«Z Bämbel», sagt Erna Tribelhorn (92) auf die Frage, wo sie vor ihrem Eintritt ins Seniorenzentrum Gritt gelebt habe. Für Nichtbaselbieter: Bennwil. Das ist schon ein ordentliches Stück Weg vom Allerheiligenberg entfernt. Über mangelnden Besuch beklagt sie sich aber nicht. Ihre langjährigen Bekannten würden sie auch hier oben besuchen, ihre Tochter komme zweimal in der Woche – mit dem öV.

Ob sie sich freue, im Februar 2014 in den Neubau in Niederdorf zu ziehen? – «Also ich muss sagen, ich würde lieber hier bleiben. Wegen der Landschaft.» Eine Kritik richtet sie an die Architekten der Klinik: Ihr Zimmer hat zwar ein riesiges Fenster Richtung Alpen, aber der dicke Balken zwischen den Scheiben ist genau auf Augenhöhe, wenn sie auf dem Bett oder am Tisch sitzt.

Berge mitnehmen

Die Fernsicht hat es auch Rita Nägelin (85) aus Oberdorf angetan, die im Frühling ins «Gritt» auf dem Allerheiligenberg eingetreten ist. Sie schätzt es, dass sie hier mit dem Rollator auch draussen spazieren kann. «Ich sagte unserem Zentrumsleiter, Herrn Dill: Die Berge nehmen wir mit, wenn wir wieder nach unten zügeln», schmunzelt sie. «Mir gefällt es hier oben. Ich hatte nie das Gefühl, ich sei im Spital.»

Nur mit dem Lift habe sie anfänglich Orientierungsschwierigkeiten gehabt. Und sie bedauert, dass der Balkon vor ihrem Zimmer mit einer Schwelle abgetrennt ist, die sie mit dem Rollator nicht allein überwinden kann. Auch Rita Nägelin bestätigt, dass sie auf dem Berg durchaus Besuch erhalte, wenn auch vielleicht etwas weniger häufig, als es im Dorf unten der Fall wäre.

Weniger WC, mehr Bewegung

«Fast alle Bewohner/-innen sind zufrieden», erklärt der stellvertretende Stationsleiter Aziz Mir. «Einige sagen, die Kinder kämen nur wegen der Aussicht. Die ist ja wirklich grandios.» Er selbst kommt aus Liestal: Mit dem Auto bis Niederdorf, dann mit dem Shuttlebus des Gritt auf den Allerheiligenberg. Für den ganzen Arbeitsweg brauche er jetzt eine gute halbe Stunde. «Die Zimmer könnten praktischer sein», meint er auf die entsprechende Frage. «Es wäre einfacher, wenn jedes Zimmer ein WC hätte. Aber das hat auch eine positive Seite: Sie müssen sich dann mehr bewegen.»

Baulich seien nicht alle Voraussetzungen optimal für den Heimbetrieb, erklärt uns Franziska Laich (Langenbruck), seit 4 Jahren Leiterin Betreuung und Pflege im Gritt. Das lasse sich aber mit technischen Hilfsmitteln verbessern. Es brauche Kompromisse.

Der längere Arbeitsweg des Personals werde vom Heim teilweise als Arbeitszeit vergütet. Eine Bewohnerin aus der Stadt Basel vermisse ab und zu das «Drämmli». Immerhin biete das Heim Fahrten mit dem Shuttlebus zum Einkaufen an; der Gäupark sei beliebt. Am beschwerlichsten sei die räumliche Distanz für Ehepartner, die noch selbstständig im Tal wohnten.

Besser als mobile Baute

Nach zwei Jahren Erfahrung sagt Franziska Laich überzeugt: «Der Entscheid, auf den Berg zu zügeln, war hundertmal besser, als neben der Baustelle eine mobile Baute aufzustellen.» Warum? «Wohnen in diesem gemauerten Haus, das eine Geschichte hat, schafft eine ganz andere Atmosphäre.» Dazu kommt die gute Luft: «Wir brauchen eindeutig sehr viel weniger Sauerstoff.» Bewohner und Personal schätzten die schöne Umgebung. Nicht nur im Sommer: «Wenn es Schnee hat, ist es traumhaft.»

«Viele Leute schlafen auf dieser Höhe besser», erklärt Zentrumsleiter Ernst Dill. Er bestätigt, was bald nach dem Umzug auf den Allerheiligenberg durchgesickert war: Viele Gritt-Bewohner konnten in der Pflegestufe zurückgestuft werden. «Das waren nicht nur Einzelfälle, sondern ein grosser Teil – auch wenn das für uns weniger Einnahmen bedeutet hat.»

Dill erinnert sich, wie die erste Reaktion auf seine Umzugs-Idee getönt hatte: «Spinnst du eigentlich?» Mit viel Geschick und kreativen Ideen gelang es ihm, Stiftungsrat, Mitarbeitende und Bewohner dafür zu begeistern. Die Alternative wäre ein vierjähriges Provisorium neben der Baustelle gewesen. Es wurde ein Erfolg: «Die schöne Lage und die Aussicht kompensiert manche Schwierigkeit.» Jetzt gebe es Vorfreude auf den Neubau, aber auch Bedauern für den Abschied vom Hägendörfer «Berg».