Olten

«Auf dem falschen Fuss erwischt»: Das sagt der Bouygues-Geschäftsführer über die vielen Kündigungen

Daniel Dähler am Bouygues-Sitz am Rötzmattweg in Olten, einem Minergie-P-Bau.

Daniel Dähler am Bouygues-Sitz am Rötzmattweg in Olten, einem Minergie-P-Bau.

Der neue regionale Bouygues-Geschäftsführer Daniel Dähler sagt, wie die Firma auf die gut orchestrierte Abwerbungsaktion des neuen Konkurrenten reagiert hat und welche Rolle der Standort Olten im Konzern spielt.

Der gebürtige Oltner Daniel Dähler (43) ist seit Anfang Jahr Geschäftsführer des regionalen Ablegers der Bouygues Energies & Services InTec Schweiz AG mit Sitz am Rötzmattweg in Olten. Zum hiesigen Standort – nach der Übernahme im August 2018 eine hundertprozentige Tochter des französischen Baukonzerns Bouygues Construction – gehören rund 140 Mitarbeiter und die weiteren Filialen in Däniken, Rothrist AG, Zuchwil und Langenthal BE. Die Firma, die von der Beratung über die Planung bis zur Ausführung alle Dienstleistungen im Bereich Gebäudetechnik aus einer Hand anbieten kann, hat turbulente Monate hinter sich: Der Berner Energiekonzern BKW gründete vergangenen Mai mit der AEK Build Tec AG mit Sitz in Rickenbach eine Firma, die im gleichen Segment tätig ist. Das Brisante dabei: Dählers Vorgänger Fredy Dubach wechselte zur neu gegründeten Konkurrenzfirma und mit ihm gleich zehn Kadermitarbeiter. Weitere Mitarbeiter sind ihm wegen der gut orchestrierten Abwerbungsaktion gefolgt.

Sie posteten gleich zum Start Ihres neuen Jobs bei Bouygues einen Artikel auf Facebook, wie man den Firmennamen richtig ausspricht. Wie häufig müssen Sie Kunden auf die richtige Ausdrucksweise hinweisen?
Daniel Dähler: Der Film hat das Problem erkannt, dass es für den Deutschschweizer nicht so einfach ist, den Namen «Buig» auszusprechen. Das Sympathische am Videoclip ist, dass wir uns selber auf die Schippe nehmen. In der Branche hat sich der Name Bouygues Energies & Services zwischenzeitlich gut verankert und ist ein Begriff; bei den Kunden müssen wir sicher noch mehr tun – und sind jetzt aber dran, auf verschiedenen Kanälen die Werbung zu verstärken.

Auf dem Platz Olten hat die Bouygues mit der AEK Build Tec AG einen neuen potenten Konkurrenten erhalten. Wie gehen Sie damit um?
Ich sehe fairen Wettbewerb grundsätzlich immer sportlich: Der Markt entscheidet, wer sich durchsetzen wird. Der Kunde profitiert letztlich davon und das ist gut so. Es gibt in meinen Augen auch Raum für weitere Mitbewerber. Wir sind uns zudem solche Marktkräfte gewohnt. Ich befürchte eher, dass mit der jetzigen Konstellation vor allem kleinere und mittlere Betriebe den Eingriff durch die BKW in den Markt spüren werden.

Das heisst, kleinere und mittlere Betriebe werden verschwinden?
Das hoffe ich nicht, ist aber kaum auszuschliessen. Guter und fairer Wettbewerb lebt gerade auch von den KMU.

Sie mussten vor Ihrem Antritt noch aus der Presse erfahren, dass nicht nur das Kader, sondern anscheinend auch weitere Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben in Richtung AEK Build Tec AG. Wie viele Mitarbeiter hat Bouygues inzwischen an die Konkurrenz verloren?
Das kann ich nicht genau abschätzen. Ich stelle einfach fest, dass die überwiegende Mehrheit der Angestellten der BKW-Tochter bis vor Kurzem bei uns gearbeitet hat. Für mich steht allerdings etwas anderes im Vordergrund: Wir konnten zwei Drittel unserer Belegschaft von über 200 Mitarbeitenden halten und bereits einen Grossteil der Vakanzen mit neuen Leuten besetzen.

Wie hat das Unternehmen auf die vielen Kündigungen reagiert?
Man muss gestehen, das System der offensichtlichen Abwerbung war gut vorbereitet. Wir sind anfangs auf dem falschen Fuss erwischt worden. Als Reaktion darauf haben wir schnell eine Task Force eingesetzt und mit den Mitarbeitenden, die noch nicht gekündet hatten, das Gespräch gesucht und ihnen den Mehrwert einer Anstellung bei Bouygues aufgezeigt.

Welche Massnahmen wurden ergriffen, um weitere Abwerbungen zu verhindern?
Ein ganz einfaches Rezept: Wir haben uns auf die verbleibenden Mitarbeitenden konzentriert und rasch Stabilität geschaffen. Nach der Kündigung meines Vorgängers ging die Nachfolgeregelung sehr schnell über die Bühne. Zudem kommunizierten wir rasch, dass wir an allen fünf Standorten in der Region Olten festhalten werden. In der Zwischenzeit wurde der Standort Olten sogar ge-stärkt: Alle Informatik-Dienstleistungen für die gesamte Nordwestschweiz wurden hier zusammengefasst und schaffen so für den Standort zehn neue Arbeitsplätze; auch das Business Development mit sechs Mitarbeitenden wurde nach Olten umgesiedelt. Damit konnten wir unsere Präsenz in der Region stärken und damit sicher ein Zeichen setzen.

Aus welchen Gründen sind die Mitarbeiter gegangen?
Da kann ich nur spekulieren. Vielleicht liegt es unter anderem daran, dass Bouygues vor der Übernahme wenig bekannt war in der Schweiz. Zudem bringt eine Übernahme immer etwas Unruhe ins System. Positiv ist: Diejenigen Mitarbeitenden, die uns treu geblieben sind, sind stolz, ein Teil der Bouygues-Familie zu sein.

Der Standort Olten hatte vor der Abwerbungsaktion der AEK Build Tec AG über 200 Mitarbeiter. Derzeit sind es wieder deren 140. Das heisst, die Rekrutierung ist noch nicht abgeschlossen.
Wir haben mit den rund 140 Mitarbeitenden bereits wieder ein tolles Team. Inzwischen ist auch das neue Kader komplett. Mit unserem neuesten Zugang Yves Kessler (Anmerkung der Redaktion: dem ehemaligen Geschäftsführer der Sanitär-Firma Saudan in Biberist) konnten wir unser Team nochmals massiv verstärken. Jetzt gibt es noch auf den unteren Stufen bei Projektleitern und leitenden Monteuren einzelne Lücken zu schliessen. Derzeit fangen jeden Monat fünf bis zehn neue Mitarbeitende an. Ziel ist es, dass wir mittelfristig gestärkt aus diesem Prozess kommen und noch kompetitiver und breiter aufgestellt sind.

Hinter dem neuen Konkurrenten AEK Build Tec AG steckt die BKW, die zu knapp 53 Prozent dem Kanton Bern gehört. Was sagen Sie dazu, dass ein halbstaatliches Unternehmen im Gebäudetechnik-Markt mitmischt?
Die Frage ist berechtigt, ob ein halbstaatliches Unternehmen den privaten Anbietern Konkurrenz machen soll. Vor allem dann, wenn kleinere und mittlere Betriebe die Leidtragenden sind. Diese Frage muss aber am Ende die Politik beantworten. Wir setzen uns für einen fairen Wettbewerb ein.

Zurück zur Bouygues E&S InTec Schweiz AG: Die Region Olten ist eine von über 100 Standorten von Bouygues Schweiz AG. Wie wichtig ist diese im Firmengeflecht mit rund 5500 Mitarbeitern?
Der Ursprung der «roten Atel» war der Kanton Solothurn. Somit haben wir einen kleinen symbolischen Sonderstatus. Als Top-20-Arbeitgeber im Kanton Solothurn mit insgesamt 430 Angestellten – hierzu zählen auch die Mitarbeitenden von Helion in Solothurn sowie Kummer+Matter und EnerTrans in Niedergösgen – ist die Region eine der wichtigsten der Schweiz.

Was haben Sie für eine Firmenkultur vorgefunden bei diesem Riesenkonzern mit weltweit 129'000 Mitarbeitern und 35,6 Milliarden Euro Umsatz?
Wir sind ein Familienunternehmen. Es geht nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern um nachhaltiges Wirtschaften. Hierbei wird sehr viel Wert auf den Mitarbeitenden gelegt. Das Thema Arbeitssicherheit und Gesundheit wird grossgeschrieben: Ziel ist es, Unfallzahlen auf ein Minimum reduzieren.

Wie steht das Verhältnis im Raum Olten zur einstigen Mutter Alpiq?
Sehr gut. Unser Anspruch ist, alle unsere Kunden mit einer hochqualitativen Leistung zu bedienen. Im Raum Olten gehört Alpiq zu unseren langjährigen und wichtigen Kunden. Diese Beziehung möchte ich weiterentwickeln.

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