In der kleinräumigen Schweiz mit ihrer Apérokultur sei das Online-Networking fürs Geschäft vielleicht noch weniger wichtig als in den grösseren Nachbarländern, mutmasste Reto Spiegel am sechsten Detaillistenzirkel. Der Vizepräsident von Gewerbe Olten forderte seine Kolleginnen und Kollegen vor dem ebenfalls gepflegten kulinarischen Nachgang jedoch auf, Hemmungen vor den sozialen Medien abzulegen. Argumente für die Chancen der Digitalisierung hatten sie zuvor in mehreren Referaten vernommen.

Passend zum im Umbruch befindlichen Einzelhandel trafen sich rund drei Dutzend Gewerbetreibende diesmal in dem noch im Umbau befindlichen Kino Capitol. Dass der Onlinehandel eine grosse Herausforderung darstellt, mochte Sebastian Kabis nicht bestreiten. Doch der Webfachmann aus Freiburg im Breisgau zeigte auf, dass Jammern oder gar Panikreaktionen fehl am Platz sind. Allein der Umstand, dass 89 Prozent der Schweizer Bevölkerung vernetzt seien, wovon sich mehr als die Hälfte täglich auf Social Media bewegten, stelle eine riesige Chance dar, die es zu nützen gelte.

Nicht Mythen aufsitzen

Der Firmeninhaber aus dem Schwarzwald warnte davor, sich von Mythen blenden zu lassen. Es sei falsch, dass Online-Kanäle den Detaillisten alles Wasser abgraben würden. «Realität ist vielmehr, dass 91,5 Prozent aller Einkäufe nach wie vor im Einzelhandel stattfinden», sagte Sebastian Kabis. Allerdings verlagere sich die Kaufentscheidung durch die Digitalisierung zunehmend aus dem Laden heraus. 92 Prozent aller Kunden suchten bereits vor oder während ihres Shoppingtrips Online-Informationen zum begehrten Produkt. Die Digitalisierung revolutioniere das gesamte Einkaufserlebnis – offline (im Laden), mobil (Handy, Tablet) und online (PC, Laptop).

Sebastian Kabis riet deshalb dem Oltner Gewerbe, sich im ganzen  Entscheidungsprozess der Konsumenten zu positionieren und diese frühzeitig, auch durch einen unbewussten Erstkontakt, mit Emotionen neugierig zu machen. Am besten sei es, den Kunden als Fan zu gewinnen, der auf Facebook oder Instagram sein Erlebnis weitergibt. Auch während des Einkaufs lasse sich ein digitaler Mehrwert, beispielsweise in Form von Boni oder Gewinnspielen, bieten. Die Offline- und die Online-Welt stünden einander nicht gegenüber, sondern ergänzten sich und griffen wie Zahnräder ineinander, machte Kabis als alltagstaugliche Sichtweise beliebt. 

Tipps für die sozialen Medien

Dominik und Franziska Maegli unterzogen sich danach einem Praxistest, indem sie zuerst über ihre Erfahrungen mit ihren Webseiten und ihren Umgang mit Facebook (seit vier Jahren) und Instagram (seit Dezember 2017) berichteten. Der Aufwand, unter anderem auch mit der unumgänglichen Beantwortung negativer Kommentare, sei nicht zu unterschätzen, hielt das Bijouterie-Paar fest, das seinen Auftritt im Netz von Rebekka Eggenschwiler durchleuchten liess. Die Expertin der Kommunikationsagentur Mosaiq stellte dem Verhalten im Web ein gutes Zeugnis aus. Das traditionsreiche Uhren- und Schmuckgeschäft gefalle mit schönen, teils auch bewegten Bildern, habe eine Chat-Funktion eingebaut und fordere die Kunden mit dem integrierten Shop auch zum Kauf auf. Mit einem verstärkten Dialog und Videos lasse sich allenfalls noch mehr Interaktion erreichen, riet Rebekka Eggenschwiler.

Die Marketingfachfrau gab den Anwesenden die wichtigsten Tipps mit auf den Heimweg. Sie empfahl Klarheit in der Tonalität des Auftritts und eine gute Dosierung mit eher wenigen, gut geplanten und relevanten Blog-Einträgen und Posts. Trotz der aktuellen Diskussionen sei Facebook kaum zu überschätzen: Der durchschnittliche User bewege sich 50 Minuten pro Tag auf der Plattform, bei der älteren Bevölkerungshälfte nehme die Nutzung weiter zu.