Coronavirus im Oltner Alltag

Die Velokuriere des Hauslieferdienstes Collectors im Dienst der Bedürftigen

Eine Lieferung Gemüse aus der Marktecke.

Eine Lieferung Gemüse aus der Marktecke.

Der Fahrrad-Lieferdienst des Vereins Collectors in Olten ist mit dem Coronavirus besonders gefordert und nimmt einen sozialen Auftrag wahr.

Unermüdlich trampen sie durch die Oltner Strassen mit ihren schwarzen Kisten auf Rädern: Die Velokuriere des Lieferdienstes Collectors Olten. In Zeiten von eingeschränkten sozialen Kontakte, geschlossenen Läden und menschenleeren Strassen versucht der gemeinnützige Dienstleistungsanbieter umso mehr, seinen Grundauftrag zu erfüllen: Eine Brücke zwischen den Menschen und das lokale Gewerbe zu schlagen.

Robin Flick ist einer dieser Kuriere, der in dieser speziellen Zeit Hauslieferungen macht. «Eigentlich läuft es relativ ähnlich wie normal», erklärt er dem Oltner Tagblatt. «Zwar sind einige regelmässige Lieferungen abgesagt wurden, dafür sind andere dazu gekommen. Durch das so viele Leute Zu Hause bleiben und Hauslieferungen benötigen, kommen schon sehr viele Aufträge auf uns zu. Es gibt fast mehr zu tun als vor der Krise.»

«Eine Schlüsselrolle in dieser schwierigen Zeit»

Trotzdem bestätigt Geschäftsführer Tobi Vega, dass durch die Coronavirus-Epidemie ein Teil des Umsatzes verloren geht. «Wir haben einige Partner, die keine Lieferungen mehr benötigen oder einige Partnergeschäfte, die ganz zugegangen sind und deshalb unsere Lieferdienste nicht mehr beanspruchen.» Dafür haben sich aber auch neue Geschäfte gemeldet, die wegen der Schliessung ihrer Lokale gerne die Ware zur Hauslieferung ihren Kunden anbieten möchten.

«Es sind bereits drei oder vier Geschäfte dazu gekommen. Mit anderen sind wir noch im Gespräch», so Vega. Unter anderem sei Collectors Olten mit Restaurants im Gespräch.  «Ich glaube, dass unser Verein eine Schlüsselrolle spielt, um den Leuten zu ermöglichen, zu Hause zu bleiben und gleichzeitig dem Gewerbe helfen, sich über Wasser zu halten.

Dass die Krise auch Auswirkungen auf den Alltag des Collectors-Teams hat, bestätigt Robin Flick: «Einige Fahrer sind weggefallen.» Collectors bietet als soziales Unternehmen nämlich Arbeit für Stellensuchende und Langzeitarbeitslose an. Diese seien aber mit der Schliessung der Sozialinstitutionen ausgefallen. «Wir können momentan aber gut mit Freiwilligen, die uns helfen, überbrücken», erklärt Flick. Es handle sich dabei um Kantischüler oder Menschen, die nicht oder nur reduziert arbeiten können.

Menschenwärme trotz Sicherheitsabstand

Der Umgang mit den Kunden hat sich ebenfalls verändert. «Das Einkassieren ist komplizierter geworden wegen den Hygienemassnahmen. Auch haben viele Leute Mühe damit, Abstand zu halten. Wir haben jedoch viel mit Risikogruppen Kontakt, da müssen wir darauf bestehen», sagt Flick.

Dafür spüre man aber auch deutlich Anerkennung: «Gestern brachte ich einer älteren Dame ein Paket vorbei, sie hat sich sehr rührend bedankt.» Er finde auch trotz dem Ernst der Lage die Situation spannend: «Wir sind vor vielen Fragen gestellt: Wie können wir anders, besser helfen? Dazu gehört ein bisschen Improvisation, aber natürlich wäre es auch schön, wenn alles wieder normal verlaufen könnte.»

Wie alle in der Schweiz macht sich Tobi Vega auf eine ungewisse Zukunft gefasst: «Jeder Tag ist anders. Wenn es neue Weisungen von den Behörden gibt, wird alles noch einmal ganz anders. Ich habe das Gefühl, die Nachfrage wird zunehmen weil die leute länger daheim bleiben werden müssen.»

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