Hägendorf

Burger und Pommes statt Schlittschuhe: EHC-Olten Profi startet mit seinem Food Truck durch

«Shiggy’s – Eat n More» war der Anfang zu Roman Schilds Gastrokarriere.

«Shiggy’s – Eat n More» war der Anfang zu Roman Schilds Gastrokarriere.

Wie der EHC-Olten-Profi Roman Schild den Sprung in die Gastrobranche schaffte, nachdem er das Sportgerät an den Nagel hängen musste. Alles begann mit einem harmlosen Check.

2014 musste der frühere EHC-Olten-Profi Roman Schild wegen einer vermeintlich leichten Gehirnerschütterung seine Karriere beenden. Nach einer schwierigen Phase hat er jetzt wieder Fuss gefasst. Mit seinem Food Truck und vielen weiteren Ideen will er den Allerheiligenberg «rocken».

Wer seit Mitte Mai an einem Wochenende oder Feiertag auf dem Allerheiligenberg oberhalb von Hägendorf war, ist mit grösster Wahrscheinlichkeit dem Food Truck «Shiggy’s – Eat n More» von Roman Schild begegnet. Mit seinem Team ist der frühere EHC-Olten-Profi für die Bewirtschaftung der Aussenanlage des Lokals auf dem Allerheiligenberg verantwortlich. Das Restaurant selber wird nicht mehr betrieben.

Bereits an den ersten Tagen hatte Roman Schild, der seine Gäste in erster Linie mit Burgern verwöhnt, alle Hände voll zu tun. «Wir wurden fast schon überrannt», sagt er lachend. «Mit dem Food Truck sind wir bereits ans Limit gestossen.» Deshalb hat Roman Schild reagiert. An einer zweiten Ess-Station gibt es neu auch einen Fitnessteller sowie «Hörnli & Ghackets» als Alternative zu den Burgern.

Mit seinem Team ist der frühere EHC-Olten-Profi für die Bewirtschaftung der Aussenanlage des Lokals auf dem Allerheiligenberg verantwortlich.

Mit seinem Team ist der frühere EHC-Olten-Profi für die Bewirtschaftung der Aussenanlage des Lokals auf dem Allerheiligenberg verantwortlich.

Es wurde zur «never ending story»

Dass Roman Schild einen funktionierenden Gastrobetrieb aufziehen und Gäste bewirten kann, ist alles andere als selbstverständlich. Denn der mittlerweile 34-Jährige blickt auf eine lange Leidensgeschichte zurück. Angefangen hatte alles mit einem vermeintlich harmlosen Check. Ein Gegenspieler ist Roman Schild dabei auf den Hinterkopf gefallen. Die Partie spielte er noch zu Ende. «Erst in der Garderobe habe ich gemerkt, dass etwas nicht ganz stimmt», erinnert sich Schild an den Vorfall aus dem Jahr 2011.

Die Diagnose: Gehirnerschütterung. Nach ein paar Tagen hätte er wieder auf dem Eis stehen sollen. Hätte. Denn aus den paar Tagen wurde eine «never ending story», wie Roman Schild es nennt. «Mein Gehirn brauchte plötzlich viel mehr Energie, um Reize und Eindrücke zu verarbeiten. Ich bin daher viel schneller müde geworden und brauchte viel mehr Er­holung. Selbst der Alltag war für mich ermüdend», so Schild. Trotzdem kämpfte er für seine Rückkehr. Immer wieder kam er zu Einsätzen für den EHC Olten. Doch sein früheres Level erreichte er nicht mehr.

In dieser Phase begann er zu hadern. Besonders schwierig für ihn: Die Ärzte hatten keine Diagnose für das, was Roman Schild fehlte. Dies führte dazu, dass nicht alle sein Leiden ernst nahmen und ihn teilweise gar für einen Simulanten hielten. «Ich habe psychisch extrem gelitten. Der Leistungsdruck war da, meine eigenen Erwartungen hoch. Ich wollte meine Aufgabe als Leistungsträger erfüllen, doch meine Skorerwerte wurden immer schlechter. Es war ein schleichender Prozess, der mich innerlich zerfressen hat.»

Nach der Vorbereitung auf die Saison 2014/15 kam der Zusammenbruch. Plötzlich ging gar nichts mehr. An Eishockey war nicht mehr zu denken. Die Karriere von Roman Schild war zu Ende. Er versuchte, mit einem Studium an der Fachhochschule eine neue zweite Laufbahn zu lancieren. Doch das klappte nicht. Sein Körper streikte.

Meditation bringt die Wende

Mehrere Jahre kämpfe Roman Schild in der Folge mit Depressionen. Erst vor etwas mehr als einem Jahr fand er dank Meditation zurück in ein normales Leben. «Die Meditation war für mich ein Game Changer. So konnte ich mein Gleichgewicht wieder herstellen und habe gelernt, meine eigene Zukunft zu kreieren, statt in der Vergangenheit zu leben», beschreibt Roman Schild die Situation. Dass er nach seiner Sportkarriere in die Gastronomie einsteigt, ist kein Zufall. «Das einzige, was ich neben dem Sport richtig gerne gemacht habe, ist kochen», erzählt er.

Obwohl er keine klassische Kochausbildung und nie in der Branche gearbeitet hat, entschied er sich Mitte des letzten Jahres, einen Food Truck zu kaufen. Seine Feuertaufe erlebte Roman Schild mit «Shiggy’s – Eat n More» an der Fasnacht in Olten im vergangenen Februar. Und die war ein voller Erfolg. «Ich habe sehr viel gutes Feedback erhalten und es gab wei­tere Anfragen für Caterings an Events. Diese sind dann jedoch wegen Corona alle storniert worden», so Schild.

Die perfekte Lösung gefunden

Daher kam die Anfrage für den Betrieb auf dem Allerheiligenberg genau richtig. «Für mich passt es perfekt. Ich kann ­meiner zweiten Leidenschaft nachgehen und habe trotzdem genügend Erholung für meinen Körper, da ich nur an den Wochenenden und Feiertagen arbeite», freut sich Schild. Und der Jungunternehmer, der von Familie und Freunden tatkräftig unterstützt wird, hat noch viele weitere Ideen auf Lager.

So findet beispielsweise am Samstag die erste «Day Party» mit DJ auf dem Allerheiligenberg statt. «Der Ort ist primär bei Wanderern bekannt. Diese verlassen den Berg jedoch meist um vier oder fünf Uhr. Die tolle Abendstimmung verpassen sie also. So ist die Idee der Day Party entstanden: Wir wollen mit diesem Angebot junge Leute zu uns holen, die bei tollem Ambiente, Drinks und Musik eine schöne Zeit verbringen und in die Nacht hinein feiern wollen.»

Hinweis: Die Day Party «Shiggy Boooom» auf dem Allerheiligenberg findet am Samstag von 14 bis 22 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Für die Party wurde ein Corona-Schutzkonzept erarbeitet.

Meistgesehen

Artboard 1