Olten

Das Wort als Geburtshelferin der Bedeutung

Voller Saal am Aare Forum.

Voller Saal am Aare Forum.

250 Personen wollten sich das 13. Aare Forum der Solodaris Stiftung im Oltner Stadttheater nicht entgehen lassen. Kommunikation und damit die Sprache in ihrer ganzen Vielfalt standen im Fokus.

Der Mond gilt im Germanischen als Zeitmesser, während er im Italienischen (luna) oder Französischen (lune) für sein prächtiges Leuchten steht. Damit ist schon gesagt: Die Sprache, sie bringt Ordnung ins Unbestimmte, sie macht den Unterschied aus. Mit dieser Definition stieg der Philosoph Ludwig Hasler in sein einführendes Referat am 13. Aare Forum in Olten ein. Und hielt präzise fest: «Das Wort fungiert als eigentliche Geburtshelferin der Bedeutung.» Folglich schildere Kommunikation nicht eine bestehende Welt, sondern eine Bedeutungswelt.

Eine Meinung, das sage schon der Wortstamm «mein», könne nicht die Wahrheit sein, müsse sie sich doch erst an anderen Meinungen reiben. Erst die Kommunikation mache es möglich, dass die gegenseitigen «Gescheitheiten» aufgefressen würden – und am Ende vielleicht so etwas wie die Wahrheit stehe, sagte Hasler.

Geerdeter, aber nicht minder aufschlussreich, wurde es bei Angelika Ramer und ihren Standards für gute Korrespondenz. Es gebe kein richtig oder falsch, sagte sie, um dann doch einigen Floskeln den Kampf anzusagen: «Um Kenntnisnahme bitten ... » etwa, das töne furchtbar. In der von ihr entwickelten Osorno-Strategie sind Worte Basis und inneres Feuer eines Unternehmens und dienen als Richtschnur. «Sie sind der richtige und lebendige Standard für Brief und E-Mails», sagte Ramer vor den 250 Zuhörern im Oltner Stadttheater. Es brauche auch in der Korrespondenz Werte wie Menschlichkeit, Offenheit oder Respekt. Ihr Credo: «Mensch vor Inhalt – das erzeugt die bessere Korrespondenz.»

Gleich zweimal stand danach die Kommunikation in der Krise oder zumindest unter sehr erschwerten Bedingungen auf dem Programm. So erzählte Ulrich Schnyder als einer der international führenden Experten im Bereich der Psychotraumatologie von einem Mann, der sich am Feierabend mit der Partnerin streitet, duscht und mitbekommt, wie diese würgt und hustet und das Bewusstsein verliert. Zwar alarmiert er sofort die Sanität, doch die Frau stirbt. Die Folge: Beim Mann stellen sich Schlaflosigkeit, Schuldgefühle und Flashbacks ein und eine Woche später eine tiefe Depression. Erst die Idee seines Patienten, die Audiospur seines Anrufs beim Notfall abzuhören und so quasi mit sich ins Reinen zu kommen, habe schlagartig für Besserung gesorgt, schilderte Schnyder. Das Problem bei posttraumatischen Störungen wie diesen: Sie machen sprachlos. Dabei läuft eine Behandlung exakt über – die Sprache.

Als Krisenmanager einen Namen gemacht hat sich der Bündner Christian Gartmann, sei dies nach dem Bergsturz in Bondo oder nach dem Absturz der JU-52 bei Flims. Deshalb weiss er: «Krise zerstört Vertrauen!» Vertrauen, welches mittels aktivem und gutem Krisenmanagement und professioneller Krisenkommunikation erst wieder neu aufgebaut werden müsse. Er zeigte in seinem Referat anschaulich auf, wie er im konkreten Fall die Risiken identifiziert und die möglichen Szenarien beschreibt. Medienarbeit sei zwar enorm wichtig, aber nur ein kleiner Teil der Krisenkommunikation, sagte Gartmann. «Enorm wichtig ist die Themenführerschaft, also durch aktive und interaktive Kommunikationsarbeit Gerüchten vorzubeugen.»

Nach der Mittagspause war es an Graziella Contratto, den Faden wieder aufzunehmen und von ihren Erfahrungen als Orchesterdirigentin zu erzählen und zu erklären, was Führen und Kommunizieren in einem Orchester bedeutet.

Das Kommunikationsverhalten am Arbeitsplatz war Thema des Referates von Stefanie Moser. Eine Umfrage im Publikum des Aare Forums via Smartphone ergab: Eine Mehrheit bevorzugt noch immer das gute alte persönliche Gespräch. Erst dann folgen der Gebrauch von E-Mail und anderen Formen von Textnachrichten.

An Politologe Michael Hermann wars, diesen interessanten Tag zu beschliessen. Er sagte, dass die klassischen Meinungsmacher als Folge des digitalen Medienwandels an Einfluss verlieren. Das heisst auch: Der Graben zwischen Volk und sogenannter «Classe politique» schliesst sich. Und was die Umfragen betrifft: Die sind oft besser als ihr Ruf, wie etwa im Vorfeld der Wahlen in den USA. Oft genug wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen prognostiziert, was durchaus den späteren Fakten entsprach. Aber weil aufgrund des speziellen Wahlsystems in den Staaten nicht Hillary Clinton, sondern Donald Trump gewählt wurde, galten die Umfragen flugs als völlig daneben. (mgt)

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