Region Olten

Der Rücktritt des Kirchgemeinderats zeigt: Die Christkatholiken sind gespalten

Die 500 Mitglieder der Kirchgemeinde Region Olten sind entweder für oder gegen den Pfarrer Kai Fehringer. Hier bei der Wiedereröffnung der renovierten Stadtkirche im Herbst 2018.

Die 500 Mitglieder der Kirchgemeinde Region Olten sind entweder für oder gegen den Pfarrer Kai Fehringer. Hier bei der Wiedereröffnung der renovierten Stadtkirche im Herbst 2018.

Die Christkatholiken der Region Olten sind für oder gegen Pfarrer Kai Fehringer. Dieser will trotz den Spannungen nicht zurücktreten. Derweil ist eine Person, die das Präsidium von Interimspräsident Beat Wyttenbach übernehmen wollte, wieder abgesprungen.

«Meinen Frieden gebe ich euch», steht auf der Fassade der Oltner Stadtkirche, wo sich die rund 500 Mitglieder der Christkatholiken jeden Sonntag zum Gottesdienst treffen. Nach der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend, an welcher der gesamte Kirchgemeinderat wegen Spannungen mit Pfarrer Kai Fehringer per sofort zurückgetreten war, könnte die Kirchgemeinde der Region Olten etwas mehr Frieden gut gebrauchen.

An der Gemeindeversammlung wurde nämlich klar, dass sich die Christkatholiken in zwei Lager aufteilen: Jene, die Pfarrer Kai Fehringer gut gesinnt sind und ihn vorbehaltlos unterstützen; und jene, die ihn vielleicht als Pfarrer mit seinen Predigen schätzen, aber es nicht goutieren, dass er sich in weitere Angelegenheiten der Kirchgemeinde einmischt und ihm daher kritisch gegenüberstehen oder sich sogar seinen Rücktritt wünschten. Vorerst hat nun das Pro-Fehringer-Lager mit dem Rücktritt des gesamten Kirchgemeinderats einen Etappensieg erreicht.

Während der Versammlung hat nämlich eine Anwesende genau dies gefordert und machte den Kirchgemeinderat für die zerfahrene Situation verantwortlich: Dieser hätte es nicht geschafft, einen Ausweg mit dem Pfarrer zu finden, damit Ruhe einkehre. Der Konflikt gehe vor allem vom Gemeinderat aus und sei für den Pfarrer nicht mehr länger zumutbar. Zudem wurde vor allem Interimspräsident Beat Wyttenbach «ein rüder Umgangston» mit dem Pfarrer vorgeworfen. Er führe die Organisation zweigleisig mit offiziellen Sitzungsterminen und inoffiziellen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die ebenfalls von einer Interpellation mit 80 Unterschriften angetönte Massnahme einer Mediation – die zudem auch Pfarrer Fehringer selbst vorgeschlagen hatte – sei zudem nicht durchgeführt worden.

Interimspräsident Wyttenbach legte dar, dass man zuerst die Pflichtenhefte des Pfarrers und weiterer Personen fertigstellen wollte, bevor eine Mediation infrage käme. Es läge aber eine unverbindliche Kostenschätzung vor. Zudem sei eine Mediation auch eine Geldfrage. In den Gemeinderatssitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit seien Personal- und Vertragsgeschäfte behandelt worden, bei denen üblicherweise kein Publikum zugelassen sei, sagte er auf Nachfrage dieser Zeitung. Abstreiten konnte er allerdings nicht, dass sein Umgangston nach allem, was passiert sei, «nicht mehr zwingend herzlich sein konnte». In seinen Augen könne ein Neuanfang aber auch eine Chance sein.

Synodalratspräsidentin: Der Pfarrer sollte gehen

Die Gemeindeversammlung wurde immer mehr zur Chropfleerete, an der sich auch Kritiker des Pfarrers zu Wort meldeten. So erklärte der frühere Präsident Kurt Schibler, was die Kirchgemeinderäte in den vergangenen Monaten alles geleistet hätten. Er forderte Kai Fehringer direkt dazu auf, sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren: «Wenn du dich entschliessen könntest, die anderen auch machen zu lassen, dann hätten wir ein gutes Einvernehmen.» Geäussert hat sich auch Manuela Petraglio, Synodalratspräsidentin der Schweizer Christkatholiken, die auf Wunsch des Kirchgemeinderats anwesend war. Sie legte dar, dass sie und der christkatholische Bischof in Kontakt mit den Verantwortlichen gewesen wären. Sie machte klar, dass «es in solchen Fällen Usus ist, dass nicht der Kirchgemeinderat, sondern der Pfarrer geht».

Während der gesamten Gemeindeversammlung meldete sich Pfarrer Kai Fehringer nie zu Wort. Er habe extra nichts gesagt, erklärte er danach gegenüber dieser Zeitung. Ein Rücktritt käme für ihn nicht infrage. Er sei für vier Jahre gewählt. In seinen Augen habe auch der Kirchgemeinderat «über den Hag gefressen» und Dinge gemacht, die er so nicht hätte tun dürfen – also genau das, was sie ihm vorwerfen würden. Er erwähnte das Pflichtenheft, das ohne ihn ausgearbeitet wurde, oder die Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zudem müsste der Kirchgemeinderat zusammen mit ihm die Kirchgemeinde leiten, so wie es in der Kirchenverfassung vorgesehen ist, hielt Fehringer fest. Im Gremium hätte er eine beratende Stimme.

Nach dem Rücktritt des Gesamtgemeinderats wird nun ein Sachwalter eingesetzt. Monique Rudolf von Rohr, die das Präsidium ab Mai 2020 übernommen hätte, sagte am Donnerstag auf Anfrage: «Unter diesen Umständen kommt für mich das Amt nicht mehr infrage.» Zum verkorksten Abend aus Sicht des Gemeinderats passte, dass auch die geplante Steuererhöhung um 2 Punkte auf 20 Prozent keine Mehrheit fand. Damit weist das Budget 2020 ein um 36'000 Franken höheres Minus von insgesamt 252'000 Franken aus.

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