Im oberen Bereich des Dickenbännli steht ein Baumriese; seine Krone überragt die andern Bäume. Die rund vierzig Interessierten, die an der diesjährigen Waldexkursion teilnahmen, machten dort Halt, um den Erläuterungen von Kreisförster Jürg Schlegel zu lauschen. Die riesige Eiche hat, auf Brusthöhe gemessen, einen Umfang von 3,6 Metern, was einem Durchmesser von 1,14 Metern entspricht.

Wie alt dieses Exemplar ist, lässt sich nicht sagen. Die Eiche markiert aber die Grenze zwischen den beiden Waldarealen, welche in alten Plänen «Abtheilung Numero 1, In den Eichen» und «Abtheilung Numero 2, In den Tannen» genannt wurden.

Etwas weiter unten wurde eine andere Eiche gefällt. Hier kann man ihre 200 Jahrringe zählen. Damit ist sie wohl ebenso alt wie die meisten übrigen Traubeneichen in diesem Waldstück. Als der damalige Stadtförster Emil von Arx um 1895 eine Bestandsaufnahme machte, notierte er nämlich im Waldwirtschaftsplan, die Eichen seien 70-jährig. Sie gehen auf Stockausschläge zurück, stellte Jürg Schlegel mit dem Blick des Fachmanns fest, und schloss daraus, dass hier um 1820 ein Kahlschlag durchgeführt wurde. Bis ins Mittelalter dürfte jedoch die Buche der vorherrschende Baum gewesen sein. Erst der Mensch bevorzugte die Eiche, um deren Holz, aber auch die Eicheln für die Schweinemast und die Rinde für die Gerberei zu nutzen. Heute wandert Eichenholz vorwiegend nach Frankreich, wo es zu Fassdauben für Barriques gebogen wird.

Dickenbännlispitzen

Die Exkursion gestaltete Kreisförster Jürg Schlegel zusammen mit Peter Kaiser, dem Leiter des Historischen Museums Olten (HMO). Im Bannwald befinden sich zwei Plätze, die unter Archäologen international bekannt sind, erklärte Peter Kaiser. Die eine Fundstätte liegt im Kalchofen, wo zur Steinzeit Silex im grossen Stil gewonnen wurde. Die andere erstreckt sich über die Kuppe an der Hangkante im Dickenbännli. Zur Bronzezeit (vor 3500 Jahren) befand sich hier ein Refugium, von dessen Wall heute noch Spuren im Gelände sichtbar sind. Doch schon zur Steinzeit, also rund 6000 Jahre vor heute, siedelten Menschen an dieser exponierten Stelle. Es ist eine der reichsten archäologischen Fundstellen in Olten und Umgebung; über 10 000 Objekte wurden hier ausgegraben.

Das berühmteste Fundstück ist die sogenannte Dickenbännlispitze. Der Oltner Postbeamte und Altertumsforscher Theodor Schweizer hat hier archäologische Grabungen durchgeführt. Er stiess dabei auf dünne, spitzige Silexwerkplättchen, die man unmöglich als Pfeilspitzen benutzt haben konnte. Solche Feuerstein- spitzen wurden auch an andern Orten entdeckt, aber aus dem Oltner Bestand erstmals beschrieben. Da man sich zuerst über die Verwendung nicht im Klaren war, bezeichnete man sie schlicht als Spitzen vom Dickenbännli. Inzwischen sind die Dickenbännlispitzen gedeutet als eine Art Ahlen, mit denen die Steinzeitmenschen Löcher in die Tierfelle bohrten, um sie zusammennähen zu können.

Viele Wissenswertes

Schlegel und Kaiser wussten viel Wissenswertes zu vermitteln, von dem nur ein Bruchteil rapportiert werden kann. Zum Abschluss des Streifzugs konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Streifzugs am heissen Tee aufwärmen, offeriert von der organisierenden Wald- und Umweltschule, der Bürgergemeinde, dem Historischen Museum und dem Forstkreis Olten. Dabei werweissten sie über die Herkunft des Namens Dickenbännli. Das Adjektiv «dick» kann auch dicht bedeuten. Die Jäger verstehen unter einer Dickung ein dichtes Gebüsch, ein «Dickicht», wusste jemand. Das stadtnahe, relativ gut zugängliche Waldstück wurde wohl intensiver genutzt, weshalb hier die jungen Bäume dichter standen und der Wald «dicker» war als anderswo.

Solothurner Namensbuch

Die vergleichbaren Fluren im Schuppliwald, wo vorwiegend kleine Tännchen (Grotzli) vorkommen, liegen ebenfalls in Siedlungsnähe. Im Dickenbännli wäre demnach im dichten kleinen Bannwald. Wissenschaftliche Auskunft wird dereinst das Solothurner Namenbuch geben.