Das Ehepaar (gespielt von Fridolin Christ und Beatrice Käser) plagen in Verona Alltagssorgen und finanzielle Nöte, von Liebe ist 30 Jahre später nichts mehr zu spüren. Auch die verzogene Tochter Lucretia (gespielt von Colleen Fritschi) scheut keine Gelegenheit, ihre Verachtung für die Eltern auszudrücken. Die giftige Stimmung holt schliesslich den Dichter William Shakespeare aus dem Grab, der versucht, die Kontrolle über seine Figuren zurückzuholen.

Ausnahmsweise auf Hochdeutsch
Schon vor vielen Jahren wollte die Dramatische Gesellschaft Olten das Stück zur Aufführung bringen, sie löste sich dann allerdings auf. «Sie haben uns das Stück in die Hände gelegt», erklärt Beatrice Käser, die seit über 30 Jahren beim Heimatschutztheater Olten dabei ist.
Dass das Versprechen genau in diesem Jahr eingelöst wird, ist kein Zufall: Das Heimatschutztheater führte das Stück vergangenen Sonntag speziell zum 70. Geburtstag eines Bekannten auf. Das Resultat der langen Vorbereitungen und der regelmässigen Proben seit vergangenem August sollte aber auch der Öffentlichkeit vorgeführt werden, erzählt Käser.
Für das Heimatschutztheater Olten ist das Stück aussergewöhnlich, da es auf Hochdeutsch vorgetragen wird. Die Statuten der Gruppe sehen eigentlich schweizerdeutsche Stücke vor. Allerdings passe Hochdeutsch besser zu Shakespeare, so Käser, und eine schweizerdeutsche Fassung existiert nicht.

«Das haben sie verinnerlicht»
Das stellt nicht nur die Gruppe, sondern auch den Regisseur Urs Mühlethaler vor neue Herausforderungen: Der freischaffende Regisseur und Schauspieler spielte vor rund 30 Jahren selbst die Rolle des Romeo und inszenierte dieses Stück bereits mit dem Theaterfreikurs Solothurn. Das Heimatschutztheater musste an der Sprache feilen. «Ich habe viel Wert darauf gelegt, dass die Schauspieler die Sätze in hochdeutscher und nicht in schweizerdeutscher Weise betonen», erklärt Mühlethaler. «Das haben sie sehr schön verinnerlicht», lobt er die Gruppe.

Trotz der zusätzlichen Herausforderung sind die Spieler von ihren Rollen begeistert. «Ich habe noch selten eine Rolle so gern gespielt», sagt Colleen Fritschi strahlend über Lucretia. «Ich bin schon noch gern frech, aber privat überhaupt nicht so.» Auch Heidi Spring, die Julias Amme spielt, ist im Privaten weniger frech als in der Rolle. Als sie vor zehn Jahren den Text zum ersten Mal sah, fand sie, die Rolle passe überhaupt nicht zu ihr. «Ich war fast froh, dass wir es damals nicht aufführten», resümiert sie. Mittlerweile hat sie viel Freude an ihrer Rolle. «Das braucht bei mir manchmal etwas Zeit», sagt sie lachend.

Theater im kleinen Rahmen
Bis vergangenes Jahr spielte das Heimatschutztheater im Stadttheater vor jeweils 500 Leuten. Nach einem grossen Defizit tritt die Gruppe nun im Theaterstudio Olten auf, das Platz für 90 Zuschauer bietet. Der Ort passt zum Stück, findet Regisseur Mühlethaler: «Im Stadttheater hätte man die Bühne verkleinern müssen, zum Beispiel mit Seitenwänden.» Tatsächlich sind die Requisiten minimalistisch gehalten. Die Wohnungseinrichtung von Romeo und Julia steht vor schwarzen Vorhängen. Entsprechend entsteht ein intimer Rahmen, in dem die Leistung der Schauspieler umso besser zur Geltung kommt.

Aufführungsdaten am 28., 29. und 30. März um 20 Uhr im Theaterstudio Olten. Vorverkauf unter www.eventfrog.ch