Das Landhaus in Starrkirch-Wil ist seit Mai zu vermieten, die Fähre in Dulliken und der Löwen in Erlinsbach warten beide seit September auf einen neuen Mieter, und das Restaurant Rütli in Starrkirch-Wil ist seit Juli zum Verkauf ausgeschrieben.

Letzteres zeigt, wie schwierig es momentan in der Gastroszene ist, eine Beiz loszuwerden. Denn der anfängliche Preis des Lokals wurde um eine viertel Million Franken reduziert. Statt 1 100'000 Franken ist das Steakhouse mittlerweile für 850'000 Franken zu haben.

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«Fälle wie diese sehe ich relativ viel», erklärt Peter Oesch, Präsident von Gastro Solothurn. Der Verband steht den Wirten im Kanton beratend zur Seite. Beim Verkauf beachten viele Wirte nicht, dass zu ihrem verlangten Preis für den Käufer zusätzlich noch hohe Investitionskosten dazukommen. «Sanitäre Anlagen, die Küche, technische Aspekte, die Energieeffizienz der Geräte – in vielen Restaurants sind diese nicht mehr auf dem neusten Stand», so Oesch.

Ohne dies miteinzuberechnen, verlangen Wirte daher oft zu viel für ihre Betriebe. Oesch empfiehlt, auch die Gegenseite zu betrachten: «Man muss als Verkäufer versuchen, sich in die Situation des Käufers zu versetzen, und sich fragen, ob man nicht zu viel Geld verlangt.»

Besonders für Junge schwierig

Ausserdem sei es – besonders für junge Unternehmer – sehr schwierig, für ein Restaurant einen Kredit aufzunehmen. «Man muss der Bank, wenn man überhaupt eine findet, mindestens einen Drittel des Preises bringen können. Für Junge ist das praktisch unmöglich», sagt Oesch. Ein hoher Verkaufspreis erschwert die Kreditaufnahme noch stärker und schreckt dadurch auch viele Interessenten ab.

Denn, wie Oesch betont: «Man sollte sich durch den Kauf eines Betriebs nicht zu sehr verschulden.» Als Faustregel nennt er, dass es möglich sein sollte, die gemachten Schulden durch den Umsatz eines Jahres wieder zu decken. Gibt man also, wie im Beispiel Rütli, den Originalpreis von 1'100'000 Franken aus, müsste man in einem Jahr im Extremfall die selbe Summe umsetzen können. Auf 250 bis 300 offene Tage gerechnet ergibt dies einen täglichen Umsatz von 3600 bis 4400 Franken – praktisch unmöglich, wie Oesch erklärt. Beim neuen Preis von 850'000 Franken müssten täglich rund 2800 bis 3400 Franken eingenommen werden.

Ländliche Beizen leiden

Doch der Preis ist nicht das einzige Kriterium, das es Besitzern erschwert, ihre Betriebe zu verkaufen oder vermieten. Der Erfolg des Lokals, bevor es ausgeschrieben wird, ist ein wichtiger Faktor. Schliesst ein Restaurant, weil es wenig Kundschaft hat, ist es schwieriger, dieses loszuwerden. Auch der Standort ist wichtig: «Die Lage spielt eine grosse Rolle. Je besser der Standort, desto teurer kann ein Restaurant sein», erklärt Oesch. Besonders Landbeizen leiden darunter. Schliesst eine solche, kommt es häufig gar nicht mehr zur Neueröffnung. «Sie bleiben dann einfach geschlossen», so Oesch. Dieses Phänomen sei in den letzten zehn Jahren immer häufiger zu beobachten gewesen.