Olten

Das Sälischlössli wird 150 Jahre alt – die Wartburghügel werden deshalb zur Theaterkulisse

Die drei Initianten des Theaterprojektes an einem der Spielorte: Sälischlössli-Gastgeber Jürg Mosimann (Bildmitte) sowie Edith Russi und Nicolas Russi auf der Dachterrasse.

Zum Jubiläum des Oltner Sälischlössli gibt es im kommenden Sommer eine Freilichtproduktion. Das Stück soll an mehrern Orten spielen und von der Entstehung des Schlössli erzählen.

«Das Jubiläum mit einer besonderen Veranstaltung feiern», sagt Jürg Mosimann, der seit einem guten Jahr Gastgeber im Restaurant Sälischlössli ist. «Die Entstehungsgeschichte des Sälischlössli an besonderen Spielorten darstellen», nennt Nicolas Russi, Autor und Regisseur des Stücks, den Ausgangspunkt für diese Produktion.

Seit längerem haben der Aarburger Wirt und der Theatermacher aus Brittnau Ideen ausgetauscht, was man alles rund um das Schlössli und die Ruine auf der hinteren Wartburg machen könnte – das Jubiläum gab nun den Anstoss, für den nächsten Sommer ein Freilichttheater auf die Beine zu stellen.

Die ersten Eckpunkte kristallisierten sich rasch heraus: Das Stück soll an mehreren Orten spielen, das Publikum soll von Szene zu Szene geführt werden und der Inhalt soll die Entstehungsgeschichte des Sälischlössli im historischen und gesellschaftlichen Kontext zusammenfassen. Dazu gibt es ein Nachtessen wie vor 150 Jahren. Im aufgeführten Stück «Asicht und Ussicht» geht es um den Oltner Mittwoch-Klubb, der sich 1868 dafür starkgemacht hatte, dass die Zielemp-Burg teilweise abgerissen wurde und damit die Altstadt Oltens auf der Nordseite eine Öffnung erhielt.

Ein Bahnpionier als treibende Kraft

Niklaus Riggenbach, Maschinenmeister und Chef der neuen Hauptwerkstätte der Centralbahn in Olten sowie unter anderem Erbauer der Zahnradbahn auf die Rigi, initiierte in der Folge den Wiederaufbau des Schlösslis auf der Vorderen Wartburg als eine Art Wiedergutmachung – dort, wo die Familie Säli während mehr als zweihundert Jahren in Erbfolge das Amt des Feuerwächters ausgeübt hatte.

Riggenbach und der Arzt Adolf Christen vermochten ihre Kollegen im nun Säli-Klubb genannten Verein zu überzeugen und zur Mitfinanzierung bewegen – am 9. November 1870 konnte das poetisch-romantisch anmutende Schlösschen eingeweiht werden. Der Stil des Gebäudes kam übrigens nicht überall gut an, im Gegenteil.

Vor allem Historiker und Burgenleute hielten nicht mit Kritik zurück, verspotteten das Bauwerk als «etwas vom Geschmacklosesten» und forderten gar dessen Abbruch und einen Wiederaufbau in der Form der vorherigen Feuerwache.

Das Freilichttheater erzählt von derartigen Meinungsverschiedenheiten, von der Aufbruchstimmung im 19. Jahrhundert, von Riggenbachs Ideen und Visionen, von den politischen und religiösen Ansichten jener Zeit.

Als Schauplätze dienen dabei sowohl die Mauerreste der Alt-Wartburg wie die Sälischlössli-Dachterrasse, wo auch die Rundum-Aussicht ebenfalls zum Thema wird. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben damit den Bau des Sälischlössli aus verschiedenen Blickwinkeln.

Historisches und Kulinarisches vereint

Für die historischen Grundlagen des Stücks konnte Autor Nicolas Russi auf zahlreiche Dokumente im Oltner Stadtarchiv sowie auf verschiedene Beiträge in den Oltner Neujahrsblättern zurückgreifen. Und stiess dabei auf interessante wie auch originelle Fakten.

Wer wusste beispielsweise, dass Riggenbach für die vier Ecktürmchen ausgediente Dampfkessel aus der Bahnwerkstätte einsetzte? Oder dass der Zugang zum Sälischlössli einst auf der Südseite angelegt war? Und was haben Familien-Namen wie Sarasin und Merian aus dem sogenannten Basler Daigg mit dem Sälischlössli zu tun?

Die mehrteilige Inszenierung von «Asicht und Ussicht» wird kombiniert mit einem dreigängigen Menü. Deshalb gibt es pro Vorstellung nur 50 Tickets – einerseits aus Platzgründen im Restaurant, anderseits wegen der Schlechtwettervariante.

Bei Regenwetter oder zu starkem Wind muss in den Rittersaal ausgewichen werden, wo dasselbe Stück in einer Kammer-Version aufgeführt wird. Geplant sind insgesamt 16 Vorstellungen, mehrheitlich am Mittwoch und Donnerstag. Lediglich die Premiere am 29. Mai 2020 und die letzte Aufführung am 21. August 2020 sind auf einen Freitag angesetzt. (mgt)

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