Lisa Hochstrasser

«Die Touren mit dem SAC waren eine richtige Lebensschule für mich»

Lisa Hochstrasser, schon als 13-Jährige fing sie mit Kinderbergsteigen an.zvg

Lisa Hochstrasser, schon als 13-Jährige fing sie mit Kinderbergsteigen an.zvg

Lisa Hochstrasser ist Chefin der Jugendorganisation des SAC Sektion Olten. Schon als 13-Jährige hat sie mit dem Kinderbergsteigen begonnen. Am Schulfest vom Samstag betreut die Sektion den Kletterturm.

Was bietet die Jugendorganisation des SAC den Jugendlichen ?

Lisa Hochstrasser: Im Sommer Sportklettern in Klettergärten, alpines Mehrseillängenklettern und Hochtouren auf dem Gletscher, im Winter Ski- und Snowboard-Touren und Eisklettern. Bei schlechtem Wetter klettern wir in der Kletterhalle. Dazu vermitteln wir ihnen das alpinistische Handwerk, das heisst die Seilhandhabung wie Sichern, Abseilen, die wichtigsten Knoten, die Grundlagen der Klettertechnik in Fels und Eis, den Umgang mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät und die Orientierung mit Karte, Kompass und GPS. Neben dem eigentlichen Handwerk lernen die Jugendlichen aber auch, Gefahren wie Stein- oder Eisschlag, Lawinen und Wetterstürze rechtzeitig zu erkennen. Selbstverständlich sensibilisieren wir die Jugendlichen auch für die Bergwelt und die alpine Flora und Fauna.

Warum sprichst du von Handwerk?

Beim Bergsteigen wird zugepackt wie in einem handwerklichen Beruf: Man braucht seine Hände zum Anseilen, zum Sichern, zum Klettern, zum Stufenschlagen, zum Karabiner einhängen usw. Nur wenn die verschiedenen Handgriffe bei der Seilhandhabung, beim Klettern und auf Hochtouren sitzen, ist die Sicherheit für einen selbst und die Seilkameraden gewährleistet.

Bergsport braucht viel Material und in die Berge reisen muss man auch. Wer kommt für die Kosten auf?

Das Material für Touren - Seile, Karabiner, Klettergurt («Gstältli»), Pickel, Lawinensuchgerät, Lawinenschaufeln und Karten – wird von der Sektion Olten gratis zur Verfügung gestellt. Die Jugendlichen müssen also nur für ihre persönlichen Ausrüstungsgegenstände wie Kletterschuhe, Bergschuhe oder Tourenski selber aufkommen oder diese in einem Sportgeschäft mieten. Das ist ja bei anderen Sportarten wie Tennis, Fussball, Skifahren usw. auch nicht anders. Für die Reise in die Berge benützen wir wenn immer möglich die öffentlichen Verkehrsmittel. Weil viele Jugendliche ein GA oder ein Halbtax-Abo haben, sind die Reisekosten nie ein Problem. Die Kosten für Übernachtung und Bergführer werden von der Jugendorganisaion (JO) übernommen. Dabei hilft uns die Anbindung an Jugend+Sport und den SAC, erhalten wir doch von beiden namhafte Beiträge.

Der Bergsport kommt immer wieder in die Schlagzeilen wegen Lawinenunfällen oder Abstürzen. Was für Vorsichtsmassnahmen trefft ihr in der JO zur Verhinderung von Unfällen?

Die wichtigste Unfallprävention ist wie gesagt die Erlernung des alpinistischen Handwerks. Auf den Touren selber kommen dann die korrekte Einschätzung und Früherkennung von objektiven Gefahren wie Lawinen, Stein- und Eisschlag oder der Wetterentwicklung dazu. Diese liegt in der Verantwortung des Tourenleiters. Deshalb werden JO-Touren von Jugend+Sport-zertifizierten Leitern geleitet. Bei schwereren Touren setzen wir ausserdem Bergführer ein. Trotz allem: Eine absolute Sicherheit gibt es auch beim Bergsport nicht, aber man kann das Risiko entscheidend reduzieren, wenn der Alpinsport seriös betrieben wird.

Wann hast du mit Bergsteigen begonnen?

In unserer Familie gingen wir viel wandern in den Bergen. Deshalb trat ich mit 13 Jahren dem Kibe (Kinderbergsteigen) bei und hatte unter dem damaligen Leiter Klaus Jäggi eine Superzeit. Mit 14 Jahren trat ich in die Jugendorganisation über und machte dort acht Jahre lang mit Begeisterung und Freude Touren. Das war eine richtige Lebensschule für mich: ich lernte, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, auf andere Rücksicht nehmen und wenn nötig auch auf die Zähne beissen. Und ich habe dort Freunde fürs Leben und letztlich auch meine grosse Liebe gefunden.

Wann und warum hast du die Leitung der JO übernommen?

2010 fragte mich der langjährige JO-Chef Thomas Lüthi, ob ich bereit sei, seine Nachfolge zu übernehmen. Zuerst zögerte ich, weil ich selber noch mitten im Studium war. Doch dann erinnerte ich mich, wie viel mir die Zeit in der JO selber gebracht hatte und fand, dass ich dies auch anderen ermöglichen möchte. So sagte ich zu.

Wie viele Mitglieder habt ihr momentan?

Total sind wir 50 Mitglieder; 21 Mädchen und 29 Jungen. Auf die Bergtouren kommen regelmässig 4 bis 10 Jugendliche mit, ins Kletterlager und in die Skitourenwoche auch mehr.

Gibt es eigentliche Ausbildungstouren und kann man schnuppern, bevor man Mitglied wird?

Es ist durchaus möglich, einfach einmal auf eine Tour mitzukommen und JO-Luft zu schnuppern, bevor man Mitglied wird. Der Tourenleiter oder ich selber können interessierte Jugendliche beraten, welche Touren sich zum Schnuppern eignen. Zur Ausbildung werden ein Eiskurs, ein Lawinenkurs und ein Tiefschneekurs angeboten. Das Kletterhandwerk wird auf Touren erlernt. Vorkenntnisse sind nicht nötig, aber Freude an den Bergen und am Outdoor-Sport sind natürlich Voraussetzung.

Was sind die beliebtesten Angebote im JO-Tourenprogramm?

Die Renner sind zweifellos die unterdessen zur Tradition gewordenen Kletterlager am Meer, z.B. letzten Herbst in Finale bei Genua, früher in Sardinien, in der Ardèche oder in Orpierre sowie die Skitourenwochen. Auch ich selber habe super Erinnerungen an diese Camps.

Welche Touren sind dieses Jahr noch vorgesehen?

Jedes zweite Wochenende findet eine Tages- oder Weekendtour statt, bis Ende April auf Ski oder Snowboard, anschliessend vor allem Klettertouren im Jura und in der Zentralschweiz. Highlights werden die Hochtour auf die Blümlisalp und das Kletterlager sein. Das Programm endet traditionell mit dem JO-Höck , wo wir uns alle zu einem gemütlichen Znacht treffen und Fotos und Erinnerungen an die Bergtouren im 2013 austauschen werden. Das detaillierte JO-Tourenprogramm findet man auf unserer Homepage www.sac-olten.ch unter «Jugend».

Warum sollen Jugendliche in der JO des Alpenclubs mitmachen statt z.B. beim Fussballclub oder im Turnverein?

Bergsteigen vermittelt eben über die reine Technik hinaus – wie bei einer konventionellen Sportart auch – immaterielle Werte wie Verantwortung übernehmen, Zusammenhalten in der Gruppe, entscheiden lernen, auf schwächere Rücksicht nehmen und Angst überwinden. Der Bergsport ist mit seinen zahlreichen Spielarten vom Klettern bis zu Skitouren eine der vielseitigsten Sportarten überhaupt und fördert dadurch bei den Jugendlichen sämtliche motorischen Fähigkeiten wie Koordination, Kraft, Gleichgewicht und natürlich Ausdauer. Dazu kommt die Nachhaltigkeit: Wer als Jugendlicher Freude am Bergsteigen findet, hat damit ein Hobby, das ihn das ganze Leben begleiten wird. Der beste Beweis ist die Seniorengruppe im SAC Olten, wo noch 90-Jährige auf die Touren mitgehen! Bergsteigen bringt für die Jugendlichen aber auch grosse Befriedigung, weil es Action, Flow- und Erfolgserlebnisse bietet; etwa bei der Bewältigung einer kniffligen Kletterstelle oder wenn man nach der einem langen strengen Aufstieg auf dem Gipfel steht und eine Aussicht geniesst wie aus dem Flugzeug. Die Freude und Zufriedenheit in diesen Momenten ist meiner Meinung nach mit keiner anderen Sportart zu vergleichen.

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