Olten

Ein Leuchtturm erhellt das Stadttheater: Compagney aus Berlin gastiert in Olten

Die Lautten Compagney mit Wolfgang Katschner und Vivica Genaux, Mezzosopranistin (beide im Bildzentrum) sind bereit für «Gender Stories».

Die Lautten Compagney mit Wolfgang Katschner und Vivica Genaux, Mezzosopranistin (beide im Bildzentrum) sind bereit für «Gender Stories».

Die Lautten Compagney aus Berlin gastiert für vier Auftritte in Olten; Mäzene ermöglichen das Spektakel der besonderen Art.

Vor neun Jahren habe er sie kennen gelernt, sagt Herbert Schibler, seines Zeichens Geschäftsführer ad interim der Stadttheater Olten AG. Am Lucerne Festival. Kennen gelernt, wen? Nun, Insidern dürfte bekannt sein, von wem da die Rede ist, zumal das Ensemble schon einmal, vor ziemlich genau 5 Jahren, in Olten gastierte. Aber, um die Katzen jetzt doch aus dem Sack zu lassen: Natürlich dreht es sich dabei um die Lautten Compagney aus Berlin. «Damals dachte ich: Die müssen mal nach Olten kommen», sagt Schibler im Rückblick. Denn: «Die haben mich einfach umgehauen.» Das will was heissen, wenn ein alter Intendantenfuchs zu solcher Etikette kommt. Und jetzt ist er zum zweiten Mal deren Gastgeber. 2014 war das Ensemble schon zu Gast. Natürlich habe er sich damals auch mit dem Kopf der Compagney, Wolfgang Katschner, unterhalten. «Ein amüsanter und interessanter Mann mit Tiefgang.» So umschreibt Schibler den Gründer des Ensembles.

Zunächst tönt erst mal unspektakulär

Die Lautten Compagney ist ein Barockmusik-Ensemble mit Sitz in Berlin. Das tönt zunächst mal unspektakulär. Aber: oha. Es gibt viele Ensembles, die Alte Musik lebendig halten. Der Anspruch der Lautten Compagney aber ging und geht stets darüber hinaus, nur klangvoll ein Repertoire zu pflegen. «Deren Ziel ist es, die Musik des Barock und der Renaissance durch grenzüberschreitende Begegnungen mit zeitgenössischen Genres und Künsten ganz in der Gegenwart aufgehen zu lassen.» So jedenfalls berichten Insider über die Qualitäten der Berliner, die seit 35 Jahren unterwegs sind. Denn in ihren Projekten treffen Literatur, Schauspiel, Tanz, Videokunst, Puppenspiel oder Elektro-Beats auf die Alten Meister – und vereinen sich in stets auf Neue überraschender Harmonie.

In Olten kommt die Compagney gleich vier Mal zum Handkuss; und das Publikum natürlich auch. Eine Win-Win-Situation also, wie man heute so schön sagt. Zum Einen wirken die Berliner bei der überbordenden Shakespeare-Revue Sommernachtstraum! mit (2. Dezember). Zum andern bei den Abenteuern des Don Quichotte (3. Dezember). Gemeinsam mit der Schauspielerin Susanne Bredehöft erzählt die Lautten Compagney die Geschichte des berühmtesten Windmühlenkämpfers aller Zeiten – aus der Perspektive der lebensklugen Schindmähre Rosinante.

Und die Berliner wirken auch bei «Gender Stories» (4. Dezember) mit, wo sich Mezzosopranistin Vivica Genaux und Countertenor Lawrence Zazzo der barocken Lust am Verwirrspiel der Geschlechter und der Travestie widmen. Fehl also noch die Ouvertüre der Lautten Companey: Den erlebt sie zum Auftakt mit Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo (27. November), gespielt vom Marionettentheater Carlo Colla e Figli aus Milano.

Den anonym bleibenden Mäzenen sei Dank

Natürlich ist der viertägige Aufenthalt der Lautten Compagney aus Berlin auch ein finanzielles Experiment. Ohne besonderen Effort von Schibler wäre der mit dem üblichen Budgetumfang nicht zu machen. So suchte Schibler Mäzene. Und fand sie. «Sie wollen ungenannt bleiben», sagt er. Aber es seien Leute, die fänden, ein spezieller Einsatz sei lohnend.

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