Olten
Die Fasnacht 2021 hat im Schaufenster Platz

Es riecht in Olten nach einer Fasnachtszeit ohne Fasnacht; die Zünfte sind bis zum heutigen Hilaritag zu maximaler Zurückhaltung verdammt.

Urs Huber
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Fasnacht im Schaufenster war letztes Jahr schon aktuell; aber draussen tobten damals noch die Narren.

Fasnacht im Schaufenster war letztes Jahr schon aktuell; aber draussen tobten damals noch die Narren.

Bruno Kissling

Hilarisamstag in Olten: für gewöhnlich Fezübergabe, lodernde Fackeln, in warmes Licht getauchter Ildefonsplatz. Gut gelaunte, heitere Zünfter, tosende Guggen, Ausgelassenheit, Botts in den Zunftstuben. Und heute, am Hilarisamstag 2021? Tristesse in Lightversion, Corona geschuldet. Und die Tristesse wird, verständlicherweise auch bis zum Fasnachtsstart am Schmutzigen Donnerstag, nicht heiterer.

«Das Zunftleben ist schon ein bisschen tot», sagt Rahel Nobs, oberstes Rätschwyb der gleichnamigen Zunft. Was noch drin liege, seien Onlinetreffen. «Wirklich physisch begegnet sind wir uns als Zunft seit Monaten nicht mehr.» Ganz Ähnliches berichtet Philipp Müller, als Hilarius 100. der Obernarr mit der wohl längsten Amtszeit. Er beginnt eben sein zweites Jahr. «Letztmals sind wir uns als Hilari­-Zunft im Sommer begegnet; seither müssen Zoom-­Konferenzen herhalten.»

Auch die Altstadt-Zunft mit Zunftmeister Beat Kissling weiss von Leere. «Die Atmosphäre ist etwas schläfrig geworden.» Die physischen Treffen fallen jetzt dahin, sind meist auch eher zufälliger Art. So müssen diese digital stattfinden. «Mitte Oktober gab’s den Oldtown Chicken Day; seither waren wir nie mehr beisammen.»

Ruggete fällt aus: Ein paar Tausender fehlen

«Ich würde so sagen: Wir sind alle ein bisschen im Fasnachtsblues.» Armando Pipitone ist Meister der Tannzapfe-Zunft und auch ein wenig ernüchtert. «Am Hilarisamstag pflegen wir gewöhnlich die Ruggete als Auftaktveranstaltung. Findet heuer nicht statt. Da fehlen uns ein paar Tausender in der Kasse», sagt er. Die Führung der Zunft erfolgt auch bei den Tannzapfe über die Konferenz am Computer. «Es fehlt natürlich schon der gesellige Aspekt», sagt Pipitone. So mache sich leiser Fasnachtskater breit.

Die Lust auf Aktivitäten sei halt auch schwierig herauszukitzeln, hält Rahel Nobs fest. «Ganz insgeheim fragt man sich immer: Wozu sollen wir eigentlich etwas machen?» Es gebe keine Ziele, kein Publikum, keine Höhepunkte. «Und über allem, was du gemeinsam unternehmen willst, schwebt die Gefahr einer Ansteckung.» Nicht alle in der Zunft könnten mit dem Risiko gleich gut umgehen. Und für Hilarius 100. steht fest: «Als Obernarr der Fasnacht 2020 bin ich innert ein paar Tagen von 100 auf null reduziert worden. Mir fehlt der Betrieb rund um die Fasnacht sehr, so wie ich überhaupt alle andern kulturellen Anlässe vermisse, die wegen Corona nicht stattfinden können.» Besser als gar keine Begegnungen seien aber immer noch jene übers Internet.

Schmücken und Singen als Offerte

Das Fasnachts- und Umzugs­komitee Olten, das Fuko, hat unlängst zwei mögliche Varianten von Aktivitäten lanciert. «Zum einen lassen sich die Laternen in der Altstadt schmücken, zum andern ist ein Radioauftritt der Schnitzelbankgruppen möglich», weiss Fuko-Präsident Beat Loosli. Vor allem die zweite Offerte stösst bei den Zünften auf ziemliches Interesse. «Da sind wir eher dabei», so Müller. Und auch Beat Kissling ist von der Idee überzeugt. «Wir hätten die Bänke schon bereit», sagt Pipitone gar.

Aber er gibt zu bedenken, dass Singen sehr ungünstig ist und nicht wenige aus der Sängergruppe ziemlich sensibel auf Ansteckungsgefahren reagieren. «Insofern bin ich mir nicht sicher, ob wir schliesslich dabei sein werden.» Und die Rätschwyber? Man habe keine gottbegnadeten Schnitzelbankschreiberinnen in den eigenen Reihen, die innert 20 Minuten einen satten Reim entwickeln könnten, meint Rahel Nobs.

«Da verzichten wir lieber drauf, zumal auch fast das Wichtigste, der Publikumskontakt, fehlt», gibt sie zu verstehen. Beim Schmücken der Laternen wollen die Zünfte übrigens eher nicht mittun. Am ehesten noch die Frauenzunft. «Wir haben die Tradition der kleinen Hand­laternen. Die könnten wir durchaus zur Verfügung stellen», sagt Rahel Nobs. Aber wohl eher in einem Schaufenster. «Draussen sind sie uns zu exponiert.»

Ob es am Fasnachtssonntag zum spontanen Schissdräck- Zügli reicht? Die Begeisterung dafür: gehemmt. Sicherheits­abstände, keine offenen Beizen, Gift für die Fasnacht. «Wir möchten auch keine Menschenansammlungen riskieren», meint Kissling. Man stehe da recht schnell im schiefen Licht. Die besten Voraussetzungen für eine Fasnacht im Schaufenster also.