Trimbach
Wo die Container und das Wissen fehlen: Trimbach hat mit Littering zu kämpfen

Trimbacherinnen und Trimbacher regen sich über herumliegenden Müll auf. Die Gemeinde ist sich des Problems bewusst.

Cyrill Pürro 1 Kommentar
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An vereinzelten Strassenrändern in Trimbach findet man auch Möbelstücke.

An vereinzelten Strassenrändern in Trimbach findet man auch Möbelstücke.

Bruno Kissling

«Dritte Welt, Favelas von Rio de Janeiro? Nein, Trimbach an der Baslerstrasse 58!», schreibt ein Nutzer in einem Facebook-Post vom 9. Januar. Darunter zeigt er ein Bild von der besagten Baslerstrasse. Darauf zu sehen: Ein nicht mehr gebrauchtes Pult, das an der Hauswand steht, Müllsäcke, die neben dem Container liegen und achtlos dahingeworfener Abfall. Der Post in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Trimbach, wenn…» erhält Anklang. Andere Userinnen und User reagieren auf den Post in den Kommentaren. Darunter auch Rene Anselmi, der als Hauswart drei Mehrfamilienhäuser betreut. Zwei davon befinden sich in Trimbach.

Der Abfall türmt sich in verschiedenen Ecken

In seinem Kommentar zeigt auch er ein Foto, welches zwei aufeinandergestapelte Sofateile abbildet, die sehr lange herum standen. Das bestätigt Anselmi auf Anfrage. Bei seiner täglichen Arbeit beobachtet er, dass Abfall wie leere Dosen und PET-Flaschen «irgendwo landen», statt in den dafür vorgesehenen Behältnissen. Beispielsweise in alten, ungebrauchten Töpfen. Bei der einen Liegenschaft, die Anselmi betreut, würden Möbel einfach hinaus auf den Rasen gestellt – ohne Schild «zum Mitnehmen». Die seien so «schitter zwäg», dass sie so oder so von niemandem abgeholt würden, wie Anselmi sagt.

An der Baslerstrasse 58 kommt es gemäss Facebook-Post immer wieder zu grösseren Abfallhaufen.

An der Baslerstrasse 58 kommt es gemäss Facebook-Post immer wieder zu grösseren Abfallhaufen.

Bruno Kissling

Ein weiteres Problem seien die Müllsäcke. «Manche Einwohnende verwenden statt den offiziellen Müllsäcken einfache Plastiksäcke oder dergleichen», so Anselmi. Diese würden dann liegen bleiben und von Tieren aufgerissen. Anselmi kommentiert:

«Das gibt dann eine riesige Sauerei auf der Strasse.»

Auf die Frage hin, wie es zu dieser Abfallproblematik kommt, hat der knapp 60-Jährige keine Antwort. Anselmi vermutet:

«Wir haben in letzter Zeit viele Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger. Diese sind, wie ich finde, noch nicht richtig über die Müllentsorgung in Trimbach informiert worden.»

Die Anwohnerin Catherine Berchtold beobachtet das Müllproblem vor allem bei den Bushaltestellen – «und das bereits seit einem halben Jahr». Früher seien überall im Dorf verteilt Container gestanden. Doch jetzt gäbe es nur noch die beiden Sammelstellen bei Coop und bei Lidl. Berchtold würde eine Rückkehr dieser Container begrüssen, denn gerade alte Leute seien darauf angewiesen. Eine weitere Bewohnerin Trimbachs deklariert das Aareufer als Abfallparadies. Bei Spaziergängen an der Aare finde sie immer wieder Haushaltsabfälle.

Gemeinde geht Müllproblem laufend an

Roland Brunner, Bauverwalter von Trimbach.

Roland Brunner, Bauverwalter von Trimbach.

Bruno Kissling

Über diverse Publikationsorgane habe die Gemeinde erst gerade über die Abfall-Problematik informiert. «Trotzdem gibt es immer wieder einzelne Personen, die sich nicht an die Regeln halten», wie Bauverwalter Roland Brunner auf Anfrage mitteilt. In diesen Fällen würden die Besitzer gemahnt und, falls nötig, gebüsst. Nur wenn alles nichts nützt, räume der Werkhof schliesslich weg. Heutzutage benötige der Werkhof fast drei Arbeitstage, um den Abfall aus den öffentlichen Abfalleimern zu sammeln und den illegal entsorgten Abfall zusammenzukehren. Vor 20 Jahren sei es noch ein halber Tag gewesen. Das Littering mache ein Prozent des gesamten Abfallvolumens aus – «ein kleines, aber sichtbares und ärgerliches Prozent», so Brunner.

Die Gemeinde erhalte immer wieder Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Diese Hinweise reichen von «ich habe entdeckt» bis hin zu «ich bin verärgert», wie Brunner erklärt. Er führt weiter aus:

«Generell sind wir froh über solche Meldungen, deshalb haben wir auch den Dorfmelder, über den man unter anderem auf Littering hinweisen kann.»

Brunner hält den Vorwürfen, Zugezogene würden nicht über die Abfallentsorgung informiert, entgegen: «Wer in die Schweiz kommt, wird im Rahmen der obligatorischen Integrationskurse über die Rechte und Pflichten und auch über Abfall, Recycling und Mülltrennung informiert.» Es gebe wenige Zugezogene aus Staaten, in denen die Abfallentsorgung nicht so gut organisiert sei. Hier leiste die Gemeinde im Rahmen der Integration Informations- und Aufklärungsarbeit. Er kommentiert:

«Littering ist nicht eine Frage der Herkunft, sondern der Erziehung.»
1 Kommentar
Anna Weber

Es ist einfach erstaunlich, dass man immer noch solche Sauereien antrifft. Die Hauseigentümer haben dafür zu sorgen, dass genügend Container zur Verfügung stehen und die Abfallverursacher ihren Abfall richtig entsorgen. Wer sind die Mieter?

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