Bei der Parteiversammlung der städtischen FDP am Montagabend ging es um die Strategie für den zweiten Wahlgang der Stadtratswahlen. Die FDP hatte in der ersten Runde mit dem bisherigen Benvenuto Savoldelli bereits einen Kandidaten im Trockene.

Mit Parteipräsidentin Monique Rudolf von Rohr wollen die Freisinnigen nun den vor vier Jahren an die Linke verlorenen zweiten Sitz zurückerobern und eine rot-grüne Mehrheit in der Regierung verhindern. Die 61-Jährige machte gleich zu Beginn klar, dass sie für den zweiten Wahlgang antreten will. Die Anwesenden taten ihr den Gefallen gern und streckten einstimmig ihren blauen Wahlzettel hoch. So weit verlief alles ganz einmütig.

Überraschend an der Parteiversammlung war allerdings, dass der wilde FDP-Stadtratskandidat Thomas Rauch ebenfalls anwesend war. Er hatte in der internen Ausmarchung gegen Rudolf von Rohr den Kürzeren gezogen und trat dann doch für den ersten Wahlgang an. Das sah man bei den Freisinnigen nicht gern. Doch gestern schien man sich wieder zu vertragen. Auch Rauch hob seinen Wahlzettel für Rudolf von Rohr. Diese dankte es ihm, indem sie Rauch in ihrer Dankesrede direkt ansprach: «Es zeigt Grösse, dass du heute hier bist.» Das sei ein gutes Zeichen für die Partei.

Rauch äusserte sich danach nicht, Rudolf von Rohr fragte ebenfalls nicht explizit nach. Seine Kandidatur wurde erst unter Verschiedenes wieder ein Thema. Ex-Gemeinderat Daniel Vögeli stellte die Frage, um die es eigentlich diesen Abend ging: Wie steht es um die Kandidatur Rauch? Die Parteileitung hatte den wilden Stadtrataspiranten bereits am Wahlsonntag aufgefordert, sich zurückzuziehen. Die FDP glaubt so, bessere Chancen gegen das linke Duo Iris Schelbert und Marion Rauber zu haben.

Doch Rauch dachte gestern Abend immer noch nicht daran, der FDP diesen Gefallen zu tun. Der 51-Jährige vertröstete auf die heutige Anmeldefrist um 17 Uhr und machte klar: «Wenn ich erneut kandidiere, heisst das nicht, dass ich Monique Rudolf von Rohr nicht unterstütze.» Nach dieser Äusserung machte sich im Plenum ein gewisser Unmut breit, die Stimmung schien sich gegen ihn zu drehen.

Der bereits bestätigte Stadtrat Savoldelli sagte dazu schnippisch: «Mit deinem Resultat sollte klar sein, das man aufhören muss.» Gemeinderat David Tschan schob nach: «Die Wähler haben eine Aussage getroffen, eindeutiger geht es gar nicht.» Doch Rauch, der auf dem zweitletzten Platz landete, blieb eine klare Antwort schuldig. Wie er im Gespräch mit dieser Zeitung vorgängig erwähnte, erhofft sich der Volkswirtschafter auf einem Zweierticket mit der Berufsschullehrerin Rudolf von Rohr «die Mobilisierung des gesamten Mitte-Rechts-Spektrums.»