Diese können unter Anleitung durch Mitarbeiter der Marti AG von jungen Baggerführern selbst bedient werden – ein schon beim Spatenstich beliebtes Angebot.

Eppenbergtunnel: Der riesige Bohrkopf wird an der Tunnelbohrmaschine montiert.

Eppenbergtunnel: Der riesige Bohrkopf wird an der Tunnelbohrmaschine montiert. (Oktober 2016)

Als Hauptfestplatz dient morgen die Abwurfhalle, wo sonst das Material aus dem Tunnel vom Förderband abgeworfen und mit Baggern und Lastwagen auf den Berg befördert wird. Die extreme Staubentwicklung an diesem Arbeitsort wird mit Wasser aus drei Schneekanonen gebunden. Für das Fest wird die Abwurfhalle geräumt und sauber gemacht.

Bisher weitgehend unfallfrei

«Man spricht immer vom Tunnel», meint Gesamtprojektleiter Schweizer. Für ihn sei aber grösste Herausforderung, dass die ganze Arbeit ständig bei laufendem Bahnbetrieb stattfinde. «Hier fahren jeden Tag 550 Züge durch, und wir sind jeden Tag unmittelbar am Gleis.» Auch die Kantonsstrasse mit täglich 26'000 Fahrzeugen zieht sich mitten durch die Baustelle.

Dass sich bisher mit einer Ausnahme (gekippter Lastwagen eines externen Lieferanten) kein schwerer Unfall ereignet hat, gehört für Thomas Schweizer zur bisher rundum erfolgreichen Bilanz der ersten zwei Jahre Bau am Eppenbergtunnel.