Lostorf
Thomas A. Müller kandidiert für Regierungsrat: «Jetzt bin ich bereit für den Wechsel»

Der Lostorfer Gemeindepräsident Thomas A. Müller (CVP) kandidiert für den Solothurner Regierungsrat.

Lorenz Degen
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Thomas A. Müller hat bereits vor acht Jahren eine Kandidatur als Regierungsrat ins Auge gefasst.

Thomas A. Müller hat bereits vor acht Jahren eine Kandidatur als Regierungsrat ins Auge gefasst.

Bruno Kissling

Gut möglich, dass einer der nächsten Regierungsräte aus dem Niederamt kommt. Neben Peter Hodel (FDP) aus Schönenwerd kandidiert Thomas A. Müller (CVP) aus Lostorf für einen der beiden frei werdenden CVP-Sitze, die seine Partei mit ihm und Sandra Kolly-Altermatt aus Neuendorf verteidigen will. Der amtierende Gemeindepräsident von Lostorf blickt bereits auf eine bald 20-jährige politische Karriere zurück, die im Gemeindeparlament Olten ihren Anfang nahm. Müller, verheiratet und Vater dreier Söhne, erörtert im Gespräch, was ihn derzeit als Gemeindepräsident beschäftigt und was ihn am Amt des Regierungsrates reizen würde.

Herr Müller, das neue Jahr hat soeben angefangen. Was liegt zuoberst auf Ihrem Pult?

Thomas A. Müller: Unser langjähriger Gemeindeschreiber wird Mitte Jahr pensioniert, nach über 40 Dienstjahren. Derzeit treffen die ersten Bewerbungen ein; diese bin ich am Sichten. Daneben sind es die grossen Bauprojekte der Gemeinde Lostorf, die meine Aufmerksamkeit benötigen.

Um was für Projekte handelt es sich da?

Es gibt etliche. Zum einen ist da die Sanierung des Schulhauses 1912 zu nennen; dann auch der Baubeginn bei der Hauptstrasse Nord, der im Frühling starten soll. Zudem soll der Asylpavillon bei der Kirche erneuert und die Mahrenstrasse saniert werden. Im Gemeinderat beraten wir auch darüber, ob die Gemeinde das ehemalige Postgebäude kaufen soll, um darin den Kindergarten unterzubringen.

Das klingt nach vielen Aufgaben.

Ja, es sind nicht wenige, und daneben praktiziere ich als Anwalt. Das ist meine Haupttätigkeit.

Sie kandidieren für den Regierungsrat. Werden Sie sich auch wieder der Wahl zum Gemeindepräsidenten stellen?

Ich werde wieder für das Amt des Gemeindepräsidenten kandidieren. Wenn ich als Regierungsrat gewählt würde, könnte ich dieses Amt natürlich nicht mehr ausüben. Wer an meiner Stelle als Gemeindepräsident in Frage käme, wenn ich nach Solothurn ginge, entzieht sich meiner Kenntnis. Da halten sich die Parteien noch bedeckt. Ob es bei den Gesamterneuerungswahl im April innerhalb des Lostorfer Gemeinderates zu Rochaden kommt, ist derzeit ebenfalls noch unklar.

Im Niederamt sind Sie ja bekannt. In welchen Teilen des Kantons haben Sie noch Nachholbedarf?

Auch in Olten kennt man mich gut, dort bin ich aufgewachsen und war auch im Gemeinderat. Als ehemaliger Kantonsrat habe ich ebenfalls eine gewisse Bekanntheit. Aber es ist klar, dass ich das in den anderen Bezirken weniger bin. Einen Wahlkampf zu führen, ist in dieser Zeit sehr schwierig. Vieles läuft über die sozialen Medien. Grosse Wahlkampfanlässe zu organisieren, ist nicht zulässig, höchstens Kleinanlässe können durchgeführt werden. Mein Wahlkampfteam arbeitet an Videos, Karten und Plakaten. Auf meiner Website www.thomas-mueller.ch präsentiere ich weitere Informationen zu meiner Person und meinen politischen Inhalten. Hinzu kommen verschiedene Zeitungs- oder Radiointerviews.

Wollten Sie schon immer Regierungsrat werden?

Als Kind hatte ich andere Träume (lacht)! Vor acht Jahren habe ich es mir ernsthaft überlegt, auch die Fraktion der CVP hätte mich gerne als Kandidaten gesehen. Doch meine Kinder waren damals noch zu jung, darum habe ich mich entschlossen, nicht anzutreten. Jetzt ist die richtige Konstellation mit dem Doppelrücktritt. Diese Gelegenheit will ich beim Schopf packen.

Was reizt Sie am Amt des Regierungsrates?

Ich habe eine langjährige politische Erfahrung, ob als Oltner Gemeindeparlamentarier, als Kantonsrat oder jetzt als Lostorfer Gemeindepräsident. Ein Exekutivamt reizt mich mehr als eines in der Legislative. Da kann ich etwas bewegen, währenddem der Parlamentsbetrieb oft recht träge ist. In den letzten acht Jahren konnte ich Erfahrungen in der Gemeindeexekutive sammeln. Jetzt bin ich bereit für den Wechsel auf die Kantonsstufe. Das Amt des Regierungsrats ist sehr anspruchsvoll und vielseitig. Es beinhaltet sehr viel Führungsarbeit. Aber auch der gesetzgeberische Teil würde mir als Jurist sicherlich sehr liegen. Bei meiner Arbeit stelle ich nicht meinen persönlichen Erfolg oder denjenigen der Partei ins Zen­trum, sondern das Wohlergehen der ganzen Bevölkerung.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Wie beim Gemeinderat oder Bundesrat beruht das Funktionieren des Regierungsrats auf Kollegialität. Streit und Unstimmigkeiten merkt die Bevölkerung sofort. Es ist mir wichtig, dass Transparenz und Offenheit herrschen, damit das Kollegium gut zusammenarbeitet. Ich lege Wert darauf, an­dere Meinungen einzuholen, bevor ein Entscheid gefällt wird und vertraue da besonders meinen Mitarbeitern, die überhaupt das höchste Gut sind.

Haben Sie ein Wunschdepartement?

Es gibt kein Departement, das mich nicht interessieren würde. Als Steuerrechtler wäre das ­Finanzdepartement sicher passend, aber auch die Bildung ­finde ich spannend, wobei ich aber nicht davon ausgehe, dass Regierungsrat Ankli in ein anderes Departement wechseln will. Aber auch das Bauen, die Volkswirtschaft oder das Departement des Innern wären für mich als Juristen faszinierende Aufgaben.

Welche Erwartungen haben Sie an das Jahr 2021?

Wir müssen die Coronakrise in den Griff bekommen. Wir bringen die Zahlen trotz der ergriffenen Massnahmen nicht run­ter; es ist wie ein Treten an Ort. Wie es mit der Virus-Mutation weitergeht, ist auch noch unklar. Die Impfung gibt aber zu Hoffnungen Anlass. Der Bundesrat und unsere Regierung haben weitgehend einen guten Job gemacht. Im Nachhinein zu kritisieren, ist immer sehr einfach. In wirtschaftlicher Hinsicht dürfte uns die Krise noch länger beschäftigen. In der ersten ­Welle war die Hilfe rasch und grosszügig. Jetzt ist sie allzu zurückhaltend. Ich kenne Restaurants, die haben keine Per­spektive mehr. Die Härtefallent­schädigung setzt falsche An­reize. ­Belohnt wird, wer den Umsatzrückgang einfach hinnimmt. Innovative Wirte, die in Schutzkonzepte investierten, Iglus und Gartenhäuschen bauten und wieder Umsatz machten, fallen jetzt zwischen Stuhl und Bank. Da besteht Handlungsbedarf.