Olten

Bei einem Rückbau des Krematoriums dürften Bestattungskosten deutlich steigen

Krematorium: Rückbau oder Erneuerung der Infrastruktur? Am 24. September stellt das Gemeindeparlament die Weichen.

Krematorium: Rückbau oder Erneuerung der Infrastruktur? Am 24. September stellt das Gemeindeparlament die Weichen.

Der Stadtrat von Olten möchte das Krematorium rückbauen; am 24. September fällt das Gemeindeparlament einen Richtungsentscheid.

Rund 1000 Verstorbene werden jährlich im städtischen Krematorium im Oltner Meisenhard eingeäschert. Die Mehrzahl betrifft auswärtige Verstorbene. In etwa ein Fünftel der Einäscherungen fallen auf Verstorbene aus Olten und Starrkirch-Wil. Deren Kremation wird in Olten mit 250 bis 500 Franken für Erwachsene veranschlagt (derzeit rund 270 Franken), die Einäscherung auswärtiger Erwachsener schlägt mit 500 bis 1000 Franken (derzeit rund 540 Franken) zu Buch.

Kein Szenario ausser dem radikalsten überzeugte

Nun beabsichtigt der Stadtrat von Olten die Stilllegung und den Rückbau des Krematoriums im Meisenhard für rund 500’000 Franken. Mehrere Szenarien hatte die Exekutive prüfen lassen, keines von ihnen, sieht man mal vom Rückbau und der definitiven Verabschiedung vom Krematorium ab, konnte die Exekutive letztlich überzeugen. Eine Minimalvariante an notwendigen Neuerungen wurde mit 620’000 Franken veranschlagt. Haken an der Sache: Damit würden keine massgebenden Behebungen der aktuellen Defizite zu erreichen sein.

In einer zweiten Variante prüfte der Stadtrat auch die Erneuerung des Ofens sowie dessen Betriebsart (Gas oder Elektrizität). Fazit: Für die Neuerstellung und den Unterhalt würden bei einer Laufzeit von 15 Jahren für die Stadt Kosten zwischen 2,81 und 3,48 Mio. Franken anfallen. Zwar räumt der Stadtrat ein, dass ein wirtschaftlicher Betrieb in Olten durchaus denkbar sei. Dies setze aber eine Erhöhung der Gebühren und eine aktivere Bewirtschaftung sowie eine gute Infrastruktur für die Bestattungsunternehmen voraus, damit die Anzahl der Kremationen deutlich erhöht werden könne.

Trotz allem: Zu teuer für das offizielle Olten. Denn, so der Stadtrat, die notwendige Erneuerung erfordere «Investitionen in eine Infrastruktur, für welche ausreichende Angebote in der Umgebung vorhanden sind». Beim ausreichenden Angebote in der Umgebung macht der Stadtrat von Olten etwa dasjenige in Aarau und Langenthal aus. Solothurn und Basel kämen hinzu.

Vor vier Jahren hatte die benachbarte Aargauische Kantonshauptstadt einem Kredit über gut 3,5 Mio. Franken zugestimmt und eine zweite Ofenlinie eingerichtet. Damit verfügt Aarau über umfangreiche Kapazitäten. Die Preise für eine Kremation auswärtiger Erwachsener liegen dort bei 570, in Langenthal bei 600 Franken. Die Preise verstehen sich inklusive Standardurne.

Bestattungskosten steigen deutlich an

Für die regionalen Bestattungsinstitute steht fest, dass sich mit dem stadträtlichen Vorhaben die Bestattungskosten deutlich nach oben schrauben werden. Nicht nur wegen der höheren Kremationsgebühren auswärts, die für Einheimische nun nicht mehr subventioniert würden. «Schwierig zu sagen um wie viel», erklärt etwa Gina Born von gleichnamigen Oltner Bestattungsunternehmen auf Anfrage. «Solange wir nicht wissen, ob allenfalls mögliche Verträge zwischen den Anbietern und der Stadt in Aussicht stehen, sowieso.»

Bevorzugt würde das Krematorium in Aarau, weil dieses wohl am schnellsten zu erreichen wäre. «In Stosszeiten ist die Achse Olten-Langenthal sicher mehr überlastet», mutmasst Gina Born. Aber Wege und dadurch Arbeitszeiten würden bestimmt länger werden, die Bestattung damit teurer.

Ins gleiche Horn stösst Astrid Stäbler-Wyss vom Bestattungsdienst Drei Tannen AG. «Sinnvoller und vorteilhafter wäre es wahrscheinlich, wenn man nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Kremationspreise in Olten neu und sauber berechnen und kostendeckend anheben würde», gibt sie auf Anfrage zu verstehen. Bei einer Schliessung des Krematoriums Olten wäre für die Hinterbliebenen eine freie und zeitliche Planung des Abschiednehmens, wenn überhaupt, nur noch sehr beschränkt möglich, so die Geschäftsführerin weiter. Aber: «Wie man sich auch entscheidet, wir werden weiterhin für die Menschen da sein, die uns brauchen, um ihnen einen respekt- und würdevollen Abschied, wenn immer möglich in Olten, zu garantieren.»

Parlament gibt die Richtung vor

Der Parlamentsentscheid vom 24. September über die vorgelegte Änderung des Reglements zum Bestattungs- und Friedhofswesen wird richtungsweisend. Entscheidet sich das Parlament gegen die Änderung, so wird der Stadtrat den Betrag für die Neuerstellung des Krematoriums ins Budget aufnehmen. «Folgt das Parlament dem stadträtlichen Antrag, kommt der Betrag von 500’000 Franken für dessen Rückbau ins Budget», klärt Stadtschreiber Markus Dietler auf.

Autor

urs huber

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