Was ist Zeit eigentlich und wieso hat man immer zu wenig davon? Dieser Frage widmete sich Michael Ende schon 1973 in seinem Roman «Momo». Es ist eine dieser Geschichten, die zeitlos funktionieren.

Die Oltnerin Sina Wilhelm stiess gemeinsam mit ihren Theaterkollegen Caroline Hodel und Jan Zwicky im vergangenen Januar auf Momos Geschichte. Gemeinsam begannen sie sich mit Michael Endes Zeit-Dieben auseinanderzusetzen. Wilhelm war getrieben von der Lust, ein neues Theater-Projekt zu lancieren. Seitdem die 20-Jährige als Maturaarbeit ein Theaterstück von der Adaption bis zur Aufführung durchführte, liess sie die Bühne nicht mehr los. Wilhelm besucht seit vergangenem Herbst die Schauspielschule Samts im zürcherischen Sihlau. Nachdem sie im Sommer bei der Aufführung von Shakespears «Sommernachtstraum» mit den Schlossspielen Falkenstein in Niedergösgen dabei gewesen war, wollte Wilhelm wieder etwas eigenes auf die Beine stellen. «Im Raum Olten gibt es wenig Angebote für junge Erwachsene, um Theater zu spielen», sagt sie. Also spannte sie mit der Niedergösgerin Hodel und dem in Liestal wohnhaften Zwicky zusammen, die sie beide aus früheren Theaterprojekten kennt. «Nach den tollen Erfahrungen mit meinem Maturaarbeitsprojekt wollte ich nochmals Regie führen. Diesmal jedoch in einem freieren Rahmen, sodass wir uns ohne Leistungsdruck ausleben können», so Wilhelm.

Das Dreierteam entschied sich Ende 2018, ein Theaterstück aus einem literarischen Werk zu adaptieren. Bei der Wahl des Romans hätten sie sich Schwerpunkte gesetzt, erzählt Wilhelm: «Wir wollten, dass die Geschichte einen Aktualitätsbezug hat und uns selbst betrifft.» Per Zufall stiessen sie dabei auf Michael Endes Momo.

Weit weg vom Original-Roman

Zu dritt begannen sie das Buch auseinanderzunehmen, die Handlung zu analysieren und die Symbole herauszusuchen. Gemeinsam entwickelten sie Schritt für Schritt die neue Handlung. Ihr Ziel sei es gewesen, der Geschichte einen neuen Rahmen zu geben und somit etwas eigenes zu schaffen. «Alle Handlungen mit Kindern wollten wir ersetzen, damit wir und das Publikum sich besser mit dem Stück identifizieren können», sagt Wilhelm. Daraus wuchs die eigene Handlung der Momo-Adaption. «Wir sind sehr weit weg vom Original», sagt die Oltnerin. Dazu trägt auch die Sprache bei: Im adaptierten Stück ist Schweizerdeutsch die Hauptsprache. Dies trage zur Identifikation bei. In enger Zusammenarbeit schrieben Caroline Hodel und Sina Wilhelm das Stück nieder – in den letzten Monaten führte Wilhelm Regie, Hodel assistierte sie. Jan Zwicky verantwortet innerhalb des Kernteams die technischen Belange, wobei die temporär zusammengestellte Theatergruppe auf ein schlichtes Bühnenbild setzt.

Sina Wilhelm und Caroline Hodel wollen mit ihrer Adaption beim Publikum eine gesellschaftspolitische Aussage platzieren. «Jeder soll für sich selbst merken, was er mitnehmen kann», sagt Wilhelm. Denn: «Wir wollen kein Moralapostel sein, die den Zuschauern Dinge an den Kopf werfen.» Die beiden Regisseurinnen sind zugleich Teil der elfköpfigen Schauspielgruppe, die punkto Alter durchmischt ist. Der Jüngste ist 12-, der Älteste knapp 40-jährig. Viele der Theatergruppe stammen aus dem Raum Olten, einige besuchen gemeinsam mit Wilhelm die Theaterschule Samts in Sihlau. (mgt)

Theaterstudio Olten am Freitag, 28. Juni, und Samstag, 29. Juni, jeweils 20.15 Uhr, Eintritt frei, Kollekte. Reservation: momotheaterreservieren@gmail.com