Lostorf

Vergangener Glanz wird wieder sichtbar: Ein Besuch auf der Baustelle im Schloss Wartenfels

Im Schloss Wartenfels ob Lostorf erhalten einige Räume ihre einstige Farbgebung von 1918 wieder zurück: Ein Besuch auf der Baustelle.

Peter André Bloch kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. «Wow, ist das schön geworden!» Der Präsident der Stiftung Schloss Wartenfels ist soeben in das Esszimmer eingetreten. Ein warmes Terracotta-Rot schimmert matt an den Wänden. Der Renaissance-Ofen und die Möbel sind mit Plastik abgedeckt. Man riecht noch die frische Farbe. Architekt Reto Esslinger vom Architekturbüro Robert und Esslinger aus Rickenbach SO weist in der Fensternische auf die älteren Farbschichten, die freigelegt wurden. Ob das Esszimmer in diesem Farbton bleibt, ist noch nicht sicher. «Vielleicht wird der Raum noch eine Spur dunkler, das bespreche ich noch mit dem Denkmalpfleger», erklärt der Baufachmann.
Die Sanierung der Innenräume ist eine weitere Etappe auf dem Weg, das Schloss Wartenfels umfassend instand zu stellen. 2009 wurde mit der Renovation der Aussenfassade begonnen, es folgten Arbeiten am Garten und der ältesten Hainbuchenallee der Schweiz. Hinter den 270 Jahre alten Bäumen liegt der Pavillon, welcher inzwischen auch die nötige Pflege erhalten hat. In den kommenden Wintermonaten arbeitet nun ein Team von Handwerkern an den Zimmern im Schlosstrakt.

Etwa 410000 Franken kosten die laufenden Arbeiten, die von der Stiftung Schloss Wartenfels geleitet werden. Bis nächsten Mai wird unter anderem dem Esszimmer, dem Bauernzimmer, dem Bischofs-Schlafzimmer und dem Pförtnerhaus wieder das einstige Farb-Interieur zurückgegeben. Dabei gehen Reto Esslinger und die ausführenden Handwerker behutsam vor. Auf Prunk hatte schon Architekt Heman verzichtet, der für den Schlossherrn Georg Meidinger nach dem Ersten Weltkrieg die erste General-Renovation ausführte (siehe Kasten). Mit Ausnahme der Barockdecke im heutigen Trauzimmer sind die Gemächer schlicht bis karg ausstaffiert. Die Möbel wie auch die prächtigen Öfen wurden von Georg und Hermine Meidinger aus Bauernhäusern, Kirchen und alten Gebäuden zusammengetragen. Die originale Wartenfels-Einrichtung ging durch die Vorbesitzer verloren.

Aussen Barock, Heimat- und Jugendstil im Innern

«Das besondere an Wartenfels ist, dass wir es mit einem Barockschloss zu tun haben, das mit Jugend- und Heimatstil modernisiert wurde», erklärt Bloch. «Unser Ziel ist nicht, einen Ursprungszustand wieder herzustellen, sondern jenen von 1918», ergänzt Esslinger. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche, sehr reichhaltige Farbgebung von 1918 unkenntlich oder teils sogar übermalt. So verschwand das Wandbild in der Eingangshalle unter neuem Verputz und kann auch heute nicht mehr hervorgeholt werden. In der Bauernstube, einen Stock unter dem Esszimmer, erhalten die zitronengelben Wände hingegen wieder ihre blauen Zierleisten. Auch hier ist Bloch begeistert: «Das ist sensationell!» Eine Malerin ist gerade damit beschäftigt, ihren Pinsel ganz ruhig einem Lineal entlang zu führen. Am Lineal sind kleines Holzklötzchen angebracht, um zur Wandoberfläche genügend Abstand zu wahren. Sie trägt eine Strickkappe, neben ihr surrt ein Wärmegebläse. Etwa fünfzehn Grad Celsius dürfte früher auch etwa die Raumtemperatur im Winter gewesen sein. Meidingers und ihre Nachfahren nutzten Wartenfels allerdings nur als Sommersitz.

An der Werkstatt am Eingang wurde der Verputz erneuert. Die Besucher gehen achtlos daran vorbei, ohne die Auffrischung zu bemerken. „Ziel einer guten Renovation ist, dass man sie nicht sieht,“ verrät Esslinger sein Arbeits-Credo. Nicht überall wird jedoch die Handschrift von Architekt Heman wieder sichtbar werden. Der Versuch, ein Ornament im ersten Stock des Pförtnerhäuschens wieder durchgängig anzubringen, scheiterte. «Als Referenz haben wir einen Streifen sichtbar gelassen», sagt Esslinger. Authentizität ist dabei zentral: «Wir erfinden nichts.» Alles muss schon zuvor vorhanden gewesen sein. Wertvolle Hilfe sind für Esslinger daher die historischen Fotos der Innenräume und die Pläne, nach denen Architekt Heman arbeitete.

Im nächsten Winter wird die Innenrenovation weitergehen, die Bloch weiterhin betreuen wird. «Ich bleibe Präsident des Stiftungsrates, bis die Phase der Sanierung abgeschlossen ist.» Arbeit gibt es noch genug: Das Schlafzimmer, die Küche und das Kaplangemach warten noch auf Pinsel und Spachtel.

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