Diese Vorschrift haben das Gemeindepräsidium und die Wasserkommission am letzten Freitag erlassen und durch Flugblätter in alle Haushaltungen, an den Anschlagkästen und auf der Homepage der Gemeinde bekanntgemacht.

Abgekocht werden muss auch das Hahnenwasser, das zum Zähneputzen oder für die Nahrungsmittelzubereitung verwendet wird – auch für das Reinigen des Milchgeschirrs, was die letzten Stüsslinger Milchbauern betrifft. Zum Baden, Duschen oder Waschen kann das Wasser dagegen ohne vorheriges Abkochen verwendet werden.

Probe zeigte Verunreinigung

Auslöser der Abkochvorschrift war das Ergebnis der letzten regelmässigen Laborkontrolle des Stüsslinger Trinkwassers: Diese zeigte, dass das Wasser mikrobiologisch verunreinigt ist.

Wie Dominik Frauchiger, der für das Ressort Wasserwerke zuständige Gemeindevizepräsident, auf Anfrage erklärt, waren es also nicht Beobachtungen von Verfärbungen, Geruch oder Erkrankungen, die zu dieser Massnahme führten. Die Laborkontrollen finden laut dem Ressortchef monatlich statt.

Welcher Art die im Labor festgestellte Verunreinigung ist, wollte Frauchiger am Dienstag nicht mitteilen. Auch konnte er noch keine Aussagen zu den Ursachen oder zur voraussichtlichen Dauer der Schutzmassnahme machen.

Den Mitteilungen auf der Homepage ist zu entnehmen, dass zur Lokalisierung der Ursache Spülvorgänge im Reservoir und im Leitungsnetz durchgeführt worden seien.

Im Hochzonenreservoir wurden beide Kammern nacheinander entleert und von externen Fachleuten bautechnisch untersucht. Frauchiger, der seit sieben Jahren im Amt ist, kann sich an keine andere Trinkwasserverschmutzung in Stüsslingen erinnern.

«Ganze Familie hatte Durchfall»

Unliebsame Erfahrungen mit der Wasserverunreinigung machte eine vierköpfige Familie im Dorf. «Meine ganze Familie war letzte Woche stark von Durchfall betroffen – meine Frau, unsere beiden Söhne und ich», berichtet der Vater, der seine Familie jedoch nicht namentlich exponieren möchte, gegenüber dieser Zeitung. «Wir trinken normalerweise sehr viel Hahnenwasser. Denn wir schätzen das gute Quellwasser im Dorf sehr.»

Der Durchfall habe rasch aufgehört, nachdem die Gemeinde am Freitag die Warnung herausgegeben habe und sie zu Hause das Wasser abgekocht hätten. Darum ist der Mann überzeugt, dass tatsächlich das verschmutzte Trinkwasser die Ursache der Erkrankungen war.

Die Auswirkungen seien gravierend, sie regen den Stüsslinger durchaus auf. Der jüngere Sohn, Spitzensportler in einer Einzelsportart, musste wegen der Durchfallerkrankung einen Titelkampf absagen, der auf den 10. Dezember angesetzt war.

Dies war besonders ärgerlich, weil er sich zuvor während zwei Wochen in Südostasien darauf vorbereitet hatte. Der ältere Sohn der Familie konnte wegen des Durchfalls nicht an einer wichtigen Prüfung an der Schule teilnehmen.

Auch die Ehefrau sei bei der Arbeit stark eingeschränkt gewesen. Von allen Familienmitgliedern habe ihm selbst die Infektion am wenigsten anhaben können, so der Mann.

Obwohl es jetzt allen wieder besser geht, ist der Familienvater verärgert. Denn eine frühere Information hätte die Auswirkungen für seine Angehörigen minimiert oder ganz verhindert. «Ich frage mich, warum der Messrhythmus nicht höher ist, sodass man solche Verschmutzungen früher bemerken würde», sagt er.

Er habe in diesem Sinne bei den Gemeindebehörden interveniert. Er ist überzeugt, dass er und seine Familie nicht die einzigen Betroffenen in Stüsslingen sind: «Man hat letzte Woche im Dorf davon gehört, dass eine Magen-Darm-Grippe umgehe.»

Auswärtige machen sich lustig

Im Stüsslinger Restaurant Kreuz nimmt Wirtin Karin Leuenberger die Abkochvorschrift erstaunlich gelassen. Das Wasser, das für das Waschen des Salats oder sonst in der Küche gebraucht wird, muss am Vorabend abgekocht werden.

«Das ist ein rechter Mehraufwand, aber es ist machbar», meint sie. Hahnenwasser erhalten die Gäste im «Kreuz» zurzeit nicht, sie werden auf Mineralwasser verwiesen. Auf den Toiletten werden die Besucher darauf hingewiesen, dass sie das Wasser nicht trinken oder zum Zähneputzen brauchen sollten.

Ein anderer Aspekt in der Wirtschaft: «Gäste aus anderen Dörfern machen jetzt natürlich ihre Sprüche über das Stüsslinger Wasser», erzählt Karin Leuenberger. «Aber damit müssen wir leben.»

Ein Thema war die Wasserverschmutzung auch am Stüsslinger Turnerabend vom vergangenen Freitag. Der Moderator verkündete dem Publikum, der Kaffee könne bedenkenlos genossen werden, da das Wasser schon vor dem Aufbrühen abgekocht worden sei. «Die Leute haben es locker genommen und Sprüche geklopft», berichtete ein Zuschauer.