Niederamt

Wenn «s’Kaffi über d’Gass» zur Rarität wird

Auf der Suche nach jenen Orten, wo sich im Niederamt der Morgenkaffee trotz Coronakrise geniessen lässt.

Die Bise bläst kalt durchs Niederamt. Das Coronavirus entfaltet auch auf den Strassen seine Wirkung und es fährt sich deutlich entspannter durch die Gegend als auch schon. Ich frage mich gerade, wo sich alle, die auch jetzt da draussen am Arbeiten sind, noch ein warmes Getränk gönnen können. Denn seit Tagen sind die Restaurants geschlossen. In Gretzenbach fahre ich bei der Bäckerei Maier vor, wo sonst um 9 Uhr das Café mit 70 Plätzen eigentlich immer gut frequentiert ist. Hier gibt es in «normalen» Tagen nicht nur Kaffees in allen Varianten, sondern es lässt sich mit «Muntermacher- und Vital-Frühstück» oder «Lady-Fit» gleich vollumfänglich frühstücken.

Doch bereits vor der Filiale der Laufenburger Bäckerei-Kette lassen Absperrbänder rund um die chillige Aussenbestuhlung nichts Gutes ahnen. Auch im Laden, der im Gegensatz zum Café noch geöffnet hat, heisst es Abstand halten, die Maximalanzahl an Kunden zu beachten und sich zu desinfizieren. Mit einem Kaffee im Café ist sicher mal nichts, wie Verkäuferin Valerie Zumstein abwinkt. «Zuerst mussten wir die 70 Plätze auf 50 reduzieren, nun ist es geschlossen bis sicher 19. April.» Ein Kaffee «über die Gasse» ist aber möglich und wird noch gut 5 bis 10 mal pro Morgen verlangt. Und tatsächlich kommt schon bald mit Nenad Ivanovic ein Lastwagenchauffeur aus Thalheim, der sich ein Brötchen und einen warmen Kaffee gönnt. Trinken wird er ihn, da drinnen nicht ja nicht erlaubt, gleich im Truck. «Wenn ich Zeit habe, gönne ich mir das jeweils kurz», meint der Chauffeur, der bereits wieder eingestiegen ist. «Zum Glück ist dies immer noch an Tankstellen oder wie hier möglich», höre ich ihn noch sagen, und schon biegt der Truck wieder auf die Oltnerstrasse ein. Wäre das Café geöffnet, läge der Umsatz alleine an diesem Morgen bei über hundert Kaffees.

Auf der Fahrt nach Olten sehe ich auch vor der Shell-Tankstelle mit Migrolino-Shop in Däniken zwei Frauen, die sich vor dem Shop bei Kaffee unterhalten. Es sind Dora Horath aus Däniken und Chregi Höltschi aus Gretzenbach. Mit gutem Abstand stehen sie hier an der frischen Luft – mit der Sonne im Gesicht und der Bise im Rücken. Sie lassen sich vom Virus nicht entmutigen und machen eine kurze Pause, nachdem die beiden Freundinnen für einen Senior die Wäsche abgeholt haben und für ein älteres Paar einkaufen gegangen sind. «Sonst würden wir im Restaurant einen Kaffee trinken, aber jetzt ist ja alles zu», tönt es unisono. Der unangenehme Wind ist den Damen egal, viel zu sehr sind sie in ihre Gespräche vertieft, trinken ihren Kaffee mit Bretzel und vergessen dabei ganz, wieso sie eigentlich gerade da draussen stehen müssen.

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