Rebbau

Trimbacher Wein vom Mühlehof: «Für mich ist der Weinbau ein Hobby»

Auf dem Mühlehof in Trimbach wird seit zwei Jahren Wein angebaut. Nun folgt eine Degustation an der 775-Jahr-Feier der Gemeinde am 9. November.

Unterhalb der Bahngleise, in der Mitte von Trimbach, liegt am Mühleweg 21 der «Mühlehof» der Familie von Felten. Zwischen Hof und Bahndamm befindet sich ein rund 2400 Quadratmeter grosses Grundstück, auf dem Wein angebaut wird. 22 Reihen Rebstöcke erstrecken sich auf einer Breite von ungefähr 40 Metern. «Wir haben aber erst die Hälfte des Areals kultiviert», sagt Bauer Hans von Felten. Gemäss Rebaukataster darf die Familie 6000 Quadratmeter für ihre Weinreben nutzen. 1500 einzelne Rebstöcke wurden bisher gepflanzt, beide mit Rotweintrauben. 500 davon gehören der Sorte «Leon Millot» und 1000 der Sorte «Marechal Foch» an. Letztmals wurde vor 400 Jahren in Trimbach Wein angebaut.

Diese Aufteilung der beiden Weinsorten ist kein Zufall. «Ein Drittel vom einen und zwei Drittel vom anderen ergeben eine gute Mischung», sagt Hans von Felten. Dabei sei der Leon Millot sehr viel milder als der doch sehr kräftige Marechal Foch. Der Vorteil dieser Sorten liegt darin, dass sie keine Pflanzenschutzmittel benötigen, da sie als pilzwiderstandsfähige Sorten gelten. Die Weinsorten passen auch zur Philosophie des Gutshofs. «Wir sind seit 30 Jahren ein Bio-Betrieb», sagt der Sohn Claudio von Felten. Er und sein Vater betreiben den Hof zusammen, wobei Claudio heute den Hof führt. «Für mich ist der Weinbau ein Hobby», sagt Hans von Felten. Der 70-Jährige ist bereits in Pension, unterstützt aber mit seiner Frau Sohn Claudio bei der Arbeit. Beide Rotweinsorten stammen ursprünglich aus dem Elsass und wurden nach berühmten französischen Persönlichkeiten benannt: Ferdinand Foch war Marschall im Ersten Weltkrieg, Leon Millot ein bekannter Baumschul-Gärtner aus den Vogesen.

Claudio bildet die vierte Generation des Hofes. Die Familie von Felten ist schon seit 300 Jahren im Besitz des Bauernhofes, damals noch unter dem Namen Müller. Vor 120 Jahren kaufte der Grossvater von Hans den Hof seinen Verwandten ab. Erbaut wurde das Gebäude von den Froburgern im Hochmittelalter zwischen dem 12. und dem 13. Jahrhundert. Ein massiver und reich verzierter Kachelofen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beherrscht die Wohnstube.

Seit zwei Jahren keltern die von Feltens Ihren eigenen Wein. Bereits in den Jahren 2008 und 2009 testete die Familie auf 100 Stöcken verschiedene Weinsorten. Den aktuellen Weinberg legte sie in der Periode von April bis Mai 2012 an. Im gleichen Jahr besuchten Hans und Claudio von Felten den Kelterkurs beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) in Frick. Dort gibt es einen grossen Weinkeller und eine Forschungsstation.

Weinanbau ist ein kompliziertes Unterfangen, das letztlich auch ein klein wenig Glück erfordert. Anfang eines jeden Jahres werden die Reben geschnitten, beide Sorten wachsen bis Mai aber sehr schnell nach und das oft in die Breite, was den Durchgang blockiert. «Die Weinreben müssen immer von Hand gerichtet werden», sagt Hans von Felten. Im Sommer sind die Trauben den Insekten, vor allem Wespen und Vögeln ausgeliefert. Deswegen werden im August grüne Netze über die Reben aufgespannt.

Verwandte und Bekannte helfen beim «Wümme»

In dieser Zeit spielt das Wetter eine wichtige Rolle, denn viel Sonnenschein garantiert auch eine ertragsreiche Ernte. Bei der Ernte helfen acht bis zehn Verwandten und Bekannten. «Dabei werden nur die Guten eingesammelt, die Schlechten werden auf den Boden geworfen», sagt Claudio von Felten. Die «Wümmet», alsi die Lese, fand dieses Jahr am 19. und 20. Oktober statt. Am gleichen Tag mussten weitere Arbeitsschritte eingehalten werden. So wurden die Trauben in einer speziellen Maschine vom Stiel getrennt und kamen direkt in einen Kunststofftank. In diesem findet die Maischgärung durch biologische Hefe statt. Dieser Prozess dauerte rund eine Woche. Erst dadurch erhält der Rotwein auch seine charakteristische rote Farbe.

Nach einem Monat bleibt von der Hefe nur noch ein Satz unten im Tank. Diese stehen im Keller des Wohnhauses und sind mit Temperaturmessgeräten bestückt. Der Keller dient gleichzeitig auch als Lagerraum: Hunderte schwarzer Weinflaschen stehen bereit zum Verkauf. «Dieses Jahr haben wir 1200 Liter Wein im Tank», sagt Hans von Felten. Letztes Jahr waren es 700 Liter. Die Weine bewegen sich in einer Preisklasse von 15 bis 20 Franken. Die günstigen Weine, deren Flaschenhälse rot sind, stammen aus dem Stahltank. Die teureren Weine haben einen goldenen Flaschenhals und wurden zusätzlich in einem Eichenfass ein Jahr ausgereift. So entsteht ein echter Trimbacher barrique.

Hinweis
Der Verkauf der ersten Weine startet am 9. November um 15 Uhr im Mühlemattsaal während der 775-Jahr Feier von Trimbach. Die Besucher die Möglichkeit, den Wein zu probieren oder zu bestellen. Daneben findet auch ein Verkauf direkt ab Hof statt.

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