Sicherheitsrisiko

Unbrauchbares Relikt: Die landwirtschaftliche Waage in Wisen könnte bald verschwinden

Hier wurde einst Vieh und Heu gewogen: Die landwirtschaftliche Brückenwaage an der Bushaltestelle «Sonne» in Wisen ist schon lange ausser Betrieb.

Hier wurde einst Vieh und Heu gewogen: Die landwirtschaftliche Brückenwaage an der Bushaltestelle «Sonne» in Wisen ist schon lange ausser Betrieb.

Wer in Wisen aus dem Bus steigt erblickt sie sofort: Die alte Brückenwaage. Das morsche Holz stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Und es macht einen schlechten Eindruck, wie ein Einwohner an der Gemeindeversammlung fand.

Ob die Bretter unter dem Schnee noch 15 Tonnen Gewicht aushalten würden? Bei der Bushaltestelle «Sonne» im Dorf Wisen lässt heute nur noch diese Gewichtsbeschränkung, die zusammen mit zwei vergilbten Parkverbotsschildern an einem Metallenen Etwas befestigt ist, erahnen, dass hier ein technisches Gerät verborgen liegt. Unter dem Schnee liegen Bretter, eingefasst von einem Metallrahmen und einer niedrigen Stützmauer.

Es ist der Deckel einer sogenannten Brückenwaage. Früher gab es eine solche landwirtschaftliche Waage in fast jedem Dorf. Als die Bauern noch untereinander mit Tieren und deren Futter handelten, waren sie auf die lokale Einrichtung einer exakten Waage angewiesen. So auch in Wisen. Diese Zeiten aber sind vorbei: Hightech-Maschinen haben die Waage abgelöst. Bestellte Waren werden von ausserhalb des Dorfes geliefert und Heuballen in genormten Grössen hergestellt.

Roland Nussbaumer führt in Wisen einen Landwirtschaftsbetrieb. Er besitzt rund hundert Kühe zur Milchproduktion. Auf Anfrage sagt er: «Ich habe den Betrieb vor 18 Jahren von meinem Vater übernommen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in dieser Zeit einmal auf die Waage angewiesen war, die in unserem Dorf steht.» Sein Vater habe die Waage noch benutzt. Sie habe schon vor dessen Geburt bestanden. Sie müsse also älter als 80 Jahre sein. Doch seit mindestens 15 Jahren sei sie nicht mehr geeicht worden. Und darum – durch ihre Ungenauigkeit – nutzlos geworden, meint Nussbaumer.

Gefährliche Löcher im morschen Holz

An der letzten Gemeindeversammlung vom November hat Nussbaumer auf den schlechten Zustand der Einrichtung aufmerksam gemacht. Am Telefon erklärt er: «Mich störten die defekten Holzbretter aus zwei Gründen.» Zum einen hätten die Löcher im Holz ein Sicherheitsrisiko dargestellt. Und sie machten einen schlechten Eindruck: «Dort steigen die Leute aus dem Bus und werfen einen ersten Blick auf unser Dorf», sagt er.

Doch nun habe sich die Gemeinde darum gekümmert, die Fläche um die Waage wurde abgesperrt. «So stört mich die Waage nicht mehr», sagt der Landwirt. Nach seinen Erinnerungen gefragt, erklärt Nussbaumer: «Damals wurde die Waage vom Wirt der Wirtschaft Sonne betrieben.»

Wer etwas wägen wollte, musste eine Gebühr entrichten, bemessen am gewogenen Gewicht. «Ein Teil der Einnahmen ging an den Wäger, also den Wirt, der andere Teil an die Gemeinde. Sie ist die Besitzerin der Brückenwaage.»

Gemeinde klärt ab was passieren soll

Paul Hecht, Gemeindepräsident von Wisen, bestätigt auf Anfrage, dass die Waage an der letzten Gemeindeversammlung Thema war. Doch es sei noch nicht klar, was mit dem Artefakt geschehe. «Das Dossier liegt bei der Bau- und Umweltkommission.» Diese klärt ab, ob die Waage saniert, definitiv versiegelt oder komplett zurückgebaut wird. «Wenn der Gemeinderat diese Informationen hat, werden wir dazu einen Entschluss fassen», erklärt Hecht.

Und: «Damit die morschen Eichenbalken in der Zwischenzeit kein Sicherheitsrisiko darstellen, hat die Gemeinde die Stelle abgesperrt.» Hecht weiss nicht, wann die Waage das letzte Mal benutzt wurde. Auch das Amt für Landwirtschaft des Kantons Solothurn kann keine detaillierte Auskunft zu den landwirtschaftlichen Waagen geben. Diese stünden in der Kompetenz der einzelnen Gemeinden. Es bestehe kein zentrales Inventar zu solchen Einrichtungen.

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