Hauenstein-Ifenthal

Wappen aus dem Ersten Weltkrieg bekommen ihre Farben zurück

Die stark verwitterten Reliefs entlang der Südstrasse zur Belchenflueh werden aufgefrischt, ohne die Spuren der Zeit zu tilgen.

Wer von der Challhöchi aus zur Belchenfluh marschiert, entdeckt in den Felspartien der Südstrasse die Hoheitszeichen verschiedener Kantone: Unter anderem flankiert etwa einen Meter über dem Weg ein Löwe mit Schwert ein Zürcher Banner, auf Strassenniveau sind ein Baselbieterstab und daneben das Schild des Aargaus eingelassen, an einer glatten Felswand prangt schwer und mächtig ein Berner Bär. Bilder einer vergangenen Epoche.

Christoph Rast (69) kennt die Wappen ganz genau. Seit Jahren befasst sich der ehemalige Stadtbibliothekar von Olten mit den Überresten der Fortifikation Hauenstein. Anlässlich des Ersten Weltkrieges wurde dieses 48 Kilometer lange Festungsbauwerk rund um Olten angelegt, um einen gegnerischen Vorstoss ins Mittelland abzuwehren. Die ab August 1914 im Dreischicht-Betrieb vorangetriebenen Verteidigungsbauten waren für die diensttuenden Soldaten mit grossen Strapazen verbunden. Schlechtes Wetter ab Herbst 1914 und ein schneereicher Winter 1916 zehrten an den Kräften. Auf den glatten Felswänden entlang der Südstrasse dokumentierten die Truppen ihre Herkunft.

Über die Entstehung der Wappen ist wenig bekannt. Mit Ausnahme der «Schluss-Inschrift», die an die Fortifikation als Ganzes erinnert, entstanden die Kantonswappen grossmehrheitlich zu Beginn des Krieges in den Jahren 1914 und 1915. Die unterschiedliche Qualität ist offensichtlich: «Truppen aus reichen Kantonen wie Bern oder Zürich liessen professionelle, zivile Steinmetze arbeiten», erklärt Rast. «Ärmere Kantone wie das Tessin mussten sich mit mehr oder weniger geschickten Angehörigen ihrer aufgebotenen Füsilier-Bataillone oder Sappeur-Kompanien begnügen.» Welches Wappen zuerst da war und in welcher Reihenfolge die anderen entstanden, ist nicht bekannt. Inzwischen hat Rast ein Inventar erstellt und damit einen ersten Katalog der 19 bekannten Wappen und Inschriften geschaffen.

Vergangenes sichtbar machen, ohne wie neu auszusehen

Seit ihrer Entstehung sind die Wappen mehrfach restauriert worden, so 1936, 1951 und 1962 vom Schönenwerder Bildhauer Josef Kuhn, dann 1981 und 1997 vom Oltner Bildhauer Paul Nünlist. Seit dieser letzten Auffrischung sind nun 23 Jahre vergangen. Durch die Witterung sind inzwischen viele Farben bis zur Unkenntlichkeit ausgewaschen. Auch haben Frost und Hitze Steinplatten gesprengt oder Risse erzeugt. Um einer weiteren Zerstörung Einhalt zu gebieten, hat Rast nun eine Sanierungsaktion initiiert, in die auch Hans Dieter Jäggi von der Offiziersgesellschaft Olten involviert ist. Zwischen 15000 und 20000 Franken sind für die Instandstellung veranschlagt, für die noch Spenden gesammelt werden. Die Renovation soll behutsam erfolgen: «Bei den bisherigen Auffrischungen sahen die Wappen danach wie neugemacht aus. Das entspricht nicht mehr den heutigen denkmalpflegerischen Ansätzen. Man soll den Wappen ihr Alter ansehen», so Rast. Besitzer der Wappen sind die jeweiligen Grundeigentümer, meistens die Gemeinde Hägendorf.

Die Renovation wird in mehreren Arbeitsschritten erfolgen. Luciano Sutter, der beauftragte Steinmetz und Bildhauer aus Olten, wird zunächst die zu bemalende Oberfläche von Hand sanft reinigen. Dabei werden allfällige Farbreste entfernt und Risse mineralisch ausgefüllt. Wo nötig, werden Gravuren mit dem Schrifteisen nachgezogen. Danach wird die zum Original-Farbton passende Fassadenfarbe zweimal aufgetragen. Darüber eine Plexiglasscheibe als dauerhaften Schutz zu montieren wäre zwar für die Erhaltung von Vorteil, würde aber störend wirken. «Wir wollen nichts Neues hinzufügen, nur wieder sichtbar machen, was einst da war», erklärt Rast.

Eigentlich sollten die Arbeiten während dieses Sommers ausgeführt werden. «Wegen der momentanen Lage ist der Fahrplan jedoch nicht mehr klar», sagt Rast. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, dass die Wappen danach unter Denkmalschutz gestellt werden. «Die Südstrasse ist ein geschütztes Objekt, die Wappen sind es merkwürdigerweise nicht.» Die Zeit drängt, um dem fortschreitenden Zerfall der Fortifikation Hauenstein etwas Einhalt zu gebieten.

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