Annäherung

Zur Adressänderung ins Nachbardorf: Rohr verlegt Einwohnerkontrolle nach Stüsslingen

Blick auf Rohr: Ab Sommer rückt die Einwohnerkontrolle wieder näher ans Dorf und die Bewohner müssen nicht mehr nach Niedergösgen.

Blick auf Rohr: Ab Sommer rückt die Einwohnerkontrolle wieder näher ans Dorf und die Bewohner müssen nicht mehr nach Niedergösgen.

Die Gemeinde Rohr verlegt ihre Einwohnerkontrolle von Niedergösgen nach Stüsslingen. Dass der Fusionsgedanke bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt hat, gibt Gemeindepräsident André Wyss offen zu.

An- und Abmeldung, Adressänderungen, Bestellung von Ausweispapieren, Beglaubigungen – für diese Formalitäten müssen die Einwohnerinnen und Einwohner von Rohr nach Niedergösgen.

Denn die Gemeinde mit ihren knapp 100 Bewohnern ist viel zu klein, als dass sie diese Dienstleistungen im erforderlichen Umfang selber anbieten könnte. Daher hat diese Aufgabe in den vergangenen acht Jahren die Niedergösger Einwohnerkontrolle übernommen.

Im Sommer soll sich das ändern. Ab 1. Juli 2018 ist Stüsslingen die neue Anlaufstelle für die Rohrer Bevölkerung. «Das hat zum einen mit der Nähe und der engeren Verbundenheit zu Stüsslingen zu tun», sagt Gemeindepräsident André Wyss. Zudem arbeiten beide Gemeinden schon heute sehr eng zusammen, etwa im Bereich Schule oder Abfallentsorgung.

Auch die Ortsplanungsrevision gehen sie gemeinsam an, ebenso das bevorstehende Projekt «start.integration», welches für eine kleine Gemeinde wie Rohr im Alleingang nur schwer umsetzbar wäre. «Es macht Sinn, auch in diesem Bereich mit Stüsslingen zusammenzuarbeiten», sagt Wyss im Hinblick auf die Einwohnerkontrolle.

Geringer Mehraufwand

Das bestätigt auch Georges Gehriger, Gemeindepräsident von Stüsslingen. «Die Rohrer gehen hier zur Schule und sind Mitglied in hiesigen Vereinen. Man kennt sich also.» Stüsslingen sei daher für die Nachbargemeinde so etwas wie ein Dreh- und Angelpunkt.

Die Verwaltung in Stüsslingen ist nicht ganz so gross wie jene in Niedergösgen. Der administrative Mehraufwand falle aber angesichts der tiefen Einwohnerzahl Rohrs nicht ins Gewicht, erklärt Gehriger. Ohnehin wurde das Pensum auf der Einwohnerkontrolle der Gemeindeverwaltung von Stüsslingen erst gerade um 10 Stellenprozente erhöht. Und ab kommendem Sommer möchte die Gemeinde auch erstmals einen Lernenden ausbilden, womit die Stüsslinger Verwaltung über ausreichend Ressourcen verfügen sollte.

Neue Anlaufstelle für Rohr wird die Gemeindeverwaltung in Stüsslingen.

Neue Anlaufstelle für Rohr wird die Gemeindeverwaltung in Stüsslingen.  

Kein Spareffekt

Abgegolten werden die Dienste der Einwohnerkontrolle für Rohr mit einer Grundpauschale. Diese bewegt sich laut Gehriger «im tiefen vierstelligen Bereich» pro Jahr und entspricht exakt dem, was auch Niedergösgen für seine Dienstleistungen bisher erhalten hat. Ein Spareffekt ergibt sich für Rohr dadurch nicht.

Für die Einwohner von Rohr ändert sich ab dem 1. Juli 2018 wenig. Die Dienstleistungen sind dieselben wie in Niedergösgen. Die Schalteröffnungszeiten sind zwar nicht mehr die gleichen, dafür fällt der Anfahrtsweg kürzer aus, was gemäss André Wyss einer Verbesserung der Dienstleistung gleichkommt.

Beide Gemeindepräsidenten beteuern ausdrücklich, dass der Entscheid einer Verlegung der Einwohnerkontrolle nicht gegen Niedergösgen gerichtet sei. «Wir sind der Gemeinde Niedergösgen dankbar, dass sie diese Dienstleistungen in den letzten Jahren für die Gemeinde Rohr immer professionell und unkompliziert ausgeführt hat», betont André Wyss. Den Service habe man stets als sehr gut empfunden.

Mit oder ohne Gemeindefusion

Warum Stüsslingen nicht schon von Anfang an die Einwohnerkontrolle von Rohr übernommen hat, kann er nicht sagen. «Da erhält man je nachdem, wen man fragt, eine andere Antwort», sagt er. Seit seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten 2015 sei er im Dorf schon häufiger darauf angesprochen worden. Doch letztlich sei dies für den Entscheid des Gemeinderates auch nicht relevant gewesen. «Der Blick in die Zukunft ist wichtiger, als der in die Vergangenheit», so Wyss.

Diese Zukunft könnte auch eine Fusion von Stüsslingen und Rohr beinhalten. In beiden Gemeinden befasst man sich bereits seit längerem mit diesem Szenario. Die Verlegung der Einwohnerkontrolle nach Stüsslingen ist aber nicht unbedingt als Vorbote eines Zusammenschlusses zu verstehen. Es gehe nicht darum, vollendete Tatsachen zu schaffen, sondern lediglich um eine von mehreren gemeinsamen Massnahmen, welche für die beiden Gemeinden – nicht nur im Hinblick auf eine mögliche Gemeindefusion – sinnvoll sind.

Der Fusionsgedanke habe bei der Verlegung der Einwohnerkontrolle zwar durchaus eine Rolle gespielt, gibt André Wyss offen zu. «Ich gehe aber davon aus, dass die Verlegung der Einwohnerkontrolle auch ohne mögliche Fusion früher oder später umgesetzt worden wäre.»

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