Rohr

Swisscom rüstet im 100-Seelen-Dorf auf

Gemeindepräsident André Wyss freut sich über den Ausbau des Glasfasernetzes in seiner Gemeinde. Damit erübrige sich aber eine neue Handy-Antenne.

Schnelleres Internet und besserer Mobilfunkempfang: In Rohr wird die Infrastruktur ausgebaut. Was sagt die Gemeinde dazu?

Die Swisscom hat ein Versprechen abgegeben: Bis Ende 2021 soll jede Gemeinde in der Schweiz mit leistungsfähigerem Glasfasernetz versorgt sein. In den Genuss von «ultraschnellem Internet», wie es die Swisscom in ihrer Medienmitteilung nennt, wird auch Rohr kommen. Die knapp 100 Einwohner grosse Gemeinde hatte laut Gemeindepräsident André Wyss bisher eine «sehr schwache und störungsanfällige Internetleitung». «Den Ausbau begrüssen wir darum sehr», so Wyss weiter.

Die ersten Bauarbeiten für den Ausbau des Glasfasernetzes sind ab Frühling 2020 geplant. Noch befinde sich das Projekt in Planung, erklärt Swisscom-Sprecherin Esther Hüsler. «Sichtbar werden die Arbeiten erst, wenn die Maschinen auffahren und kleine Werklöcher geöffnet werden müssen.» Das Glasfaserkabel werde entlang der bestehenden Leitungen von Moosleerau im Aargau bis nach Rohr gezogen. Bis zum Start der Bauarbeiten müssten aber noch Bewilligungen für den Ausbau auf privaten sowie öffentlichen Grundstücken eingeholt werden. Die Arbeiten würden ausserdem etwa zeitgleich mit Strassensanierungen durchgeführt.

Hausanschlüsse kommen erst später

Die Swisscom will die Glasfasernetze möglichst nahe an die Häuser der Kunden heranführen. «Fibre to the Street» nennt sich dieser Ausbaustandard. In die Wohnungen kommt das Internet dabei aber nicht. «Die Kabel können zu einem späteren Zeitpunkt bis ‹to the Home› ausgebaut werden», erklärt Hüsler auf Anfrage. Der Grund: Ein flächendeckender Ausbau «to the Home» würde die Arbeiten über Jahre hinweg verzögern und zu hohe Kosten verursachen. Wie teuer der Ausbau des Glasfasernetzes in Rohr wird, dazu will die Swisscom keine Angaben machen. Hüsler: «Wir investieren jährlich rund 1,6 Milliarden Franken in die Verbesserung der Infrastruktur in der Schweiz.»

Bereits in der zweiten Jahreshälfte von 2020 sollen die ersten Rohrer das schnellere Internet nutzen können. Eine gute Nachricht für Gemeindepräsident André Wyss: «Wir sind schon lange an diesem Thema dran. Die Situation verschlimmert sich von Jahr zu Jahr.» Denn aufgrund der zunehmenden Datenmengen würde die Internetleistung immer langsamer. Darum erwartet Wyss vonseiten der Bevölkerung keinen Widerstand gegen das Vorhaben der Swisscom. «Die Rohrer sehnen sich nach besseren Internetleitungen und profitieren ja deutlich vom Ausbau.»

Bekommt Rohr eine zweite Handy-Antenne?

Neben dem Ausbau des Glasfasernetzes kündigt die Swisscom in ihrer Medienmitteilung auch die Erweiterung des Mobilfunknetzes an. «Bis Ende 2019 soll die ganze Schweiz mit der neusten Mobilfunktechnologie surfen können», schreibt die Swisscom. Damit ist der 5G-Standard gemeint. In Rohr betreibt das Telekommunikationsunternehmen bereits eine Handy-Antenne: Sie steht an der Kreuzung Schafmatt- und Schulstrasse. Mit 2G verfügt diese Mobilfunkanlage über eine sehr kleine Sendeleistung. Darum plant die Swisscom den Bau einer zweiten Antenne. Wyss sagt: «Nach meinem Wissensstand sind Abklärungen im Gange, wonach auf einem privaten Grundstück eine 5G-Antenne installiert werden soll.» Bisher liege aber noch kein Baugesuch vor. Die Swisscom bestätigt das Vorhaben und rechnet mit einer Inbetriebnahme Mitte 2020.

Für Wyss erübrigt sich durch den Ausbau des Glasfasernetzes der Bau einer neuen Antenne. «Unser Dorf und die Region Schafmatt gelten bisher als verhältnismässig strahlungsarme Zonen. Rohr ist anders und soll anders bleiben», so der Gemeindepräsident. Er werde sich darum dafür einsetzen, dass zuerst «klare Abklärungen zu den negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur» vorliegen müssten. Wyss: «Als Gemeindepräsident ist es mir aber auch ein grosses Anliegen, dass der ‹Dorffriede› bewahrt wird.» Er gehe davon aus, dass ein Drittel der Rohrer für die Antenne, ein Drittel dagegen und ein Drittel neutral eingestellt seien. Weiter vermutet Wyss: «Aufgrund der Naturverbundenheit der Rohrer kann es sein, dass die kritischen Stimmen bei uns verhältnismässig grösser sind als der schweizweite Durchschnitt.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1