«Es ist eine vertrackte Situation. Ich verstehe beide Seiten.» Marcel Strub ringt mit den Worten. Der kantonale Bieneninspektor sitzt in der Cafeteria des Bildungszentrums Wallierhof. Vor sich hat er einen Kaffee, durch die Fenster blickt er auf grüne Wiesen, Riedholz, im Hintergrund sind ganz schwach die Alpen zu sehen. Strub muss eine Empfehlung abgeben. Und er tut sich schwer damit.

Ein Baugesuch ist in Erlinsbach SO eingegangen. Für zwei Bienenwagen. Auf einem idyllischen Stück Land stehen die beiden Wagen des Obergösgers Felix Schneider. Er imkere schon sein ganzes Leben, erzählt der 51-Jährige. Über 300 Bienenvölker habe er, vom Niederamt bis ins Emmental. Auf dem erwähnten Stück Land habe sein Vater vor ihm schon Bienen gehabt. Er selber dann längere Zeit nicht mehr, erst seit 2016 hält er dort wieder Bienen. Neulich wurde er von der Bauverwaltung darauf aufmerksam gemacht, dass er für die beiden Wagen ein Baugesuch einreichen müsse, auch wenn das Land ihm gehöre (siehe unten). Dies hat er nun getan. Und das kommt nicht überall gut an.

«Das macht man einfach nicht»

80 Meter neben Schneiders Bienenwagen steht ein Bienenhaus. Halb hinter einer Waldecke versteckt, inmitten einer bunten Blumenwiese. Es summt um das Häuschen. Maria Pongratz und ihr Mann Ruedi Frey imkern dort seit 2013. Die beiden fürchten nun um ihre Bienen. «Zu viele Bienen auf engem Raum sind gefährlich», sagt Frey. Er spricht damit insbesondere die Sauerbrut an. Eine hochansteckende Bakterienkrankheit. Völker, die davon betroffen sind, müssen mit Schwefeldioxid ausgelöscht werden.

Maria Pongratz, Bienenzüchterin, Erlinsbach, und benachbarte illegale Bienenstände nahe ihren legalen Bienenvölkern nahe Breiten / Gugen in Erlinsbach SO.

Maria Pongratz neben ihrem Bienenhaus in Erlinsbach.

Aber auch um Futtervorkommnisse sorgen sich die beiden. «In guten Jahren ist das kein Problem», meint Pongratz. Doch in schlechten Jahren – so wie diesem, es war für die Bienen bisher zu kalt und zu nass – werde fehlendes Futter zu einem Problem. Sie zeigt auf einige Bienen, die direkt vor dem Häuschen ihre Runden drehen: «Das ist ein klassisches Zeichen dafür, dass es zu wenig Futter hat. Ansonsten würden sie zielstrebig hinaus- und auch wieder hineinfliegen.»

Und schliesslich bereitet ein dritter Umstand dem Ehepaar Kopfzerbrechen: Sie züchten in ihrem Häuschen Rassenbienen. Dieses Unterfangen müssten sie mit den anderen Bienenvölkern in unmittelbarer Nähe aufgeben. «Unter Imkerkollegen macht man das einfach nicht», findet Frey. «Wir erwarten von der Gemeinde und vom Bieneninspektorat, dass das Baugesuch zum Wohle der Bienen abgelehnt wird.»

Das sind Bedenken, die Felix Schneider nicht versteht: «Ich finde es schade, dass man so dumm tut.» Wegen jeder Kleinigkeit müsse man heutzutage ein Baugesuch einreichen. «Die Schweiz ist zu einem Bünzliland geworden.» Vor einer Seuchengefahr hat er keine Angst. Auch das Futterargument will er nicht gelten lassen. «Es hat zehn Hektare Raps rund herum. Ich weiss von Standorten, da sind an einem Ort bis zu 80 Völker.» Seine 44 Völker und die 16 des Ehepaars hätten problemlos Platz auf dieser Wiese in Erlinsbach, findet er. «Wenn man nicht einmal mehr auf einem Flecken Landwirtschaftsland Bienenhäuser aufstellen darf, wo dann?»

«Schwierige Entscheidung»

Damit zurück zu Marcel Strub. Sein Kaffee steht unangetastet vor ihm. Das Baugesuch, das der Kanton momentan prüft, muss er aus Imker-Sicht beurteilen. Nur eine Empfehlung gibt er ab, keinen Entscheid. Denn eine gesetzliche Grundlage, um Bienenhäuser aus Gründen des Tier- oder Seuchenschutzes zu verbieten, gibt es nicht. Was es gibt, sind Ratschläge des Bienenzüchterverbandes. 20 Völker pro Standort, lautet die Empfehlung. Dazwischen jeweils 300 Meter Abstand. Das soll sicherstellen, dass für die Bienen genügend Futter vorhanden ist.

Das sind aber eben nur Vorschläge. Ausserdem seien diese Ratschläge sehr allgemein gehalten, erklärt Strub. «Wie viele Bienenvölker es je Standort verträgt, ist sehr unterschiedlich. Das kommt sehr stark auf die Umgebung an.» So sei er neulich bei einem italienischen Imkerkollegen zu Besuch gewesen. Dieser habe 120 Völker zur Honiggewinnung an einem Standort gehalten. «Die haben alle gesund ausgesehen.» Das könne also durchaus funktionieren.

«Ich verstehe beide Seiten», wiederholt sich Strub. «Als Imker würde ich mich wie Frau Pongratz stören, wenn plötzlich jemand direkt nebenan ein Bienenhaus aufstellt. Aber ich verstehe auch Herrn Schneider, der auf seinem Stück Land Bienen halten will. Ein Hobby ist der Ort, an dem man noch frei ist. Im Job, im Verkehr, überall ist man in ein enges Korsett eingezwängt. Persönlich bin ich dagegen, Hobbys noch weiter gesetzlich einzuschränken.»

Aber dann sei er eben auch Bieneninspektor. Und in dieser Rolle sehe er durchaus Beispiele, wo Einschränkungen sinnvoll wären. So wünscht er sich zum Beispiel, dass jeder Imker eine entsprechende Ausbildung haben sollte. Für diesen Fall muss er nun eine Empfehlung abgeben. Wie diese ausfallen wird, dazu kann er sich aus Verfahrenstechnischen Gründen nicht äussern.